15:51 10 Dezember 2018
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    Mitglied der Band Feihne Sahne Fischfilet bei Pressekonferenz vor dem Musikkonzert gegen Rassismus in ChemnitzDemo gegen Rechtsradikalismus in Chemnitz

    „Wir sind mehr“: Musiker rocken und rappen in Chemnitz gegen Rechts

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    Tödliche Messerattacke in Chemnitz (18)
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    Die „Toten Hosen“ treten gemeinsam mit weiteren deutschlandweit bekannten Musikern am Montagabend in der Innenstadt von Chemnitz kostenfrei auf. Das Konzert ist ein Zeichen „gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt“, so die Organisatoren. Die Veranstalter erwarten über 15 000 Besucher.

    Das Benefiz-Konzert „Wir sind mehr“ am Montagabend ist als „Reaktion auf die besorgniserregenden Entwicklungen in der Stadt Chemnitz in den vergangenen Tagen“ gedacht. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung der Veranstalter hervor, die der Redaktion vorliegt. Dabei „haben sich mehrere Musikkünstler zusammengeschlossen und für Montag (…) 17:00 Uhr ein Konzert gegen Fremdenfeindlichkeit und für Menschlichkeit unter dem Motto ‚Wir sind mehr‘ in Chemnitz angekündigt.“ Es kann auf dem Video-Portal „YouTube“ live und kostenfrei verfolgt werden. Der öffentlich-rechtliche Sender “3sat“ übertragt live am Montag ab 19:20 Uhr.

    Neben der Düsseldorfer Punk-Band „Die Toten Hosen“ um Sänger Campino werden mit „Marteria“ und „Casper“ zwei erfolgreiche deutsche Rap-Musiker auf der Bühne stehen. Zudem haben sich die Bands „K.I.Z.“ und „Feine Sahne Fischfilet“ angekündigt. „Kraftklub“ und „Trettmann“ treten ebenfalls auf und stammen selbst aus Chemnitz.

    „Kraftklub hat sich noch nie davor gedrückt, gesellschaftliche Missstände beim Namen zu nennen“, schreibt die „Berliner Zeitung“. „Bekannt sind sie vor allem für fulminante Festival-Konzerte und ihr Engagement gegen rechts.“

    Künstler gemeinsam mit „Bündnis Nazifrei“

    Auf Facebook zeigten sich bisher rund 70 000 Menschen an der Veranstaltung interessiert. Über 15 000 sagten bereits ihre Teilnahme zu. „Im Vorfeld des Konzerts wird es um 15 Uhr in der Chemnitzer Stadthalle eine Pressekonferenz mit den beteiligten Künstlern und einem Vertreter des ‚Bündnis Chemnitz Nazifrei‘ geben“, kündigen die Organisatoren an.

    In ihrer Pressemitteilung heißt es: „Seit einigen Tagen demonstrieren Neonazis, Rassisten, Faschisten und Rechtsnationale durch die sächsische Stadt Chemnitz, nehmen die Stadt für sich ein (…) und scheuen auch vor Gewalt nicht zurück. Dagegen möchten mehrere befreundete Musiker unter dem Motto ‚Wir sind mehr‘ gemeinsam mit möglichst vielen Menschen aus Chemnitz, Sachsen und Deutschland am Montag ein Zeichen setzen. Und zwar mit einem kostenlosen Open Air-Konzert in der Chemnitzer Innenstadt.“

    Konzert vor der Johanniskirche

    Zunächst planten die Veranstalter, das Konzert vor dem Chemnitzer Karl-Marx-Denkmal abzuhalten. Doch das Interesse der Menschen sei so groß, dass das „Festival nun an einen Ort mit größerem Fassungsvermögen“ verlegt wurde, schreibt das Musik-Magazin „Rolling Stone“ in seiner Online-Ausgabe. Das Konzert werde nun auf dem großen Parkplatz vor der Johanniskirche stattfinden, 400 Meter vom Karl-Marx-Monument entfernt.

    Chemnitzer unterstützen Konzert

    Das Konzert erhalte solidarische Unterstützung von Bürgern und Unternehmen aus Chemnitz und Umgebung, schreibt das Fachmagazin „Werben und Verkaufen“. „Nicht nur Privatpersonen beteiligen sich daran, zur Teilnahme an #wirsindmehr aufzurufen. Der Reiseanbieter Flixbus verspricht Freifahrtscheine, Coca-Cola will Getränke kostenlos zur Verfügung stellen. Einige Unternehmen geben ihren Mitarbeitern frei oder organisieren sogar Fahrten im ‚Firmenbulli‘.“ Organisationen wie der „Bund der Deutschen Katholiken“ oder auch die IG Metall laden nach Chemnitz ein. Marken aus der Region – wie etwa der Uhrenhersteller „Nomos“ aus Glashütte – stellen eine gemeinsame Anzeigenkampagne auf die Beine.

    Unterdessen befinden sich die meisten Bands und Künstler auf dem Weg nach Chemnitz – oder sind schon dort eingetroffen. So twitterte Rapper „Casper“ am Sonntagabend: „Habt eine gute Reise und passt auf euch auf. bis später! #wirsindmehr.“

    „Tausende Leute ziehen durch Chemnitz und instrumentalisieren einen erbärmlichen Mord“, sagte der Musiker aus Bielefeld zuvor in einem gemeinsamen Statement mit den anderen Künstlern, die kostenfrei in Chemnitz auftreten werden.

    „Es geht ihnen nicht darum zu trauern, sondern um ihrem Hass freien Lauf zu lassen. Es waren jedoch auch tausende Leute auf der Straße, die diese Hetze nicht hinnehmen wollten. Jede einzelne Person von euch feiern wir. Diesem rassistischen Mob hat man nicht unwidersprochen die Straße zu überlassen. Wir freuen uns, wenn noch viel mehr Leute den Arsch hochbekommen und wenn die Menschen, die sich diesen Zuständen immer wieder in den Weg stellen, auch mal Kraft tanken können. All den Menschen, die von den Neonazis angegriffen wurden, wollen wir zeigen, dass sie nicht alleine sind. Alle nach Karl-Marx-Stadt! Zusammen!".

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    Themen:
    Tödliche Messerattacke in Chemnitz (18)
    Tags:
    Friedensappell, Konzert, Messerattacke, Neonazis, Messerstecherei, Lösung, Mord, Protest, Regelung, Rassismus, Musik, Chemnitz, Sachsen, Deutschland