13:07 03 Juni 2020
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    VIDEO: Mutiger Auftritt von Dunja Hayali in Chemnitz – Aber hat man sich verstanden?

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    Tödliche Messerattacke in Chemnitz (18)
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    In Chemnitz gab es am Wochenende Demonstrationen wegen der Tötung von Daniel H. vor einer Woche. Vor Ort auch die ZDF-Journalistin Dunja Hayali. Im Internet zu sehen ist ein Video eines Streitgespräches mit ihr. Sputnik-Korrespondent Andreas Peter war in Chemnitz. Er bewertet das Video als Symbol einer Legimitationskrise des deutschen Journalismus.

    Dunja Hayali ist eine Journalistin, wie man sie sich eigentlich wünscht. Sie geht an die Orte und zu den Menschen, über die sie berichtet. Das ist nicht immer nötig oder möglich, aber ein Idealzustand. Dazu gehört mitunter auch Mut. Wer weiß, wie Dunja Hayali im Internet mit offenem Hass attackiert wird, kommt gar nicht umhin, der Kollegin Respekt zu zollen, sich Menschen zu stellen, von denen sie annehmen muss, dass sie ihr nicht wohlgesonnen sind.

    Doch Hayalis Konfrontation in Chemnitz offenbarte, wie tief der Graben und wie grundsätzlich das Missverständnis zwischen Berichterstattern, den Menschen über die sie berichten und den Mediennutzern ist. Das im Internet kursierende Video dokumentiert, wie am Marx-Monument in Chemnitz, also dort, wo die Kundgebungen von "Pro Chemnitz" und "Pegida" stattfanden, Dunja Hayali von einer Frau im wahrsten Wortsinn in Grund und Boden geredet wird. Umringt von anderen Menschen, die ununterbrochen zum Teil bösartige Kommentare hineinrufen.

    Hayali wirkt nicht verängstigt oder nervös, aber ratlos, und konzentriert, das Gesagte überhaupt akustisch zu verstehen. Aber das, was von Hayali zu hören ist, lässt den Eindruck entstehen, sie begreift den Kern der Empörung vieler Menschen über Berichterstattung von Medien und insbesondere auch von öffentlich-rechtlichen gar nicht. Nicht nur in Chemnitz fühlen sich Menschen nicht informiert, sondern belehrt oder gar denunziert.

    Schon der erste zu verstehende Dialog ist bezeichnend. Dunja Hayali fragt die Frau: "Sie wollen doch auch nicht, dass sie alle in einen Topf geworfen werden." Die empörte Reaktion: "Sie werfen uns doch zuerst alle in einen Topf!"

    Journalismus im Internetzeitalter, mit dem Zwang nicht zu spät kommen zu dürfen, führt immer wieder zu einer Art Rudeljournalismus. Der kann Vertrauen in Medien zerstören, im schlimmsten Fall irreversibel. Auch in Chemnitz. Seit der Tötung von Daniel H. wird von Pogromen und Hetzjagden auf Migranten in Chemnitz berichtet. Einziger Beleg bislang: ein abrupt endendes Video. Weder sein Ursprung ist geklärt noch die Beweiskraft für "Hetzjagden in Chemnitz“.

    Doch darauf basieren die bisherige Berichterstattung und alle Gegendemonstrationen. Jetzt hat der Generalstaatsanwalt Sachsens erklärt, es gäbe nur dieses eine Video als Beleg für Hetzjagden auf Ausländer in Chemnitz. Damit wären die Aussagen von Regierungssprecher Steffen Seibert und vieler anderer komplett haltlos. Auch Sputnik konnte bei zwei Recherchen in Chemnitz keine Hetzjagden feststellen, was nicht ausschließt, dass es sie gibt, sie sind eben nur nicht belegt.

    Unstrittig ist, dass Sachsen ein zum Teil erhebliches Problem mit Rechtsextremen hat, weil die Politik vor Ort zu lange weggesehen hat. Aber pauschale Beschuldigungen an die Einwohner von Chemnitz, sie würden sich kritiklos rechten Gruppen hingeben, die Menschen jagen, die stehen im Raum und haben ihren Weg bis in die fernsten Winkel der Erde genommen. Wer das Internet und die Wirkungsmechanismen von Medien kennt, denn Gegendarstellungen liest ja kaum einer, kann vielleicht die Wut vor Ort etwas besser nachvollziehen. Im günstigsten Fall hat auch Dunja Hayali in Chemnitz gelernt, dass man Menschen auch mit leichtfertiger Wortwahl schwer verletzen kann, von Rufmord gar nicht zu reden.

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    Linksradikale, Journalistin, TV-Sender, öffentlich-rechtliche Sender, Rechte, Flüchtlinge, Iraker, Pleite, Messerstecherei, Mord, Demonstrationen, Syrer, Mainstream, Migranten, Medien, ZDF, Daniel Hillig, Dunja Hayali, Chemnitz, Sachsen, Deutschland
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