04:53 19 November 2018
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    „Öffentlich jüdisch sein ist nicht möglich“ – Autorin des Buchs „Schonzeit vorbei“

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    Valentin Raskatov
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    Juna Grossmann ist in Berlin geboren, hängt einer liberalen Form des Judentums an und hat das freie Leben in der Hauptstadt immer geliebt. Doch seit einigen Jahren werden sie und Menschen aus ihrem Bekanntenkreis angefeindet. Über den neu aufkeimenden Antisemitismus hat sie nun ein Buch geschrieben. Sputnik hat mit ihr gesprochen.

    Für Juna Grossmann ist die „Schonzeit“ vorbei. Der Antisemitismus hat in Deutschland in den letzten Jahren zugenommen, weiß die Autorin aus eigenen Erfahrungen am Jüdischen Museum zu berichten. Es fängt schon bei einfachen Garderobenregeln an, wenn Besucher diese mit den Worten ablehnen: „Jetzt wollt ihr euch wegen des Holocausts an uns rächen.“

    Obwohl viele Mitarbeiter des Museums nicht einmal Juden sind und einige der dort arbeitenden Juden wiederum niemals in Israel waren und keinen Einfluss auf die dortige Politik haben, werden sie von manchen Besuchern außerdem ohne Umschweife auch in politischen Fragen zur Rede gestellt: „Was ihr dort in Israel macht, ist nicht in Ordnung“, heißt es etwa. Dieses „Ihr“, diese Bildung einer Kollektivschuld gefällt Grossmann nicht.

    Es gibt aber nicht nur diesen eher subtilen Antisemitismus, der sich auch nicht immer sauber von Israelkritik trennen lässt, sondern es kommt in Deutschland auch zu einem deutlicheren Antisemitismus wie die Ausfälle bei Demonstrationen im Jahr 2014, bei denen Menschen danach riefen, Juden zu vergasen.

    Diese und viele andere Formen des wiederaufkommenden Phänomens beschreibt Grossmann in ihrem bei Droemer Knaur neu erschienenem Buch „Schonzeit vorbei“, und da ihr die zunehmende Judenfeindlichkeit ebenso wie die generelle Hetze gegen Minderheiten in Europa Sorgen bereitet, sitzt sie auf gepackten Koffern. Ihr Ziel der Wahl ist Kanada, ein Ort den sich auch andere Juden für die Emigration aus Europa ausgesucht haben. Allerdings wird es für die Museumsmitarbeiterin mit ihrem Beruf schwer, dort Fuß zu fassen, und das geliebte Berlin wird sie auch nur ungern hinter sich lassen.

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    Tags:
    Nationalsozialismus (Nazismus), Fremdenfeindlichkeit, Kritik, Gewalt, Meinungsfreiheit, Rechtsextremismus, Rechte, Judentum, Juden, Buch, Antisemitismus, Holocaust, Juna Grossmann, Droemer Knaur, Berlin, Israel, Deutschland
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