11:23 22 September 2018
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    Völkerfreundschaftsdenkmal in Leipzig im Ural

    Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig – im Ural

    © Foto : Nicole Wagener
    Gesellschaft
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    Armin Siebert
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    Vielleicht haben Sie schon von dem Städtchen Leipzig in den USA gehört. Aber Leipzig in Russland kennen bestimmt nur die Wenigsten. Das könnte sich jetzt ändern. Ein Projekt, das die sächsische Metropole mit dem gleichnamigen Ort im Ural verbindet, erhält jetzt einen großen Preis aus den Händen der Außenminister Russlands und Deutschlands.

    Auf den 790-Seelen-Ort Leipzig im Ural ist der russische Journalist und Filmemacher Nassur Juruschbajew 1999 gestoßen. Damals war er Kameramann beim Sachsen-Fernsehen. Juruschbajew, der selbst im Ural aufgewachsen ist, lebt seit 1992 in der Sachsen-Metropole, in die ihn die Liebe einst verschlug.

    Nachdem der Filmemacher den 3871 Kilometer entfernten Namensvetter der sächsischen Boomtown in den 2000er Jahren das erste Mal besucht hatte und dort begeistert empfangen wurde, reifte die Idee, daraus eine Städtepartnerschaft erwachsen zu lassen. Dafür ging Juruschbajew unkonventionelle Wege. 2012 klopfte er mit seiner Idee an die Tür des Integrationsvereins „Leipzig – Brücke der Kulturen“ e.V. Bei Heiko Waber, einem der führenden Köpfe des Vereins, rannte er offene Türen ein. Gemeinsam entwickelten die beiden bei einer Tasse Tee die Idee für ein ungewöhnliches Denkmal.

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    Völkerschlachtdenkmal im Ural

    Während das sächsische Leipzig auf eine rund 1000jährige Geschichte zurückblickt, gibt es Leipzig im Ural erst seit 1843. Der Siedlungsposten bekam den Namen Leipzig im Gedenken an das 3. Orenburger Kosakenheer, das in der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16.-18. Oktober 1813 gekämpft hatte.

    Das brachte die Enthusiasten um Juruschbajew und Waber auf die Idee, im Ural einen Zwilling des berühmten Leipziger Völkerschlachtdenkmals in Miniaturform zu errichten. Mit diesem Denkmal soll daran erinnert werden, dass auch 127.000 Soldaten der russischen Armee in der Völkerschlacht bei Leipzig kämpften. 22.000 von ihnen gaben ihr Leben für die Freiheit Europas. Die Initiatoren von „Leipzig im Ural“ möchten somit auch ein Zeichen für Völkerfreundschaft setzen.

    Völkerfreundschaftsdenkmal in Leipzig im Ural
    © Foto : Nicole Wagener
    Völkerfreundschaftsdenkmal in Leipzig im Ural

    Ein Alu-Denkmal für Sommer und Winter

    Da es sich beim Leipziger Völkerschlachtdenkmal immerhin um das größte Monument in Kontinentaleuropa handelt, wurde für den kleinen Bruder im Ural eine etwas bescheidenere Abmessung gewählt. Für die Umsetzung des sechs Meter großen Denkmals im Maßstab 1:25 konnte der bekannte Leipziger Künstler Michael Fischer-Art gewonnen werden. Zum Konzept erzählt Heiko Waber im Sputnik-Interview:

    „Wir wollten dort kein Völkerschlacht-, sondern ein Völkerfreundschaftsdenkmal aufbauen. Deshalb ist es zwar in der Silhouette ähnlich, aber im Detail wurde auf Soldaten und Kämpfer verzichtet.“

    Ende Juni 2015 wurde im Beisein des Künstlers und einer sechsköpfigen Delegation aus Leipzig das Fundament für das Mini-Völkerschlachtdenkmal gelegt. Die Herstellung übernahm die Firma Holl GmbH. Da im russischen Leipzig, nahe der Grenze zu Kasachstan, Temperaturen zwischen —60 Grad Celsius im Winter und 40 Grad Celsius im Sommer herrschen, entschied man sich für das witterungsbeständige Material Aluminium. Die Einzelteile des insgesamt eine Tonne schweren Denkmals wurden dann im vergangenen Jahr nach Russland gebracht. Am 31. August 2017 war es soweit: Das Mini-Völkerschlachtdenkmal im Ural wurde eingeweiht.

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    Spenden für russisch-deutsche Beziehungen

    Die Finanzierung des Projektes erfolgte hauptsächlich aus Spenden von Privatleuten und Firmen, die mit Menschen in Russland Kontakte pflegen. Waber berichtet:

    „Insgesamt sind in das Projekt um die 60.000 Euro Spendengelder geflossen. Es gibt durchaus einen größeren Kreis von Interessenten, die die russisch-deutschen Beziehungen verbessern wollen. Das Geld ging komplett in die Schule und den Kindergarten und natürlich in das Denkmal in Leipzig im Ural. Die Reisen dorthin haben die Teilnehmer auch immer komplett selbst gezahlt.“

    Inzwischen ist bereits zum vierten Mal eine deutsche Delegation in den fernen russischen Ort gereist. Waber, der an allen vier Reisen in den Ural teilgenommen hat, erzählt: „Die Menschen dort leben in einem ländlichen Umfeld. Das Leben ist schon anstrengender und die klimatischen Verhältnisse natürlich auch. Aber die Menschen sind unglaublich gastfreundlich, liebevoll und hilfsbereit und haben auch uns ganz schnell in ihre Herzen geschlossen.“

    Mit dem Fahrrad von Leipzig nach Leipzig

    In diesem Jahr war wieder eine Delegation von 12 Leipzigern im Ural, um eine „Allee der Völkerfreundschaft“ anzulegen. Dafür wurden um das im vergangenen Jahr gebaute Völkerfreundschaftsdenkmal 26 Linden gepflanzt.

    Die Arbeit des Vereins an diesem Projekt hat inzwischen auch zu privaten Verbindungen von Leipzigern in den Ural geführt, wie Waber berichtet:

    „Es ist auch in diesem Jahr schon wieder jemand aus Leipzig mit dem Auto runtergefahren und hat private Kontakte geknüpft. Auch mit dem Fahrrad war schon jemand aus Leipzig in Sachsen in Leipzig im Ural. So soll es weitergehen.“

    Im kommenden Jahr will der Verein das Kulturhaus in Leipzig im Ural restaurieren. Auch dafür werden wieder Unterstützer und Enthusiasten gesucht. Der Künstler Michael Fischer-Art hat bereits seine Mitarbeit zugesagt.

    Lawrow und Maas gratulieren persönlich

    Nun wird erstmals auch eine Delegation aus dem russischen Leipzig nach Deutschland reisen. Anlass ist eine Preisverleihung an das Projekt zum Abschluss des Deutsch-Russischen Jahres der kommunalen und regionalen Partnerschaften. Aus fast 250 Bewerbungen deutscher und russischer Städte und Initiativen wurde „Leipzig im Ural“ als einer der Preisträger ausgewählt. Die feierliche Verleihung findet am 14. September im Auswertigen Amt in Berlin statt. Die Außenminister Russlands und Deutschlands, Sergej Lawrow und Heiko Maas, werden persönlich das Projekt auszeichnen. Herr Waber und seine Mitstreiter werden hier auch die Gelegenheit erhalten, den Außenministern ihre Idee und ihre Visionen für die deutsch-russische Freundschaft vorzustellen. Denn Waber verbindet mit diesem Preis auch eine Hoffnung:

    „Wir sind kein politischer Verein, aber uns stört natürlich, dass die Beziehungen zwischen den traditionell eigentlich zusammengehörenden Völkern der Deutschen und Russen immer schlechter geworden sind. Wir wollen einfach zeigen, dass es auch ohne Sanktionen und Kriegsbeschwörungen geht. Wir wollen eine Brücke der Völkerfreundschaft bauen zwischen Deutschland und Russland.“

    Leipzig im Ural unterhält eine Internet-Präsenz: http://leipzig-im-ural.moct.eu/language/de/

    Das komplette Interview mit Heiko Waber zum Nachhören:

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    Tags:
    Beziehungen, Frieden, Denkmal, Sergej Lawrow, Heiko Maas, Leipzig, Ural, Deutschland, Russland