08:04 19 Dezember 2018
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    Ein abgeschobener Asylbeweber im Flughafen Kabul (Archivbild)

    Pornos im Handy und mehr: Bizarrste Asylablehnungen österreichischer Behörden

    © AP Photo / Massoud Hossaini
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    Die Plattform „Fairness Asyl“ hat Negativ-Bescheide von österreichischen Behörden gegen Asylsuchende auf ihrer Seite gesammelt, die besonders bizarr und sogar zynisch wirken.

    Der Fall eines jungen Afghanen, der wegen seiner Homosexualität in Österreich Asyl beantragt, jedoch eine mit Klischees argumentierte Ablehnung erhalten hatte, sorgte vor einigen Wochen für internationale Schlagzeilen. Viel Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gewann auch ein negativer Asylbescheid gegen einen Iraker, der aus der Sicht der Behörden überzogen schwul auftreten soll.

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    „Fairness Asyl“ sammelte in Protokollen und Bescheiden des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl (BFA) und den Entscheiden des österreichischen Bundesverwaltungsgerichts (BVwG) auch weitere so genannte Textperlen. Demnach wurde im Januar einem homosexuellen Mann aus Afghanistan Asyl in Österreich verwehrt, unter anderem weil er offenbar keine pornographischen Fotos am Handy hatte.

    „Nachdem Sie über ein Smartphone verfügen und offensichtlich auch das Internet nutzen, ist es äußerst unwahrscheinlich, dass Sie bei tatsächlichem Verkehr mit anderen Männern keinerlei Fotos (resultierend aus Chats) auf Ihrem Handy vorweisen können (Fotos wurden freiwillig gezeigt). Auch kann nicht nachvollzogen werden, dass Sie nur oberflächliche Angaben zu Ihrem Internetnutzungsverhalten angeben können. Hier wäre bei tatsächlichem Interesse (wie angegeben) an pornographischem Material über Homosexuelle zumindest von Lieblingsseiten im Internet auszugehen“, zitiert die Plattform den Beschluss der Behörden.

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    Allem Anschein nach sind es nicht nur sich als schwul angebende Asylsuchende, die bizarre Ablehnungen bekommen. Der Bericht einer Frau von der Vergewaltigung wurde beispielsweise bezweifelt, weil sie nicht nach einem bestimmten Schema reagiert haben soll. Sie habe ihre Kleidung verbrannt, statt sich sofort zu waschen.

    „Dazu muss angemerkt werden, dass alle Opfer nach einer Vergewaltigung einen dermaßen ausgeprägten Ekel und das Bedürfnis nach einer ausgiebigen Reinigung haben.“

    Mehrere Begründungen für den Negativ-Bescheid klingen durchaus zynisch. Aus der Sicht eines Beamten schient etwa die irakische Hauptstadt Bagdad sicher zu sein. Denn die Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Person, an einem Terroranschlag zu sterben, sei wegen einer hohen Bevölkerungszahl niedrig.

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    „Wie Berichte des BFA widerspiegeln, ist auch Bagdad Ziel von Anschlägen extremistischer Gruppierungen. Jedoch angesichts einer hohen Bevölkerungszahl von über fünf Millionen Einwohnern in Bagdad relativiert sich die Wahrscheinlichkeit, dass gerade Sie Opfer werden würden.“

    Der Plattform zufolge stellen diese „Textperlen“ den österreichischen Behörden kein gutes Zeugnis aus.

    „Mit großer Besorgnis stellen wir fest, dass die Bescheide des BFA noch immer teils von persönlichen politischen und gesellschaftlichen Einstellungen der Beamten motiviert sind“, zitiert die österreichische Tageszeitung „Kurier“ Wolfgang Salm, Gründer von „Fairness Asyl“, und Andrea Mayrwöger, Gründerin der Plattform „Hörsching hilft“.

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