01:48 25 September 2018
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    Abbau der Baumhäuser der Umweltaktivisten im nordrhein-westfälischen Hambacher Forst

    Streit im Hambacher Forst: Polizei, Umweltaktivisten und RWE im Dauerkampf

    © AFP 2018 / Marius Becker / dpa
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    Die Polizei will den Abbau der Baumhäuser der Umweltaktivisten im nordrhein-westfälischen Hambacher Forst am Freitag fortsetzen, berichten deutsche Medien unter Berufung auf die Polizisten. Unterdessen belastet die umstrittene Räumungsaktion die Arbeit der Kommission, die im Auftrag der Bundesregierung über den Kohleausstieg verhandelt.

    Die Umweltschützer versuchen seit Jahren, die Rodung des zwischen Köln und Aachen gelegenen Waldstücks zu verhindern. Der Energiekonzern RWE will bald 100 Hektar der verbliebenen 200 Hektar abholzen, um den Weg für seine Braunkohlebagger im angrenzenden Tagebau frei zu machen, schreibt das „Handelsblatt“.

    „RWE kann den Tagebau weiterführen“

    „Der Tagebau Hambach ist genehmigt und bisher in allen Instanzen bei gerichtlichen Überprüfungen bestätigt worden. Deshalb ist es in einem Rechtsstaat nur konsequent, dass RWE dann auch den Tagebau weiterführen kann“, zitiert die Zeitung das Mitglied der sogenannten Kohlekommission in Berlin, den Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer.

    In einem Gespräch mit dem Hörfunksender WDR 2 am Freitag bekräftigte das RWE-Vorstandsmitglied Lars Kulik das Vorhaben, im Oktober die umstrittene Abholzung des Hambacher Forsts fortzusetzen. „Der Tagebau steht quasi direkt vor dem Wald und dementsprechend müssen wir auch roden“, so Kulik.

    Es gebe keinen Zeitpuffer mehr, da bereits im vergangenen Jahr nicht gerodet worden sei. Aus Sicht des Konzerns ist die Abholzung für die Sicherung der Stromproduktion unvermeidbar.

    Protest auf 25-Meter-Höhe

    Für die Umweltschützer soll der Hambacher Forst zum Symbol für den Kampf gegen den umstrittenen Energieträger geworden sein, bei dessen Einsatz besonders viel klimaschädliches CO2 ausgestoßen wird. Am Donnerstag entfernten die Polizisten mit einem massiven Aufgebot von für Höheneinsätze geschulten Beamten und umfangreicher Technik vier Baumhäuser von insgesamt 50, die die Umweltschützer und Braunkohlegegner in den letzten sechs Jahren gebaut hatten und besetzt halten. Die meisten Häuser sollen laut der „Märkischen Allgemeinen“ in bis zu 25 Metern Höhe liegen.

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    Die nordrhein-westfälischen Behörden argumentieren die Räumung mit fehlendem Brandschutz. Bereits am frühen Freitagmorgen waren einer Polizeisprecherin zufolge wieder mehrere Hundertschaften der Polizei zum Einsatz vor Ort.

    Kohlekommission wegen Streits um Hambacher Forst entzweit

    „Die unverantwortliche Räumung unter vorgeschobenen Gründen belastet die bislang vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit in der Kohlekommission massiv“, zitiert das „Handelsblatt“ das Kohlekommissionsmitglied und Geschäftsführer von Greenpeace, Martin Kaiser.

    Medienberichten zufolge bewerteten der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) und der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber, beide ebenfalls in der Kohlekommission vertreten, die Räumung als kontraproduktiv.

    Die Kohlekommission soll bis Ende des Jahres eine Strategie zum Ausstieg aus der Kohleverstromung ausarbeiten und Vorschläge für die Finanzierung und Gestaltung des Strukturwandels in Tagebau-Regionen wie dem Rheinischen Revier vorlegen.

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    Tags:
    CO2-Emissionen, Kohle, Umwelt, Proteste, Deutschland