14:08 24 September 2018
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    Nach der Veranstaltung: Ein Symbolbild für die deutsch-russische Völkerverständigung

    Keine Deutschland-Phobie: „Leute, fahrt nach Russland!“ – Festakt im Auswärtigen Amt

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    Alexander Boos
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    Am Freitag ging das „Deutsch-Russische Jahr der kommunalen Partnerschaften“ zu Ende. Und zwar mit einem großen Festakt im Auswärtigen Amt in Berlin. Sputnik war vor Ort. Staatsministerin lobte den Austausch zwischen Jugendlichen aus Russland und Deutschland. Russische Delegierte machten auf das „wachsende Handelsvolumen“ beider Staaten aufmerksam.

    Michelle Müntefering, Staatsministerin für internationale Kultur- und Bildungspolitik im Auswärtigen Amt, sagte am Freitagnachmittag zur Abschlusskonferenz im Weltsaal des deutschen Außenministeriums, dass es sie nicht wundere, dass der Saal „so gut gefüllt ist. Denn als vor einem Jahr im südrussischen Krasnodar der Auftakt für dieses deutsch-russische Partner-Jahr stattfand, war das ein guter Start.“

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    Die kommunalen und regionalen Gesellschaften in Russland und Deutschland seien so vielfältig, „wie unsere zwei Gesellschaften nun mal sind“, erinnerte die SPD-Politikerin, die gleichzeitig auch Ehefrau des früheren SPD-Chefs und Vize-Kanzlers Franz Müntefering ist.

    Über 100 deutsch-russische Partnerschaften

    Organisiert wurde die Abschlussveranstaltung des „Deutsch-Russischen Jahres der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018“ vom „Deutsch-Russischen Forum“. Gefördert wurde sie ebenso aus Mitteln des Auswärtigen Amts. Das Deutsch-Russische Forum existiert seit 25 Jahren.

    Einblick in die kommunale Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland zum „Deutsch-Russischen Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften“
    © Sputnik / Alexander Boos
    Einblick in die kommunale Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland zum „Deutsch-Russischen Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften“

    Einblick in die kommunale Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland zum „Deutsch-Russischen Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften“

    Das zu Ende gehende deutsch-russische Partner-Jahr zeige „einen Erfolg“, betonte die SPD-Politikerin. Bis heute gebe es 105 deutsch-russische Städte-Partnerschaften, 20 Regional-Partnerschaften und 13 Städte-Freundschaften. „Sie bezeugen eine Basis – grade auch in politisch schwierigen Zeiten – für die Zukunftschancen, für das gute nachbarschaftliche Verhältnis unserer beider Nationen.“

    Dortmund: Seit 40 Jahren mit Rostow am Don liiert

    „In meinem ersten Außeneinsatz ging es ausgerechnet ins Ruhrgebiet, in meine Heimat“, erklärte die Staatsministerin und SPD-Politikerin. „Und zwar nach Dortmund. Seit 40 Jahren ist Rostow am Don die russische Partnerstadt Dortmunds. Meine Heimatstadt Herne pflegt eine langjährige Partnerschaft mit Belgorod.“

    Die deutsch-russische Arbeitsgruppe zur „Verbesserung der Lebensqualität in den Kommunen“ tagte am Freitag im Auswärtigen Amt.
    © Sputnik / Alexander Boos
    Die deutsch-russische Arbeitsgruppe zur „Verbesserung der Lebensqualität in den Kommunen“ tagte am Freitag im Auswärtigen Amt.

    Insgesamt freue es sie, dass auch der Jugend ein entsprechender Stellenwert eingeräumt ist. „Denn es werden junge Menschen aus Deutschland und Russland sein, die erste Kontakte, Verbundenheit und Freundschaftsanfragen hineintragen in eine neue Zeit.“ Die deutsch-russische Partnerschaft habe schon eine lange Tradition. 

    „Freunde zu finden, ist …“

    „Ein russisches Sprichwort besagt“, erklärte Müntefering: „Freunde zu finden ist leicht. Schwieriger ist es, ein Freund zu sein und zu bleiben.“ Dennoch erklärte sie stolz: „Unter der Schirmherrschaft unserer beiden Außenminister haben wir viel erreicht.“

    Im Mittelpunkt stehe noch immer der Austausch der russischen und deutschen Menschen miteinander. „Aller Altersgruppen, aller Gesellschaftsschichten. Dazu müssen wir die kommunalen und regionalen Akteure noch mehr einbinden. Wichtig ist dabei der internationale Jugendaustausch. Eine stärke Vernetzung der einzelnen Initiativen vor Ort.“ Die Jugend von heute präge die staatliche Politik von morgen. Und im Jugendalter würden die Wurzeln für Freundschaften gelegt.

    „Wichtiger Teil“ der Außenpolitik

    „Es geht uns darum“, betonte die SPD-Frau: „Die überaus vielfältigen Partnerschaften sollten in ihrer Intensität noch mal gesteigert werden. Diese Partnerschaften sind Teil einer Außenpolitik von zwei Gesellschaften. Einer Außenpolitik, die Zivilgesellschaften zusammenbringt und die auch auf Austausch und Dialog setzt. Und ich meine: Wir brauchen da auch besonders die Städte, die als internationale Akteure immer wichtiger werden.“

    Beeindruckend sei, wie die Kooperationen ausgestaltet worden sind. Sie nannte das Projekt „Deutsch-russische Fußball-Brücken“. Als herausragendes Projekt lobte sie die „Zusammenarbeit zwischen der Stadt Gotha und dem Puschkin-Museum in Moskau. Das steht wie alle anderen Projekte, für das, was diese Partnerschaften auszeichnet. Erfahrungsaustausch über Strukturwandel oder Stadtentwickelung ist bedeutend.“

    Gruß an Russlands Bürgermeister

    Bernhard Kaster, Vorstand im „Deutsch-Russischen Forum“, richtete nach der Rede der Staatsministerin einen „besonderen Gruß an alle Bürgermeister, Landräte und Kommunalpolitiker.“ An die „Kommunale Familie“, wie er meinte. Das zurückliegende Themenjahr war „und ist ein Erfolg“, da könne er Frau Müntefering nur zustimmen.

    „Für jeden hier, der Sympathie, Empathie und Freundschaft mit Russland fühlt, für den ist das deutsch-russische Projekt Freude, Botschaft und Auftrag zugleich“, betonte Kaster. „Sie alle mit ihren Initiativen, sie stehen stellvertretend für so viele Bürgerinnen und Bürger, die bei Projekten zeigen, wie wichtig ihnen die Zusammenarbeit, die Begegnung und das gute Mitarbeiten mit Russland ist.“

    Deutsch-Russische Fußball-Duelle – auf kommunaler Ebene

    Veranstaltungen wie diese „belegen unsere Freundschaft“, betonte Stanislaw Moscharow, Präsident des „Verbands der russischen Städte“. „Unsere Partnerschaft wird immer enger. Wir haben sogar schon ein Fußball-Team aus Bürgermeistern in Russland aufgestellt, die haben schon Spiele bei Moskau – auch gegen eine deutsche Bürgermeister-Auswahl bestritten. Wir würden gerne auch an weiteren Spielen gegen Kommunal-Teams in Deutschland teilnehmen. Aber im Ernst: Wir haben gute Abkommen mit dem deutschen Städte-Tag geschlossen.“

    Darauf reagierte Markus Lewe,  Präsident des „Deutschen Städtetags“ mit folgenden, humorvollen Worten: „Bürgermeister die Fußball spielen? Nun gut: Wir stellen uns der Verantwortung.“ Er betonte, neben den genannten über 100 Partnerschaften „bestehen noch etwa 1000 deutsch-russische Schul-Partnerschaften“. Eine Möglichkeit, wo die Jugend den Austausch vertiefen könne.

    „Wer ist nicht fasziniert von der russischen Seele, Kultur, Gastfreundschaft?“, so der Städtetags-Chef. „Leute, ich sage Euch: Fahrt nach Russland! Genießt es. Das kann man im Fernsehen gar nicht sehen, wie toll und schön es da wirklich ist. Wer soll die deutsch-russische Freundschaft weitertragen, wenn nicht die Städte?“ Es sei nicht immer nur die Verantwortung der Regierungen, die Beziehungen der Völker zu verbessern.

    Das liebe Geld …

    „Heute beträgt der deutsch-russische Handel mehr als 29 Milliarden US-Dollar jährlich“, sagte Aleksej Didenko, Vorsitzender des „Ausschusses für föderalen Aufbau und kommunale Selbstverwaltung“ in der Staatsduma der Russischen Föderation. „Ungeachtet der Sanktionen wächst die Wirtschaftskooperation zwischen beiden Staaten. Investitionen russischer Geldgeber werden in Deutschland getätigt. In Deutschland arbeiten etwa 1500  deutsche Firmen mit russischem Kapital.“ Es gebe milliardenschwere, aus Russland stammende Auslandsdirektinvestitionen in der deutschen Wirtschaft. „Wir sind sicher, dass diese Kooperation noch vertieft werden muss“, betonte er. 

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    „Ein solcher Erfolg wie die deutsch-russische Städte-Partnerschaft benötigt auf Dauer große politische Wertschätzung – und eben nicht nur ein Minimum an finanzieller Förderung“, forderte Kaster.

    Am Freitagabend wurden offiziell drei weitere deutsch-russische Städtepartnerschaften beschlossen. Dabei betonte ein weiterer russischer Delegierter, es gebe „keine Deutschland-Phobie in Russland. Ich hoffe auf eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen in naher Zukunft.“

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    Tags:
    Kooperation, Partnerschaft, SPD, Auswärtiges Amt, Russland, Deutschland