02:29 17 Oktober 2018
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    Die Insel Walaam im Norden Russlands

    Auch nach der WM eine Reise wert: Nationale Tourismusprojekte in Russland

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    Andreas Peter
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    Die Fußball-WM hat im Ausland große Sympathien für und neues Interesse an Russland geweckt. Seine Tourismusindustrie will die günstige Situation – hohes Interesse und modernisierte Infrastruktur – nutzen. Fünf Projekte sollen die Geschichte, aber auch die Weite und manchen vielleicht auch die überraschende Vielfalt des Landes erlebbar machen.

    Viele ausländische Touristen, die während der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland waren, berichteten zum Teil erstaunt über ihre Eindrücke, die massiv von dem abwichen, was sie erwartet hatten, nicht zuletzt auch aufgrund der Berichterstattung in westlichen Medien. Insbesondere die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der russischen Bevölkerung, aber auch die gute Organisation und die Modernität der Stadien und vieler Hotels beeindruckten viele Besucherinnen und Besucher. Viele warfen den Medien in ihren Herkunftsländern vor, ein völlig verzerrtes Russland-Bild zu zeichnen. Ebenso viele äußerten den Wunsch, Russland erneut besuchen zu wollen, möglichst mit anderen Familienangehörigen oder Freunden.

    Pressekonferenz zum russischen Tourismus
    © Sputnik /
    Pressekonferenz zum russischen Tourismus

    Diese Chance will sich die russische Tourismusindustrie nicht entgehen lassen. Zumal wegen der WM viel Geld in die Modernisierung von touristischer Infrastruktur geflossen ist und diese weiterhin ausgebaut wird. Das russische Kulturministerium hat deshalb im Russischen Haus in Berlin fünf Projekte vorgestellt, die von Präsident Putin zu Nationalen Tourismusprojekten erhoben wurden und mit denen vor allem auch die reisefreudigen Deutschen für einen Urlaub in Russland begeistert werden sollen. Dazu war eigens die stellvertretende Kulturministerin, Alla Manilova, aus Moskau angereist und hatte diverse Vertreter von Regionalverwaltungen und touristischen Einrichtungen mitgebracht, die auf den Reiserouten dieser fünf Projekte liegen.

    Die Kaiserroute

    Die russische Regierung will aber nicht nur Erholung garantieren, sondern auch für mehr Bildung und Information über Russland sorgen. Zum Beispiel über die reiche russische Geschichte, die ja in hohem Maße eng mit der deutschen Geschichte verbunden ist. So könnte man mit einigem Recht sagen, dass die Russen bis zur Oktoberrevolution de facto von einem deutschen Kaiserhaus regiert wurden. Denn sowohl die berühmte Katharina die Große als auch ihr Mann, Zar Peter III., waren deutscher Herkunft.

    Herbst auf der Insel Walaam
    © Sputnik / Ilya Timin

    Es liegt also durchaus nahe, dass man eine Reiseroute, die ja auch im Hinblick auf deutsche Touristen konzipiert wurde, der Dynastie der Romanows widmet, die Russland mehrere hundert Jahre regiert haben, obwohl sie nach dem Tod von Zarin Elisabeth 1762 in beiden Linien deutsch wurden, aber dennoch den alten Namen beibehielten. Die sogenannte Kaiserroute wird von Sankt Petersburg bis ins sibirische Tomsk Stationen anlaufen, die mit dem Schicksal der letzten Zarenfamilie im Zusammenhang stehen. Denn 2018 jährt sich die Hinrichtung von Zar Nikolaus II. und seiner Familie zum 100. Mal.

    Der Goldene Ring

    Ein Muss für einen Russland-Urlaub. Denn, erstens, erlebt man hier geballt Geschichte. Berühmte Städte wie Susdal, Rostow Weliki, Sergijew Possad oder Jaroslawl, die als einstmals wohlhabende religiöse und wirtschaftliche Zentren für die Entwicklung des russischen Reiches von herausragender Bedeutung waren, liegen wie ein Ring im Einzugsgebiet der mächtigen Wolga und wirken in ihrem Erscheinungsbild als sei die Zeit stehen geblieben. So kann man in Susdal noch den unverfälschten Eindruck einer echten mittelalterlichen „Rus“ erleben. Da aber, zweitens, der Goldene Ring bereits zu sowjetischen Zeiten touristisch erschlossen wurde und in relativer Nähe zu Moskau liegt, ist dort die touristische Infrastruktur und die Erfahrung mit ausländischen Touristen besonders groß und gut. Überdies gelten manche frühere Sperrbezirke, die zu sowjetischen Zeiten, aber auch noch lange danach, den Zugang für westliche Touristen verwehrten, neuerdings nicht mehr oder nicht mehr so rigide wie früher.

    Die Silberkette

    Das trifft zum Beispiel auch auf das Nationale Tourismusprojekt zu, das mit dem Edelmetall bezeichnet wurde, welches bei Siegerehrungen den zweiten Platz symbolisiert. Diese Silberketten-Route führt nämlich auch in Städte wie Murmansk auf der Kola-Halbinsel, die lange Zeit wegen ihrer Marinestützpunkte als tabu für Touristen galten. Auf der Route liegt auch Kaliningrad, in Deutschland vielleicht immer noch besser bekannt als ehemaliger Krönungsort preußischer Könige: Königsberg. Und um dorthin zu gelangen, soll man sich nach Auskunft von Andrej Ermak, Minister für Kultur und Tourismus des Gebietes Kaliningrad, nicht mehr langwierig bei der Russischen Botschaft um ein Visa bemühen müssen, sondern soll sein Visum im Internet beantragen und bei der Einreise in den Kaliningrader Oblast dann an der Grenze sozusagen eine Bestätigung erhalten.

    Ermak schwärmte in Berlin nicht nur von dieser Reiseerleichterung. Er verwies darauf, dass das Kaliningrader Gebiet noch sehr viel mehr als nur Heimweh-Tourismus für Deutsche zu bieten hat. Inzwischen seien auch die ehemaligen ostpreußischen Badeorte wieder in neuem Glanz erstrahlt und Jantarny, das frühere Palmnicken, hat als Mekka der Bernsteinfreunde nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Doch das Gebiet um Kaliningrad ist vor allem wegen seiner natürlichen Schönheiten eben deutlich mehr als nur die mehr oder weniger alten ostpreußischen Städte und Ortschaften.

    Mutter Natur ist Hauptanziehungspunkt für eine andere Station der Route „Silberkette“. Die Republik Komi bietet atemberaubende Natur im Hohen Norden Russlands. Die Urwälder dieser Region sind die größten noch zusammenhängenden Urwälder Europas und UNESCO-Weltnaturerbe. Die Ureinwohner der Komi sind darauf bedacht, ihr kulturelles Erbe zu bewahren, und die Reisenden können das unter anderem während des sogenannten Festes des Nordens erleben. Für Sportfreunde dürfte der Ultramarathon „Transural“ über eine Distanz von 53 Kilometern eine Herausforderung sein. Und wer die Republik Komi bequem erkunden will, kann das zum Beispiel mit dem komfortablen Reisezug „Northern Lights“ schaffen.

    Russische Gutshäuser

    Russland ist übersät mit ehemaligen Herrensitzen und Gutshäusern, denn Russland war über lange Zeit ein Land, in dem der Landadel eine machtvolle Position im Staat innehatte. Doch viele dieser Güter sind auch Zeugnis der reichen Kultur-, Kunst- und Wissenschaftsgeschichte dieses Landes. Und so bietet das Nationale Tourismusprojekt „Russische Gutshäuser“ eine Vielzahl von unterschiedlich dimensionierten Programmen an, mit denen die ehemaligen Residenzen und Arbeitsstätten von solchen russischen Lichtgestalten wie Tolstoi oder Turgenjew und vielen anderen besichtigt werden können.

    Russland – Die Heimat der Raumfahrt

    Russland begründete bereits mit Konstantin Ziolkowski seinen Ruf als Raumfahrernation. Der erlangte in der Sowjetunion eine solche Weltgeltung, dass die Leistungen dieser Epoche zeitweilig das Ansehen der Sowjetunion in der Welt bestimmten und ihr den Nimbus einer technologischen Supermacht verschafften. Die russische Raumfahrt zehrt noch heute davon und kann auf einigen Gebieten durchaus wieder zu alter Größe aufschließen. Also lag es natürlich auch nahe, ein solches Projekt in das Nationale Tourismusprogramm aufzunehmen, mit dem ausländische Touristen ins Land gelockt werden sollen. Dreh- und Angelpunkt dieses Projektes ist das Staatliche Ziolkowski-Museum in Kaluga, fast 200 Kilometer südwestlich von Moskau.

    Inzwischen besteht die Sammlung dieses Museums aus über 70.000 Objekten, davon viele einzigartige Originale, mit denen praktisch alle Entwicklungsstufen und Geschichte schreibenden Erfolge der sowjetischen Raumfahrt nachvollzogen werden können.

    Einziger Wermutstropfen bislang, einige der Nationalen Tourismusprojekte sind derzeit noch nur in Russisch im Internet abrufbar, was die Planung einer Reise etwas schwieriger, aber natürlich nicht unmöglich macht.

    Die fünf Nationalen Tourismusprojekte Russlands:

    Die Kaiserroute

    Der Goldene Ring: http://tlrussia.com/info/category/routes/the-golden-ring-of-russia

    Die Silberkette: http://vologda-oblast.ru/en/about_the_region/vologda_specialities/tourist-project-silver-necklace-of-russia/

    http://tlrussia.com/info/category/routes/the-silver-necklace-of-russia

    https://www.culture.ru/s/serebryanoe-ozherelye/

    Russische Gutshäuser: http://tourism.pskov.ru/tourist_routes/Russian_estates

    http://tlrussia.com/info/category/routes/russian-estates

    Russland – Die Heimat der Raumfahrt

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    Tags:
    Museum, Kunst, Geschichte, Sehenswürdigkeiten, Kaiserfamilie, Urlaubsort, Urlaub, Architektur, Kultur, Wissenschaft, Weltraumforschung, Tourismus, UNESCO, Kulturministerium, Sibirien, Ural, Republik Komi, Tomsk, Kaliningrad, Deutschland, Russland