01:33 20 Oktober 2018
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    Absolventen des Sommersemesters 2018

    Praktikanten aus Deutschland machen sich ihr eigenes Bild von Russland

    © Sputnik / Natalja Pawlowa
    Gesellschaft
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    Natalia Pawlowa
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    Studenten aus Deutschland absolvieren Praktika bei deutschen Unternehmen in Russland. Die Geographie ist umfangreich: Moskau, Sankt Petersburg, Krasnodar, Kaluga, Kursk, Gus-Chrustalny, Woronesch, Omsk. Die Russische Föderation ist das erste Land, in dem dieses Praktikantenprogramm umgesetzt wird.

    Ende September trafen sich Absolventen des Sommersemesters 2018 und Teilnehmer des Programms „Russland in der Praxis“ bei der feierlichen Zeremonie in der Deutschen Botschaft zu Moskau. Sie erhielten Zertifikate für den Abschluss dieses Semesters. Zur gleichen Zeit wurden denjenigen die Studentenausweise überreicht, die gerade in Russland angekommen sind, um ihr Praktikum im Wintersemester 2018/2019 zu absolvieren. –37 Praktikanten sind es allein in diesem Halbjahr.

    Das Programm bietet den deutschen Studenten die Möglichkeit, mit einem halbjährigen Praktikum in einem deutschen Unternehmen in Russland berufliche Erfahrung zu sammeln.

    In politisch schwierigen Zeiten sei es wichtig, in Kontakt zu bleiben, sagte Beate Grzeski, die Gesandte und Ständige Vertreterin des Botschafters, als sie sich mit einem Grußwort an die jungen Leute wandte:

    „Ihre Bereitschaft, im wahrsten Sinne des Wortes Grenzen zu überschreiten, ist heute wichtiger denn je. Die Globalisierung erfordert es, dass auch Ausbildungs- und Studiengänge verstärkt international ausgerichtet sind. Sie, liebe Praktikantinnen und Praktikanten, sind auch wichtige Multiplikatoren. Multiplikatoren, die nicht nur mit den Besonderheiten der Tätigkeit deutscher Unternehmen im Ausland vertraut sind, sondern auch die russische Kultur gut kennen und über interkulturelle Kompetenz verfügen.“

    Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert seit 2012 aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) die Praktikantenvermittlung zum Programm. Es wird in Kooperation mit der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) Moskau sowie der Moskauer Hochschule für Wirtschaft (Higher School of Economics) durchgeführt. Die ersten drei Jahrgänge haben jeweils im Wintersemester begonnen. Seit dem Sommersemester 2015 werden aufgrund großer Nachfrage zwei Runden pro Jahr á sechs Monate organisiert. 

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    Im Gespräch mit Sputnik sagte Dr. Andreas Hoeschen, DAAD-Außenstellenleiter in Moskau:

    „Das Programm ‚Russland in der Praxis‘ läuft jetzt im achten Jahr. Wir können jedes Jahr um die 60 Stipendiaten als Praktikanten fördern. Wichtig ist natürlich auch, dass sich genügend bewerben, die dann von den Firmen als passende Praktikanten ausgesucht werden. Es hat bisher immer gut geklappt. Die Studenten, die sich für ein Praktikum bewerben, werden ausgewählt sowohl nach den Leistungen, die sie im Studium erbracht haben, als auch nach ihrer persönlichen Eignung. Wer ausgewählt wird, entscheidet letztlich das Unternehmen. Genauso aber entscheidet ein Praktikant, welches Angebot er annimmt. Es ist ein Matching-Verfahren.“

    Daniel Dossen (l.) und Anima von Waldstein
    © Sputnik / Natalja Pawlowa
    Daniel Dossen (l.) und Anima von Waldstein

    Während ihres Aufenthalts in Russland lernen die Deutschen das Land und die Leute besser kennen. Jeder sei dazu aufgerufen, sich ein eigenes Bild zu machen, sich ein eigenes Urteil zu bilden, eigene Erfahrungen zu sammeln, unterstrich Dr. Andreas Hoeschen.

    „Alle erfolgreichen Stipendiaten, die danach nach Deutschland zurückkehren, sind wichtige Multiplikatoren. Sie berichten davon, wie sie zusammengearbeitet haben mit ihren russischen Kollegen, welche Erfahrungen sie gemacht haben, was es für Möglichkeiten für die Zusammenarbeit mit Russland gibt. Und viele von ihnen werden im späteren Leben dazu fähig sein, in unterschiedlicher Weise mit der russischen Wirtschaft, mit der russischen Zivilgesellschaft, mit den Partnern auch im Hochschulbereich weiter zusammenzuarbeiten.“

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    Immer mehr deutsche bzw. europäische Unternehmen haben Interesse an der Teilnahme am Programm. Die Firmen, die Praktikumsplätze zur Verfügung stellen, haben so die Chance, junge Nachwuchskräfte mit frischen, innovativen Ideen für ihre zukünftigen Arbeitsfelder zu gewinnen. 42 Unternehmen hätten diesmal 300 Plätze für Studenten bereitgestellt, und zehn Praktikanten seien nach dem Abschluss des Semesters in Russland angestellt worden, wie Sebastian Kiefer, Leiter der GR-Abteilung (AHK) während der feierlichen Veranstaltung mitteilte. Er drängte die Jugendlichen, die gerade erst nach Russland gekommen sind, nicht nur zu studieren, sondern auch die Straßen zu erkunden, weil „Russland ein Beziehungsland ist, ein großes und faszinierendes Land“.

    Diesem Ratschlag ist Daniel Dossen gefolgt. Der 23-jährige Student aus Hannover, der dort Maschinenbau studiert, hat sein Praktikum in Krasnodar beim deutschen Landmaschinenhersteller Claas gemacht.

    „Ich hatte verschiedene Projekte, hauptsächlich war ich für die Arbeitsvorbereitung zuständig. Und da ich aus Deutschland komme, konnte ich wegen meiner Sprachkenntnisse internationale Kommunikation mit Claas in Deutschland oder an anderen Standorten betreiben. Ich war auch vorher sehr interessiert in Landwirtschaftstechnik. Deshalb wollte ich das Praktikum in Russland machen, und um die Sprache verbessern. Alles war sehr gut angeboten. In meiner Freizeit tanze ich, insofern habe ich in Krasnodar verschiedene Communities gefunden für verschiedene Tanzstile, die ich betreibe. Ich habe sehr gute Freunde gefunden, sehr nette Leute, sehr offene.“

    Anima von Waldstein wohnt in der Nähe von Heidelberg und studiert Kunstgeschichte, deswegen war Sankt Petersburg für sie die beste Wahl.

    „Eine wunderschöne Stadt mit ganz großem kulturellen Angebot, tollen Museen und Palästen. Sechs Monate sind nicht genug für Sankt Petersburg! So einen Sommer gab es seit Jahrzenten nicht. Meine Kollegen waren alle Russen, wir haben uns sehr gut verstanden. Obwohl es ganz anders war als in Deutschland von der Organisation, von der Mentalität der Leute her. Was mir am meisten aufgefallen ist, die Russen sind von außen, wenn man sie nicht kennt, ziemlich kalt. Aber wenn man sie kennt, sind sie sehr gastfreundlich und herzlich.“

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    Tags:
    Praktikum, Studium, Unternehmen, Studenten, Austausch, Deutschland, Russland