02:10 19 November 2018
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    Senioren (Symbolbild)

    „Es werden immer mehr“ – Die Generation 65+ in der Statistik

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    Gesellschaft
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    Tilo Gräser
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    Das „Statistische Jahrbuch“ 2018 gibt mit nationalen und internationalen Daten zu Themen aus Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt einen Überblick über die Bundesrepublik in Zahlen. Das Statistische Bundesamt hat es am Donnerstag in Berlin vorgestellt. Im Fokus haben dabei vor allem die Menschen im Alter ab 65 Jahren gestanden.

    Mehr als ein Fünftel der Bevölkerung der Bundesrepublik ist 65 Jahre und älter – rund 17,7 Millionen Menschen und damit 5,8 Millionen mehr als 1990. Das sind Zahlen aus dem „Statistischen Jahrbuch 2018“, das am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Der Anteil der Älteren werde in den nächsten Jahren weiter zunehmen, erklärte Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes (Destatis), aus dem Anlass.

    von links: Bettina Sommer, Sabine Sattelberger, Dr. Georg Thiel, Juliane Gude
    © Sputnik / Tilo Gräser
    von links: Bettina Sommer, Sabine Sattelberger, Dr. Georg Thiel, Juliane Gude

    Dies zeigt sich den Angaben nach besonders stark im Osten der Bundesrepublik, betonte Bettina Sommer, Destatis-Expertin für demografische Analysen. „Unter den 16 Bundesländern hatte 2017 Sachsen-Anhalt mit 26 Prozent den höchsten Anteil von Menschen im Rentenalter, dicht gefolgt von Sachsen mit 25,9 Prozent.“ Das gehöre zu den Folgen der starken Abwanderung vor allen Dingen jüngerer Menschen in den Westen.

    Der Anteil von Senioren ab 65 Jahre würde dagegen in den Stadtstaaten Hamburg (18,4 Prozent) und Berlin (19,2 Prozent) sowie dem Flächenland Baden-Württemberg (20 Prozent) deutlich geringer sein. Doch auch innerhalb der einzelnen Bundesländer gebe es deutliche Unterschiede. Sommer nannte die Städte Leipzig und Dresden in Sachsen, die mit 20,5 Prozent und 21,8 Prozent Anteil Älterer deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 25,9 Prozent liegen.

    Anteil Älterer steigt weiter

    Die Destatis-Expertin machte auf den gestiegenen Altenquotienten aufmerksam, der angibt, wie viele Personen im Alter ab 65 Jahren auf 100 Personen im Alter von 20 bis 64 Jahren kommen. Das zeige, für wie viele potenzielle Rentenbezieher Menschen im Erwerbsalter im weitesten Sinne sorgen müssen: „Finanziell durch Beiträge in die Renten-, Pflege- und Krankenversicherungen, aber auch durch medizinische Versorgung, Pflegeleistungen oder unterstützende Dienstleistungen im Haushalt.“

    Laut Sommer kamen 2017 in Deutschland etwa 36 Personen ab 65 Jahren auf 100 Personen im Alter von 20 bis 64 Jahren. Im Jahr 1970 seien es nur 25 Personen gewesen. Nach Destatis-Berechnungen werden es im Jahr 2030 rund 48 Personen ab 65 Jahren sein, hieß es.

    Die Menschen in der Bundesrepublik werden immer älter, wie die amtlichen Statistiken zeigen. „Nach der Sterbetafel 2015/17 für Deutschland haben 65-jährige Männer noch eine verbleibende Lebenserwartung von 17 Jahren und 10 Monaten. 65-jährige Frauen können statistisch gesehen mit weiteren 21 Lebensjahren rechnen.“ Der Abstand zwischen Männern und Frauen gehe inzwischen wieder zurück, nachdem er zuvor etwa von 1950 bis 1990 zugenommen habe. „1910/11 hatte die fernere Lebenserwartung bei Männern 10 Jahre und 5 Monate und bei Frauen 11 Jahre betragen“, erklärte Sommer.

    Männer im Alter öfter verheiratet

    Die unterschiedliche Lebenserwartung von Frauen und Männern wirke sich auch auf ihren Familienstand aus. Den Statistiken zufolge waren Frauen ab 65 Jahren 2017 mit 38 Prozent wesentlich häufiger verwitwet als Männer, bei denen der Anteil bei 12 Prozent lag. „Männer sind entsprechend häufig bis ins höhere Alter verheiratet“, fügte die Expertin hinzu. „Das traf auf drei Viertel der mindestens 65-jährigen Männer (76 Prozent) zu, aber nur auf die Hälfte der Frauen dieser Altersklasse (49 Prozent). Ursache für die deutlichen Unterschiede im Familienstand ist neben der höheren Lebenserwartung der Frauen unter anderem, dass die Mehrzahl der Männer mit jüngeren Frauen verheiratet ist.“

    „Die Generation 65 plus spielt in unserer Gesellschaft eine immer bedeutendere Rolle“, stellte Destatis-Chef Thiel fest. Das zeige sich in ihrem überdurchschnittlich hohen Anteil an aktiven Wahlberechtigten ebenso wie an ihrer deutlich gestiegenen aktiven Lebensführung.

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    Politischer Einfluss bei Wahlen

    Das politische Einflusspotenzial der älteren Wahlberechtigten steige weiter. „Die Wahlbeteiligung der 60- bis 69-Jährigen bei der Bundestagswahl 2017 lag bei 81 Prozent und damit über dem Durchschnitt aller Altersgruppen von 76 Prozent“, erklärte Destatis-Mitarbeiterin Juliane Gude.

    Die CDU war nach ihren Angaben bei der Bundestagswahl 2017 durchweg in allen Altersgruppen die stärkste Partei. „Bei den Wählerinnen und Wählern ab 70 Jahren lag ihr Stimmenanteil mit 36,5 Prozent am höchsten. Die CSU schnitt wie ihre Schwesterpartei besonders gut bei Seniorinnen und Senioren ab. Auch die SPD erzielte ihren höchsten Stimmenanteil mit 25,2 Prozent bei den mindestens 70-Jährigen.“

    Dagegen sei die AfD bei den ältesten Wählern mit 8,3 Prozent „deutlich weniger erfolgreich“ gewesen. Die FDP und die Partei Die Linke wiesen laut Gude prozentual nur geringe Schwankungen zwischen den einzelnen Altersgruppen auf. Die Grünen hätten vor allem bei den jüngeren Wählenden gepunktet, während sie bei jenen ab 70 Jahren einen geringen Stimmenanteil von 3,8 Prozent erreichten.

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    Arbeit trotz Rente nimmt zu

    Zu den weiteren vorgestellten Fakten zur Situation der Generation 65 plus gehörte, dass der Anteil der erwerbstätigen 65- bis 69-Jährigen sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt hat, von 7,1 Prozent 2007 auf 16,1 Prozent zehn Jahre später. „Einige wollen und können noch ihre berufliche Lebenserfahrung einbringen, andere müssen aus wirtschaftlichen Gründen bis ins hohe Alter arbeiten“, so die amtlichen Statistiker.

    In den letzten zehn Jahren sei der Anteil der mindestens 65-Jährigen, die das Internet nutzen, kontinuierlich gestiegen, hieß es weiter. „Im ersten Quartal 2017 surften in Deutschland 50 Prozent der Personen ab 65 Jahren im Internet.“ Die Senioren seien Spitzenreiter beim Fernsehkonsum mit durchschnittlich rund 2,5 Stunden pro Tag TV, Video und DVD. „Im Straßenverkehr hat die Generation 65 plus eine geringere Unfallbeteiligung, aber ein höheres Sterberisiko“, fügte Destatis-Chef Thiel hinzu.

    Er stellte die nun 67. Ausgabe des Statistischen Jahrbuchs vor. Alle Zahlen seien online verfügbar. Neben der kostenfreien Online-Version steht eine Print-Publikation zur Verfügung, die im Buchhandel erworben oder online bestellt werden kann (ISBN: 978-3-8246-1074-7; 71 Euro). Auf der Destatis-Internetseite gibt es weitere aktuelle Informationen rund um die Generation 65 plus. Eine Themenseite zum demografischen Wandel fasst viele dieser Daten zusammen.

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    Tags:
    Soziales, Statistik, Alter, Altersarmut, Rentner, Deutschland