10:26 17 November 2018
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    Für Schlachtfeld geeignet: USA billigen neues Opioid trotz Drogenkrise

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    Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat am Freitag ein neues starkes Opioid genehmigt, das trotz der Kritik eigener Berater des Ressorts in Pflegeeinrichtungen eingesetzt werden kann. Darüber berichtet die Zeitung „The Washington Post“.

    FDA-Kommissar Scott Gottlieb gab eine besondere Erklärung zur Genehmigung des neuen Arzneimittels (genannt Dsuvia) ab und erklärte, dass seine Verwendung streng kontrolliert würde und dass die FDA die Kontroverse um ihre Entscheidung verstehe.

    „Es sichert eine spezifische und wichtige, aber begrenzte, bisher nicht erfüllte medizinische Notwendigkeit, um die Soldaten unserer Nation auf dem Schlachtfeld zu behandeln“, sagte Gottlieb und stellte fest, dass das Medikament in Form einer 30-Mikrogramm-Tablette verkauft werde.

    Diese soll unter die Zunge gelegt werden und darum besser für Schlachtfeldsituationen geeignet sein, wenn Menschen keine Injektion durchführen können.

    Das Medikament dürfe nur von Fachleuten im Gesundheitswesen und auf Schlachtfeldern verabreicht werden, damit die Patienten es nicht in der Apotheke bekommen und nach Hause mitnehmen.

    Dsuvia sei angeblich zehnmal stärker als Fentanyl und 1.000mal stärker als Morphin. Es wurde vom Hersteller AcelRx in Zusammenarbeit mit dem Pentagon entwickelt, das Millionen Dollar für das Projekt ausgegeben hat.

    Public Citizen, eine Interessenvertretung für Verbraucherrechte, protestierte gegen die Einführung von Dsuvia, ebenso Raeford Brown, Vorsitzender des FDA-Beratungsausschusses, der bei der Abstimmung über die Droge nicht anwesend war.

    „Es ist sicher, dass Dsuvia die Opioid-Epidemie verschlimmern und Menschen unnötig töten wird. Es wird von medizinischem Personal und anderen Personen eingenommen, denen es nicht verschrieben wurde. Viele von ihnen werden überdosieren und sterben“, sagte Sidney Wolfe, Gründer der Public Citizen's Health Research Group.

    FDA-Kommissar Scott Gottlieb merkte jedoch an, die FDA werde mehr tun, um die Anstrengungen zur Bekämpfung der Opioidkrise in Einklang mit den Bedürfnissen von schmerzmittelbedürftigen Menschen zu bringen.

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    „Wir müssen uns mit der Frage befassen, die meiner Meinung nach der Kritik zugrunde liegt, die vor dieser Genehmigung erhoben wurde: Inwieweit sollten wir jedes Opioid nur nach seinen eigenen Vorzügen bewerten und in welchem Umfang sollten wir auch die Epidemie von Opioidmissbrauch, die unsere Nation fesselt, berücksichtigen?“, schrieb Gottlieb in seiner Erklärung.

    Die USA erleben zurzeit die schlimmste Drogenkrise in der Geschichte des Landes. Überdosierungen töteten 2017 eine Rekordzahl von 72.000 Nutzern, so vorläufige Daten der US-amerikanischen Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention. Wie im Jahr 2016, als die Zahl der Todesopfer bei rund 64.000 lag, kamen 2017 mehr US-Bürger durch Drogenkonsum um als während der Kriege in Vietnam und im Irak.

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    Tags:
    Drogen, Drogenkrise, Opioid-Sucht, Schmerzmittel, Opioide, Medikamente, US-Gesundheitsbehörde FDA, USA