05:48 19 November 2018
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    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron

    Macron will „Frankreichs Retter“ würdigen – und löst Skandal aus

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    Der französische Präsident Emmanuel Macron ist unter eine starke Kritik geraten, nachdem er das Andenken an den mit den Nazis kollaborierenden Marschall Henri-Philippe Pétain im Rahmen der dem 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkrieges gewidmeten Veranstaltungen zu würdigen aufgerufen hatte. Dies meldet Associated Press am 8. November.

    Der Agentur zufolge hatte Macron bei seinem Auftritt in der Stadt Charleville-Mézières im Nordosten Frankreichs die wichtige Rolle von Pétain bei dem Sieg im Ersten Weltkrieg hervorgehoben und ihn einen „großen Soldaten“ genannt. Der Präsident erklärte zudem, dass es richtig wäre, die Verdienste von Pétain sowie die Verdienste von anderen Marschällen zu würdigen, die  Frankreich zum Sieg geführt hätten, trotz jener „katastrophalen Wahl“, die er in den Jahren des Zweiten Weltkrieges getroffen haben soll.

    Es wurde erwartet, dass an Pétains Name ebenso wie an die Namen von noch sieben Marschällen — Teilnehmern des Ersten Weltkrieges — im Zuge der Zeremonie erinnert werde, die im Pariser Invaliden-Dom am 10. November stattfinden soll. Doch letztendlich mussten die Behörden auf diese Idee verzichten — wegen der Unzufriedenheit, die die Worte des französischen Staatschefs in der Gesellschaft hervorgerufen hatten.

    Der Präsident des Repräsentanten-Rates der jüdischen Institute Frankreichs (CRIF), Francis Kalifat, hat gestanden, von Macrons Erklärung schockiert gewesen zu sein. „Pétain war jener Mann, der genehmigt hatte, etwa 76.000 französische Juden in die Konzentrationslager zu schicken“, erläuterte er.

    Pétain war einer der Kriegsbefehlshaber, unter denen Frankreich und seine Verbündeten den Sieg im Ersten Weltkrieg errungen haben. Mit seinem Namen ist unter anderem der Sieg in einem der größten Gefechte des Ersten Weltkrieges verbunden – der Schlacht bei Verdun 1916, wonach die Franzosen eine Offensive gegen die deutschen Truppen starten konnten. Im Jahr 1918 hatte Pétain den Marschall-Rang und den inoffiziellen Titel "Retter Frankreichs“ erhalten.

    In den Jahren des Zweiten Weltkrieges, nachdem Frankreich von Hitler-Deutschland zerschlagen worden war, leitete Pétain eine Kollaborationsregierung, die als „Regime Vichy“ bekannt ist und aktiv mit den Nazis zusammengearbeitet hatte. Nach dem Kriegsende wurde der Marschall wegen Staatsverrats und Kriegsverbrechen zum Tode verurteilt, doch dieses Urteil wurde später durch lebenslängliche Haft ersetzt. Pétain war 1951 im Gefängnis auf der Insel Yeu gestorben.

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    Tags:
    Kollaborationsregierung, Kriegsverbrechen, Staatsverrat, Zweiter Weltkrieg, Erster Weltkrieg, Regime Vichy, Associated Press, CRIF, Henri-Philippe Pétain, Emmanuel Macron, Insel Yeu, Charleville-Mézières im Nordosten Frankreichs, Deutschland, Frankreich