21:53 16 Dezember 2018
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    Radikal gesinnte Muslime verbrennen ein Großfoto der Gotteslästerin Asia Bibi

    Kanada will pakistanische „Gotteslästerin“ vor Lynchjustiz retten

    © AP Photo / Pervez Masih
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    Kanada führt laut seinem Ministerpräsidenten Justin Trudeau Verhandlungen mit Pakistan über die Befreiung der kinderreichen Mutter und Christin Asia Bibi von der Todesstrafe, die ihr in diesem muslimischen Land droht. Darüber schreibt „The Guardian“ am Dienstag.

    „Die Situation ist sehr heikel, und ich kann deswegen nichts mehr sagen. Aber ich will daran erinnern, dass Kanada ein gastfreundliches Land ist“, zitiert die britische Tageszeitung Trudeau.

    Laut Medienberichten handelt es sich um die Asyl-Gewährung für die Pakistanerin. Diese Information wurde jedoch in Ottawa nicht bestätigt.

    Die kanadischen Behörden hatten in der Vorwoche von der pakistanischen Führung gefordert, die Sicherheit von Bibi zu gewährleisten. Daraufhin erklärte die Regierung in Islamabad, sie ergreife hierfür alle nur möglichen Maßnahmen.

    Bibi’s Ehemann hatte zuvor Großbritannien, Kanada, Italien und die USA um Hilfe gebeten. Der britische Ex-Außenminister Boris Johnson forderte in einem Brief seinen Amtsnachfolger Jeremy Hunt und Innenminister Sajid Javid auf, Bibi Asyl zu gewähren.

    Wegen Blasphemie verurteilt, hatte die Frau bereits acht Jahre im Gefängnis verbracht. Am 31. Oktober beschloss das Gericht, dass es an Schuldbeweisen mangele und die geständigen Aussagen der Frau erzwungen worden seien. Wie am 2. November mitgeteilt wurde, haben religiöse Fundamentalisten in größeren Städten Pakistans Protestaktionen organisiert. Radikal gesinnte Muslime verbrannten Bibis Fotoporträts mitten auf Straßen in Städten und riefen dazu auf, nicht nur die Frau selbst, sondern auch die drei Richter öffentlich hinzurichten, die sie freigesprochen hatten.

    Pakistans Premierminister Nawaz Sharif
    © East News / AP Photo/Justin Tallis, Pool
    In Pakistan werden die Todesstrafen wegen Blasphemie von der Bevölkerung unterstützt. Kritikern zufolge wird diese Norm oft als Rachemittel bei persönlichen Konflikten genutzt, wobei die jeweilige Anschuldigung auf unhaltbaren Beweisen beruhe. Dabei unterstützen pakistanische Politiker oft die harten Strafen wegen Missachtung des Glaubens, um ihre Beliebtheit bei den Wählern zu bewahren. 96 Prozent der pakistanischen Bürger sind sunnitische Muslime.

    Wie der Sender BBC mitteilte, sind in Pakistan noch keine gerichtlichen Todesurteile wegen Gotteslästerung gefällt worden. Aber viele Beschuldigte wurden Opfer von Lynchjustiz.

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    Tags:
    Todesstrafe, Asyl, Justin Trudeau, Kanada, Pakistan