14:58 17 Dezember 2018
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    Das Sowjetische Ehrenmal in Neustrelitz

    Wann wird der „Sowjet-Soldat“ aus dem Dornröschen-Schlaf erweckt?

    CC BY-SA 3.0 / Ruchhöft-Plau / Das Sowjetische Ehrenmal
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    Matthias Witte
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    Derzeit fristet er auf einer Brache liegend ein tristes Dasein. Die über fünf Meter große Soldatenstatue war einst Bestandteil eines sowjetischen Ehrenmals in Neustrelitz. Das wurde 1995 komplett entfernt. Jetzt soll die Geschichte ein neues Kapitel bekommen.

    Der Soldat soll wieder aufgestellt werden. Nach Angaben der städtischen Pressestelle hat sich die Stadtverordnung in Neustrelitz mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Statue zu erhalten und zu restaurieren. Allerdings ist noch nicht klar, an welchem Ort sie stehen soll. Derzeit werden Vorschläge gesammelt. Dieser Vorgang dauert laut Sprecherin Petra Ludewig noch an.

    Es gibt mehrere Orte. Der Nordkurier berichtet, das Kulturquartier Neustrelitz beanspruche die Figur für sich, um sie historisch einordnen zu können.

    Die Statue ist Trost, Sühne und Mahnung

    Torhaus von Bautzen I, 1935
    © Foto : Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, 11018 Ministerium der Justiz, Nr. 1603
    Hannelore Raemisch, parteilose Ratsherrin in der Stadtvertretung Neustrelitz, sagte gegenüber Sputnik: „Es ist eine sehr große Figur (5,20 Meter, Anm. d. Red.), die früher unseren Marktplatz dominierte und vielen Menschen bekannt war.“ Wegen der Größe sei sie für das Kulturquartier ungeeignet. Ihr Vorschlag: Die Figur soll auf dem Soldatenfriedhof im städtischen Prinzengarten stehen. „Es war damals ein Trost für viele, dass die gefallenen Soldaten dort würdig bestattet sind. Auch Sühne und Mahnung. Das muss mitbedacht werden.“

    Laut der Lokalpolitikerin ist der Friedhof einvernehmlich mit der russischen Seite eingerichtet worden. „Wir haben noch immer eine lebende Partnerschaft mit der russischen Garnison, die in Neustrelitz stationiert war und nach dem Ende des Kalten Krieges nach Tschaikowski umgesiedelt wurde. Diese Partnerschaft ist nach wie vor sehr lebendig.“

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    Dritte Variante: Das ehemalige Gelände einer Irrenanstalt

    Frau Raemisch schwebt noch eine dritte Variante vor. Das Gelände der Domjüch im Stadtteil Strelitz-Alt, der heute unter Denkmalschutz steht..

    „Die Domjüch ist heute ein zauberhafter Ort. Zu Nazi-Zeiten war es allerdings eine Irrenanstalt, in der auch Euthanasie betrieben wurde. Ein Ort mit einer bösen Vergangenheit. Bis 1993 waren hier aber auch russische Streitkräfte stationiert. Ich könnte mir darum vorstellen, dass man diesen Soldaten hier als Kunstobjekt vergehen lässt. Mit Erklärung und Tafeln zu seiner Geschichte. Das gesparte Geld (die Restaurierung wird nach Experten-Angaben  mehrere Tausend Euro kosten, Anm. d. Red.) könnte man in Schülerprojekte mit unserer russischen Partnerstadt stecken.“

    Frau Raemisch bemerkt, die Statue müsse laut Vereinigungsvertrag erhalten bleiben. Es sei aber auch eine Frage der Interpretation. „Ich gebe lieber Geld für die Begegnung junger Menschen aus. Das ist mir viel wichtiger als Recht zu haben und auf den Vereinigungsvertrag zu pochen.“

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    Die Geschichte der Soldaten-Figur

    Der Sowjet-Soldat gehörte zu einem Ehrenmal. 1945 wurde es auf dem Marktplatz in Neustrelitz errichtet, um der im 2. Weltkrieg gefallenen Soldaten zu gedenken. In einer Säulenhalle waren gefallene sowjetische Soldaten beerdigt. Auf dem Dach stand die 5,20 Meter hohe Soldatenfigur aus Holz vom Bildhauer Friedrich Motzkau.

    Sie wurde 1949 nach Angaben der Stadt bei einem Sturm beschädigt. Danach wurde nach dem Original eine Eisengussfigur angefertigt und aufgestellt.

    Im Jahr 1993 zogen die in Neustrelitz stationierten GUS-Streitkräfte nach Tschaikowski/Markowski um. Ein Jahr später wurden im Einvernehmen mit der russischen Seite die Kriegsgräber vom Marktplatz auf den Ehrenfriedhof im Schlossgarten Neustrelitz umgebettet.

    Im Jahr 1995 entfernte die Stadt das Ehrenmal dann komplett vom Marktplatz. Die Soldatenfigur wurde auf Beschluss der Stadtvertretung bis zu einer weiteren Verwendung eingelagert. Sie gehört zum Fundus eines Museums und ist bis heute auf einer städtischen Liegenschaft eingelagert.

    Wie lange der Soldat dort noch liegen soll und ob er wieder aufgestellt wird, entscheiden die Mitglieder der Stadtverwaltung wohl erst zu Beginn des kommenden Jahres.

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    Tags:
    Denkmal, Statue, Zweiter Weltkrieg, UdSSR, DDR, Deutschland