14:58 17 Dezember 2018
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    Erste stellvertretende Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur (IVDK) Olga Martens

    Als Staatsbürger Russlands Deutscher bleiben – IVDK-Vize Martens

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    Nikolaj Jolkin
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    Darüber, wie man als russischer Staatsbürger doch deutsch bleiben kann, haben laut der Ersten stellvertretenden Vorsitzenden des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur (IVDK) ,Olga Martens, die Russlanddeutschen unter anderem gesprochen, als sie sich zu ihrem 15. Forum in Barnaul, der Hauptstadt der Region Altai, versammelt hatten.

    Aber nicht allein um die Festigung ihrer kulturellen Eigenständigkeit ging es bei dem Forum „Selbstorganisation und Entwicklung“, sagte sie im Sputnik-Gespräch. „Seine wichtigste Besonderheit lag darin, dass er nicht in Moskau, sondern in der Region stattgefunden hat, in der die meisten Russlanddeutschen leben, der Deutsche Nationalrajon besteht und in der ein Deutsch-Russisches Haus eröffnet worden ist. Diese Region hat seit eh und je ein hohes Geschäfts- und Kulturpotential aufgewiesen. Daher war es wichtig, dass Russlanddeutsche aus Südsibirien zum Forum kommen und Erfahrungen mit Landsleuten aus anderen Regionen Russlands austauschen konnten.“

    Forum „Selbstorganisation und Entwicklung“
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    Forum „Selbstorganisation und Entwicklung“

    Sehr geschätzt haben die Russlanddeutschen ferner, dass eine Delegation aus Deutschland mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Dr. Berndt Fabritius an der Spitze sich zu dem Forum eingefunden hatte. Am Rande des Forums hat er laut Martens mit dem Gouverneur der Region, Wiktor Tomenko, über den Ausbau der Aktivitäten des Deutsch-Russischen Hauses verhandelt. „Dies ist darauf zurückzuführen, dass seit 2016, nachdem Präsident Putin an dem Erlass ‚Über Sofortmaßnahmen zur Rehabilitation der Russlanddeutschen‛ Veränderungen vorgenommen hat, ihrer sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird.“

    Die Russlanddeutschen sind für ihre reiche Geschäftstradition bekannt, vor allem im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen. Deshalb, betont Martens, „haben wir uns vorgenommen, Kultur- und Geschäftszentren zu gründen, in denen russlanddeutsche Unternehmer mit KMUs aus Deutschland und anderen Ländern im Bereich der Schulung und Fortbildung sowie bei der Anbahnung von Geschäftsaktivitäten kooperieren und Partnerschaften knüpfen.“

    • Forum „Selbstorganisation und Entwicklung“
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    Finanzielle Unterstützung durch Deutschland

    „Deutschland hat uns schon immer geholfen“, so Martens. „Allein in die Renovierung des Deutsch-Russischen Hauses der Region Altai hat es eine halbe Million Euro investiert. Darum haben uns die Diskussionen rund um die Deutsch-Russischen Häuser und ihre eventuelle Schließung ziemlich schmerzlich getroffen. Und wir freuen uns, dass die neue Führung der Region dieses Problem mit Verständnis behandelt und bereit ist zu diskutieren, wie man das Deutsch-Russische Haus nicht nur für die Russlanddeutschen, sondern auch für die ganze Region nützlich machen kann.“

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    Zusammenschluss der Russlanddeutschen

    Der Zuswammenschluss sei unentbehrlich, um den Gemeinschaftssinn der Deutschen aufrechtzuerhalten, ist sich Martens sicher. „Wir sind ja nicht kompakt angesiedelt. Wir haben keine eigene Republik bzw. kein anderes territoriales Gebilde. Innerhalb der Russischen Föderation leben wir nicht einmal in einer Region. Wir sind verstreut von Magadan bis Kaliningrad, und wenn etwa in einer Region zwei oder drei von uns leben, fällt es ihnen schwer, ihre russlanddeutsche Identität zu behalten. Ihnen fehlt die Infrastruktur zur Wahrung eigener kultureller Bedürfnisse und der russlanddeutschen Traditionen. Gerade darum ist es für die Russlanddeutschen wichtig, sich zu versammeln und gemeinsam die Tätigkeit unserer Organisationen zu besprechen, darüber zu reden, wie wir als Staatsbürger Russlands Deutsche bleiben können.“

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    Mundart oder modernes Deutsch?

    Ein Tag des Forums war der Sprache gewidmet. „Wir haben eine Aktion der deutschen Jungendbewegung, die ‚Eltern sind aktiv!‛ heißt. Es handelt sich dabei um die Beteiligung der Eltern an der Einbindung von Kleinkindern in das sprachliche Milieu. Seinerzeit haben wir viele Gruppen mit Deutschunterricht für Kleinkinder eingerichtet. Es geht bereits im Kindergarten, bei Dreijährigen los. Es gibt inzwischen gut zweihundert solche Gruppen. Es kam uns darauf an, vor allem die Eltern zum aktiven Mitmachen zu bewegen.“

    Auf die Frage, welche Sprache die Russlanddeutschen gebrauchen, lasse sich keine eindeutige Antwort geben, so Martens. „Ich beispielsweise spreche sowohl die Mundart als auch Hochdeutsch. Hat eine Familie ihre Mundart behalten, wird diese weitervererbt. Wo aber die Mundart aus bestimmten historischen Gründen nicht gepflegt werden konnte, helfen wir beim Erlernen der Hochsprache. Ab und zu kommt es bei uns allerdings zur Debatte, was die Muttersprache der Russlanddeutschen sei. Etwa für mich ist es gar keine Frage: Die Muttersprache meiner Familie ist die Mundart.“

    Genauso wohl bekommt Martens, laut ihr selbst, die deutsche Hochsprache. „Haben einige die Mundart nicht durch Überlieferung erhalten, ist sie nicht von Generation zu Generation weitergegeben worden, wozu sollte man jetzt die Menschen zwingen, gegen ihren Willen sich die Mundart anzueignen. Stattdessen können sie die deutsche Hochsprache lernen, darunter, um sich mit Deutschen in Deutschland frei zu unterhalten.“

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    Tags:
    Russlanddeutsche, Identität, Entwicklung, Hilfe, Sprache, Altai, Deutschland, Russland