01:27 12 Dezember 2018
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    Die Universität Greifswald

    Identitäre stürmen Universität – Doch damit hatten sie nicht gerechnet…

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    Gesellschaft
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    Marcel Joppa
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    An der Universität Greifswald ist es zu einem Zwischenfall während einer Vorlesung gekommen. Bei der Veranstaltung „Gehirne waschen – Framing gegen Fremdenhass“ stürmten Anhänger der Identitären Bewegung den Hörsaal. Doch als der Dozent die Männer zum Dialog einlädt, sind diese mit der Situation überfordert.

    Die Universität Greifswald veranstaltete am vergangenen Wochenende ihre jährliche „24-Stunden-Vorlesung mit zahlreichen Lehrveranstaltungen rund um die Uhr. Dabei kam es während der Vorlesung „Gehirne waschen – Framing gegen Fremdenhass“ des Referenten Eric Wallis zu einem plötzlichen Zwischenfall. Am frühen Nachmittag stürmten rund 20 Männer in den Hörsaal und hielten ein Spruchband mit der Aufschrift „Man wird doch noch seine Meinung sagen dürfen“ in die Höhe.

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    Die jungen Männer riefen dabei wiederholt den Slogan „Tradition. Multikulti Endstation“ und sie forderten eine Sicherung der „Festung Europa“. Während der Vorlesung befanden sich rund 60 Zuhörer im Hörsaal. Einige Studenten filmen die Aktion, die Aufnahmen wurden der „Ostsee Zeitung“ zugespielt, die darüber zuerst berichtete.

    Der Sprachforscher und Dozent Eric Wallis erklärte später, er habe zunächst nur an einen inszenierten Scherz gedacht. Gegenüber Medienvertretern erklärte er:

    „Schließlich ging es in meiner Vorlesung um die Art und Weise wie Gruppen wie AfD und die Identitären mit sprachlichen Mitteln diffuse Ängste bei den Menschen schüren. Genau so, nämlich.“

    Wallis lud die Protestierenden jedoch ein, sich an der aktuellen Diskussion in dem Hörsaal zu beteiligen und ihr Anliegen vorzutragen.

    Damit hatten die Aktivisten der Identitären Bewegung allerdings kaum gerechnet. In dem Video ist zu sehen, wie sich die jungen Männer von der Gesprächseinladung irritiert zeigen. Während Wallis die Protestler mit den Worten „Es ist ein freies Land, jeder darf seine Meinung äußern“ zum Bleiben auffordert, verlassen diese bereits den Saal. Die Identitären selbst stellten die Aktion nachträglich jedoch etwas anders dar: Angeblich sei einer der Aktivisten von Ordnern aus dem Saal geworfen worden. Fakt ist jedoch, dass es bei der Veranstaltung keine Sicherheitskräfte gab: Einige Aktivisten hatten sich selbst blaue Ordner-Westen übergestreift, um einen falschen Eindruck zu erwecken.

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    Das Video aber zeigt, dass die Aktivisten sogar eindringlich zum Verweilen aufgefordert waren. Der Dozent Eric Wallis resümiert, dass es den Aktivisten vermutlich lieber gewesen wäre, wenn die Universität die Polizei gerufen hätte:

    „Dann hätten sie sich besser als Opfer inszenieren können. In jedem Fall war es aber eine sehr praktische Ergänzung zu meinem Vortrag, weil der Vorfall bestätigt hat, nach welchen Mustern diese Gruppierungen vorgehen.“

    Er würde sich wünschen, dass man auch im Alltag häufiger versucht, mit politisch Andersdenkenden ins Gespräch zu kommen. Nach dem Zwischenfall wurde die Veranstaltung plangemäß fortgesetzt.

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    Hass, Universität, Lektion, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Identitären-Bewegung, Europa, Deutschland