01:50 12 Dezember 2018
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    Eine Frau bei der Islam-Konferenz in Berlin

    Blutwurst bei Islam-Konferenz sorgt für Kritik: Innenministerium entschuldigt sich

    © REUTERS / Hannibal Hanschke
    Gesellschaft
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    Paul Linke
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    Es wurde Schweinefleisch auf der Islam-Konferenz in Berlin serviert – Blutwurst, um genauer zu sein. Manche vermuten dahinter Schikane von Seiten des Bundesinnenministeriums. Das Ministerium streitet böse Absichten ab und entschuldigt sich.

    Für Muslime ist Schweinefleisch tabu. Das wissen die meisten. Wer würde deswegen auf die Idee kommen, auf einer Konferenz, bei der es um den Islam geht und zu der auch hauptsächlich Muslime eingeladen sind, Schweinefleisch in Form von Blutwurst anzubieten? Auf die Idee kommt das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) – Gastgeber der 4. Deutschen Islam-Konferenz (DIK).

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    Darüber wundert sich der WDR-Journalist Tuncay Özdamar via Twitter: „Auf der Islamkonferenz gestern in Berlin gab es wieder Schweinefleisch auf dem Buffet. Es wurde Blutwurst serviert. İnşallah halal. Welches Zeichen will Seehofers Innenministerium damit setzen?“, fragt Özdamar.

    Aus Schweineblut, Speck, Schwarte und Schweinefleisch besteht traditionell eine Blutwurst. Dabei ist nicht nur das Fleisch an der Wurst problematisch. Muslimen sollten auch den Blutverzehr von Tieren vermeiden. Durch die Praxis des Schächtens soll deswegen sichergestellt werden, dass die Tiere nahezu komplett ausbluten.

    Inzwischen habe sich eine Sprecherin des BMI mit einem Statement beim Online-Magazin „Vice“ gemeldet: Die Speisenauswahl sei mit Blick auf die „religiös-plurale Zusammensetzung” der Deutschen Islamkonferenz erfolgt. 13 verschiedene Speisen seien angeboten worden, sowohl halal und vegetarisch, als auch Speisen mit Fleisch und Fisch. Zudem sei das Buffet deutlich ausgezeichnet gewesen und das Personal instruiert, um zu den einzelnen Speisen auskunftsfähig zu sein. „Sollten sich also einzelne Personen durch die Auswahl in ihren religiösen Gefühlen gekränkt gesehen haben, bedauern wir das“, so das Ministerium.

    Mit einem Verhalten „wie ein Elefant im Porzellanladen“ werde Seehofer und seine Behörde die Mehrheit der Muslime in Deutschland nie erreichen, schrieb Özdamar. „Ein wenig Respekt vor Muslimen, die kein Schweinefleisch essen, wäre angebracht“, bemerkte der nach eigener Aussage nicht religiöse und schweineverzehrende WDR-Journalist Özdamar.

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    Wie es denn mit dem Alkohol auf der Konferenz ausgesehen habe, fragte ein anderer Twitter-Nutzer den Reporter. „Warum stellt das nicht eine Respektlosigkeit dar?“

    Zuvor hatte Innenminister Horst Seehofer erklärt, dass Muslime gleichberechtigt zu Deutschland gehörten. „Daran kann es wohl keinen vernünftigen Zweifel geben.“ Die Bundesregierung wolle Brücken bauen, damit Muslime besser in Deutschland heimisch werden können, machte Seehofer deutlich. Erst im Frühjahr habe der Bundesinnenminister in der „Bild“-Zeitung behauptet, der Islam gehöre nicht zu Deutschland.

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    Tags:
    Respekt, Alkohol, Wurst, Kritik, Tradition, Islam, Bundesministerium des Inneren (BMI), Horst Seehofer, Deutschland