09:10 19 Dezember 2018
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    Waffenmesse in Dortmund (Archivbild)

    US-Verhältnisse in Deutschland? – Immer mehr Deutsche greifen zu Waffen

    © AP Photo / Martin Meissner
    Gesellschaft
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    Die Zahl der Bundesbürger mit einem sogenannten Kleinen Waffenschein steigt. Darauf machen aktuelle Medienberichte aufmerksam. Es handelt sich dabei um den Besitz von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. Ein Polizeigewerkschafter warnt vor dem Trend. Ein Konfliktforscher verweist auf Ursachen.

    Immer mehr Deutsche bewaffnen sich. Die Polizei warnt schon vor US-amerikanischen Verhältnissen. Das meldet das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND) des Madsack-Konzerns am Freitag. Danach werden in der Bundesrepublik immer mehr sogenannte Kleine Waffenscheine beantragt. Diese berechtigen zum verdeckten Tragen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen.

    599.940 Kleine Waffenscheine seien Ende Oktober 2018 registriert worden, meldet das RND. Das sei ein Anstieg um 130 Prozent seit 2014. Grundlage sind Aussagen der 16 zuständigen Innenministerien der Bundesländer. Ende 2017 habe die Zahl der gespeicherten Kleinen Waffenscheine im Nationalen Waffenregister noch bei 557.560 gelegen, wird aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen von Anfang des Jahres zitiert.

    Die Verunsicherung der Bevölkerung zum Beispiel durch Terroranschläge sei ein möglicher Grund für diese Entwicklung in den vergangenen Jahren, heißt es. „Es besteht die Gefahr, dass Waffen nicht ordnungsgemäß eingesetzt werden und ihre Inhaber sich selbst gefährden“, wird der Vizevorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, vom RND zitiert.

    Radek meint danach, eine Gesetzesverschärfung helfe nicht, nur die „Einsicht, dass Waffen das Problem nicht lösen“. Der Polizeigewerkschafter warnt vor US-amerikanischen Verhältnissen. Die US seien das Land mit der größten Waffendichte, ohne dass es dort mehr Sicherheit gebe.

    In den USA sterben mehr Menschen durch Schießereien als US-Soldaten in den vielen Kriegen, die das  Land führt. 43 Prozent aller US-Amerikaner leben in einem Haushalt mit mindestens einer Schusswaffe. 300 Millionen Waffen wie Pistolen und halbautomatische Sturmgewehre gibt es in den USA. Noch immer sterben jährlich etwa 30.000 Menschen in dem Land durch Schusswaffen.

    Laut dem RND sieht Konfliktforscher Andreas Zick die Entwicklung als Zeichen dafür, dass sich die bundesdeutsche Gesellschaft zunehmend radikalisiert.  Der Leiter des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld habe von einer „Eskalation von radikalen Meinungen“ gesprochen. Zick verweist danach auf den Zusammenhang mit der gestiegenen Zuwanderung. Mit dieser habe es mehr Medienberichte über vermeintliche und reale Gefahren gegeben. Laut dem Wissenschaftler hat dieser Trend nach der Kölner Silvesternacht 2016/17 zugenommen.

    Zick wies gegenüber dem RND ebenso auf immer mehr Menschen hin, die sich durch Gruppen radikalisieren. Es handele sich um solche, die verstärkt seit der Zuwanderungswelle von 2015 behaupten, der Staat habe die Kontrolle verloren habe und die Bürger müssten Widerstand leisten. Diese Auffassungen habe in Umfragen des Instituts schon 2016 fast jeder fünfte Befragte geteilt. Zur steigenden Gewaltbereitschaft würden ebenso Vorurteile beitragen, wonach unter anderem Flüchtlinge zu Gewalt neigen. Der Konfliktforscher will ebenfalls mit Aufklärung dagegen wirken.

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    Tags:
    Posttraumatische Belastungsstörungen, Gefahr, Waffenhandel, Waffenbesitz, Soldaten, Polizeigewerkschaft GdP, USA, Deutschland