02:40 14 Dezember 2019
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    Tehran, Iran (Archiv)

    Faszination Iran: „Das Persische Reich ist beeindruckend“ – Reisebericht EXKLUSIV

    © AFP 2019 / BEHROUZ MEHRI
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    Nicht nur US-Sanktionen und Debatten um das Atom-Programm machen den Iran aus. „Das ist ein faszinierendes Kulturland: In historischer wie touristischer Hinsicht spannend“, sagte Hubert Thielicke, Pressesprecher des außenpolitischen Fachmagazins „WeltTrends“. Im Oktober besuchte er das Land. Von seiner Reise berichtete er im Sputnik-Interview.

    „Ich bin Ende Oktober mit einem guten Freund in den Iran geflogen“, erklärte Hubert Thielicke, Politologe, Historiker und Pressesprecher des in Potsdam beheimateten außenpolitischen Magazins „WeltTrends“, gegenüber Sputnik. „Wir wollten uns das Land einmal aus touristischem Blickwinkel anschauen. Die Geschichte, die Kultur. Aber wir wollten vor allem auch schauen, wie das Land derzeit lebt angesichts der jüngsten US-Sanktionen“, betonte er.

    „Wir haben uns eine Route mit den großen historischen und kulturgeschichtlichen Städten ausgesucht.“ Darunter war die für ihre Gartenkultur weltberühmte Stadt Schiras, der Oasen-Ort Yazd in der Wüste, die Kulturstadt Isfahan und die Hauptstadt Teheran. Ihm habe auf seiner Reise besonders die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Menschen beeindruckt: „Die kommen auf einen zu und suchen das Gespräch. Man wird begrüßt. Diese überschäumende Herzlichkeit ist schon beeindruckend.“ Er habe sich mit den iranischen Menschen vor allem auf Englisch und Russisch unterhalten.

    Landeskunde Iran: „Isfahan ist eine Perle der Region“

    Die Islamische Republik Iran ist ein etwa 80 Millionen Einwohner zählender Staat im vorderasiatischen Raum. Das Land zählt zu den 20 bevölkerungsreichsten und flächenmäßig größten der Erde. Die Mehrheit der Iranerinnen und Iraner sind schiitischen Glaubens. Damit unterscheidet sich das iranische Volk nicht nur ethnisch, sondern auch religiös von den Arabern, die mehrheitlich sunnitischen Glaubensströmungen im Islam angehören. Diese Tatsache und die geografische Lage des Landes haben in der Vergangenheit immer wieder zu Auseinandersetzungen und Konflikten geführt. Das Gebiet ist seit jeher von hoher geostrategischer Bedeutung. Der Iran liegt zwischen dem Kaspischen Meer im Norden und dem Persischen Golf im Süden. Im Westen grenzt der arabische Irak, im Osten hat das Land die direkten Nachbarn Afghanistan und Pakistan, weiter östlich liegt China. Der Iran sieht sich als Nachfolger der früheren Persischen Reiche.

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    „Isfahan ist die geschichtliche und kulturelle Perle im Iran“, berichtete Thielicke. „Wer den großen Imam-Platz, auch Schah-Platz genannt, gesehen hat mit seiner Länge von 600 Metern und den Moscheen und Palästen ringsherum, der wird das nicht so schnell vergessen. Die Glanzzeit Isfahans war die Zeit der Sawafiden-Herrscher. Einer Herrscherfamilie, die im 16. und 17. Jahrhundert von Isfahan aus das Persische Reiche regierte.“ Der Ort habe eine immense historische Bedeutung für das Land. „Dort treffen Sie auch Touristen aus vielen Ländern.“

    In den Ruinen von Persepolis

    Die alten historischen Stätten seien besonders spannend gewesen. „Vor allem die Ruinen der alten persischen Hauptstadt Persepolis, die vor etwa 2.500 Jahren errichtet wurde. Sie war die Hauptstadt des ersten Weltreiches der Geschichte. Das darf man nicht vergessen: Persien blickt auf eine große Tradition in Kultur und Geschichte zurück und war damals das erste Weltreich der Geschichte.“

    Das Friedensmuseum in Teheran, „ein kleines Museum mitten im Herzen der Hauptstadt unweit des großen Nationalmuseums“, habe Thielicke stark beeindruckt. Das Teheraner Friedensmuseum beschäftige sich mit der Frage von Krieg und Frieden und zeige erschütternde wie aufrüttelnde Bilder aus Kriegszeiten.

    „Es stellt vor allem die Auswirkungen der Anwendung von chemischen, biologischen und nuklearen Massenvernichtungswaffen dar. Da ist das Land besonders betroffen gewesen, weil der Irak im Ersten Golfkrieg (tobte von 1980 bis 1988 zwischen dem Iran und dem Irak, Anm. d. Red.) chemische Waffen gegen den Iran eingesetzt hatte. Hier hat sich eine nichtstaatliche Organisation gebildet, die Opfer dieser chemischen Waffen betreut und sie würdigen möchte. Die haben dieses Museum in Eigeninitiative errichtet. Hier wird wirklich ungeschminkt der Schrecken des Krieges dargestellt. Das ist schon ergreifend, wenn man dort ist. Man wünscht sich mehr Museen, die sich wirklich intensiv mit dem Krieg und den Gefahren des Krieges auseinandersetzen.“

    Wie leben die Iraner unter den US-Sanktionen?

    „Die Menschen dort äußern natürlich auch ihre Betroffenheit bezüglich der Sanktionen der USA“, bemerkte der Historiker auf seiner Iran-Reise. Anfang November verhängte die US-Regierung erneut Sanktionen gegen die iranische Wirtschaft, weil Washington der Führung in Teheran vorwirft, nicht kooperativ genug beim Atom-Abkommen zu sein.

    „Einmal hat das iranische Volk volles Verständnis dafür, dass der gegenwärtige Präsident Rouhani mit dem Atom-Deal die Dinge vorangebracht hat. Dem Westen also auch entgegengekommen ist. Andererseits ist man natürlich erschrocken über die Reaktion der USA, der Trump-Administration, die nun trotz dieses Entgegenkommens des Irans hier auf die Bremse tritt und viele neue Sanktionen verhängt hat.“ Diese würden die wirtschaftliche Lebenslage der Iraner „deutlich verschlechtern“. Aber trotz der Sanktionen stehe das Volk „geschlossen hinter seiner Regierung“.

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    Iran biete für Touristen eine Menge, „was Kunst, Kultur und Geschichte betrifft. Grade unter dem Eindruck der jüngsten US-Sanktionen scheint die Regierung bestrebt zu sein, den Tourismus auszubauen.“ Die Infrastruktur im Land sei dafür schon gegeben. „Hier versucht man offensichtlich, mehr Devisen auf diesem Wege zu erwirtschaften. Man hat Vieles erleichtert. Die Visa-Beantragung geht relativ zügig. Und das Land ist auch sehr sicher, wie jüngste internationale Erhebungen zeigen.“ Der Iran eigne sich besonders für Gruppen- und Individual-Reisen. „Vor allem für kulturell Interessierte bietet das Land sehr viel. Es ist ein sehr schönes Land.“

    Das komplette Radio-Interview mit Dr. Hubert Thielicke zum Nachhören:

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    Tags:
    Debatte, US-Sanktionen, Reise, Touristen, Geschichte, Atomprogramm, Iran, USA