10:12 14 November 2019
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    Ex-Polizist tötete 78 Frauen: Die Geschichte des grausamsten Serienkillers Russlands

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    Ein Gericht in Irkutsk hat ein weiteres Urteil gegen den ehemaligen Polizeibeamten Michail Popkow gefällt, der in Russland vor allem als „Psychopath von Angarsk“ bekannt ist. Die Zahl seiner Opfer ist noch größer als die der bekannten Serienmörder Andrej Tschikatilo und Alexander Pitschuschkin.

    Ähnliche „Handschrift“

    Im Sommer 1992 war bei einer Polizeiabteilung der Stadt Angarsk (Gebiet Irkutsk) ein Anruf eingelangt. Ein aufgeregter Mann teilte mit, in einem Wald eine tote Frau entdeckt zu haben. Gerichtsmediziner schlossen nach der Leichenschau  mehrere Versionen wie einen alltäglichen Konflikt, einen Raubüberfall oder einen zufälligen Streit mit einem Unbekannten nicht aus. Dass dies das erste Opfer eines Serienmörders war, dachte damals niemand.

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    In der Stadt wurden immer wieder vergewaltigte und getötete Frauen aufgefunden. Im Herbst 1994 wurden gleich zwei solche Leichname entdeckt. Nach jeder Episode wurde ein entsprechendes Ermittlungsverfahren eingeleitet, die aber nicht in ein Verfahren vereinigt wurden: Entweder konnte man dieselbe „Handschrift“ des Mörders nicht erkennen – oder man wollte das nicht.

    Dass es sich um einen Serienmörder handeln könnte, dachte man erst in den späten 1990er-Jahren. Ein Ermittlerteam wurde gebildet, das aber lange im Dunkeln tappte. Erst nach einem DNA-Test, den in den 2000er-Jahren nahezu alle Einwohner der Stadt machen mussten, konnte der Killer aufgespürt werden – das Sperma auf den Leichnamen von drei Opfern stimmte mit dem eines Verdächtigen überein. Dazu kam es jedoch erst 2012.

    Mann mit zwei Gesichtern

    Es stellte sich heraus, dass der Serienmörder der ehemalige Polizist Michail Popkow war. Seinen Job als Polizist hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits an den Nagel gehängt, woraufhin er als Gebrauchtautohändler tätig war. Popkow wurde auf dem Weg nach Wladiwostok in einem Eisenbahnzug festgenommen. Er leistete keinen Widerstand und gestand, 20 Menschen das Leben genommen zu haben.

    Der Psychopath ging immer nach demselben Schema vor: Er lauerte unweit von Nachtlokalen oder auf Bushaltestellen seinen Opfern auf, schlug ihnen vor, sie mit dem Auto nach Hause zu bringen und bot ihnen Alkohol an. Oft trug er sogar seine Uniform – weswegen ihm die Frauen oft mit mehr Vertrauen begegneten. Aber für viele von ihnen endeten diese Begegnungen im Wald, wo sich der Polizeibeamte schlagartig in einen Serienmörder verwandelte.

    „Er war wie der doppelgesichtige Janus. Im Grunde lebten in ihm zwei verschiedene Menschen: Am Tag war er ein gesetzestreuer Bürger, den alle als Mischa, den Polizisten kannten“, erzählte der Untersuchungsrichter der Irkutsker regionalen Verwaltung des Ermittlungskomitees, Jewgeni Kartschewski. „Aber in der Nacht mutierte Popkow zu einem wilden Tier, das weder Gnade noch Menschlichkeit oder Mitleid kannte.“

    An der Ermittlung  mancher seiner Verbrechen beteiligte sich Popkow sogar selbst. Während seine Kollegen den Tatort in Beschau nahmen und nach Spuren suchten, überprüfte er, ob er keine Spuren hinterlassen hatte. Aber eines Tages verkalkulierte er sich – eines seiner Opfer blieb am Leben und konnte den Täter ziemlich genau beschreiben. Unter anderem sagte die Frau aus, dass er eine Polizeiuniform getragen hätte. Damals hegte allerdings noch niemand den Verdacht, dass es sich um Popkow handeln könnte.

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    „Genüssliche Aussagen“

    Nach der Festnahme wurde Popkow wegen 22 Morden und zwei Mordversuchen angeklagt. Im Januar 2015 wurde er vom Irkutsker Gebietsgericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Serienmörder gab zu, nach dem Schuldspruch weitere 60 Verbrechen begangen zu haben. Es wurde klar, dass er auch nach seiner Kündigung  „auf Jagd gegangen“ war – bis 2010. Seine Opfer waren zwischen 16 und 50 Jahre alt.

    „Er gab nach und nach alles zu, indem er sich an ständig weitere Verbrechen erinnerte“, erzählte Jewgeni Kartschewski, der seit 2014 das Ermittlerteam leitet. „Über die Umstände erzählte er freiwillig, ziemlich pathetisch und nahezu genüsslich.“

    Die neuen Ermittlungen dauerten fast drei Jahre. Insgesamt zählt der Fall 322 Bände. „Natürlich gab es viele Schwierigkeiten. Denn bis dahin hatte es in Russland keine Ermittlungs- beziehungsweise Gerichtspraxis gegeben, die so viele Verbrechen dieser Art umfassen würde“, so Kartschewski. Außerdem lebten die Augenzeugen in ganz verschiedenen Regionen und sogar Ländern – „vom Gebiet Kaliningrad bis zu Neuseeland. Sie mussten aus Deutschland, den USA und anderen Ländern nach Russland reisen, um Aussagen zu tätigen.“

    Die Untersuchungsrichter haben kolossale Arbeit geleistet, mehr als 300 Expertisen durchgeführt und – was besonders schwierig war – Indizien für Verbrechen wiederhergestellt, die noch in den 1990er-Jahren begangen worden waren. Unter anderem wurden 20 Gräber, sterbliche Überreste der Opfer, ihre persönlichen Sachen, Mordwaffen (Beile, Schraubenzieher, Messer) entdeckt.

    Mordlust

    Die psychiatrische Untersuchung des Serienmörders ergab, dass er zurechnungsfähig und sich völlig im Klaren war, was er tat.

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    „Wenn man Popkows schreckliche Taten ‚übersieht‘, kann man sagen, dass er ein gut ausgebildeter, aufgeschlossener und überhaupt vielseitiger Mann ist“, erzählte Kartschewski weiter. Zudem sei er „ein vorbildlicher Familienvater“ gewesen, „der seine Tochter sehr liebte“. Allerdings habe Popkow Probleme mit seiner Frau gehabt, die einmal fremdgegangen sein soll. „Um die Familie zu retten, hat er seiner Frau den Seitensprung verziehen, wurde aber nachtragend bei Frauen“, ergänzte der Untersuchungsrichter.

    „Im Grunde hatte Popkow nur ein Motiv: Frauenhass. Außerdem wurde bei ihm ein Tötungstrieb entdeckt – ein zwanghafter Drang, Menschen zu töten. Diese Krankheit hat jedoch keinen Einfluss auf den psychophysiologischen Zustand des Täters“, so Kartschewski weiter.

    Das Irkutsker Gericht hat Popkow erneut schuldig gesprochen – wegen 59 Morden und eines Mordversuchs. Allerdings spielt das für ihn keine große Rolle: Er wird ohnehin sein ganzes Leben lang hinter Gittern verbringen.

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    Tags:
    Ermittlung, Polizei, Psychopath, Leiche, Opfer, Serienmörder, Russland