19:57 21 Januar 2019
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    Schüler, Deutschland (Archiv)

    Berliner Waldorfschule lehnt Kind eines AfD-Abgeordneten ab

    © AFP 2018 / JOHN MACDOUGALL
    Gesellschaft
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    Armin Siebert
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    Eine Berliner Waldorfschule lehnt die Aufnahme des Kindes eines AfD-Abgeordneten ab. Das Kind besucht bereits den Kindergarten der Waldorfschule. Trotzdem haben Eltern und Lehrer die Einschulung abgelehnt, weil sie eine ideologische Störung des Schulfriedens befürchten.

    Die „Berliner Zeitung“ berichtet, dass eine beliebte Berliner Waldorfschule beschlossen hat, das Kind eines AfD-Abgeordneten nicht zur Einschulung zuzulassen. Auf einer Elternversammlung hatten Eltern und Lehrer der Schule über diesen Fall diskutiert. Da es zu keiner Einigung kam und starke Bedenken sowohl von Eltern als auch von Lehrern geäußert wurden, hat sich der Trägerverein der Schule entschlossen, die Einschulung des Kindes abzulehnen.

    Der Geschäftsführer des Trägervereins begründete die Entscheidung: „Angesichts dieses Konfliktes sieht die Schule keine Möglichkeit, das Kind mit der nötigen Unvoreingenommenheit und Unbefangenheit aufzunehmen – beides sind Grundvoraussetzungen, um die Entwicklung des Kindes angemessen zu fördern.“

    Bei Waldorfschulen handelt es sich um staatlich anerkannte Privatschulen. Im Gegensatz zu staatlichen Schulen, die bei freien Plätzen verpflichtet sind, jedes Kind aufzunehmen, können Privatschulen dies selbst entscheiden. Allerdings gibt es in Berlin eine sogenannte Privatschulaufsicht, die wohl auch gerade diesen Fall noch einmal prüft. So soll festgestellt werden, ob die Ablehnung des Kindes gegen das Antidiskriminierungsgesetz verstoße. Inwieweit diese Kommission den Entscheidungsprozess revidieren kann, ist bisher unklar.

    Diskriminierung an privaten Schulen?

    Der Fall dieser Waldorfschule schlägt in Berlin gerade hohe Wellen, und es ist eine Diskussion darüber entbrannt, inwiefern man Kinder in Sippenhaft nehmen darf für die politische Tätigkeit ihrer Eltern. So bezeichnete die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) die Entscheidung der Waldorfschule gegenüber der „Berliner Zeitung“ als „äußerst kritisch“.

    Auch der bildungspolitische Sprecher der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg, Detlef Hardorp, äußerte gegenüber der „Berliner Zeitung“: „Menschen aller politischen Einstellungen sollten ihre Kinder auf Waldorfschulen schicken können.“

    Der Vorsitzende der Vereinigung der Berliner Oberstudiendirektoren, Ralf Treptow, sagte dem „Tagesspiegel“: „Ich halte das für unglaublich (…). Offensichtliche Diskriminierung darf es weder an staatlichen noch an privaten Schulen geben.“

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    Ausländerfeindliche oder nationalistische Positionen (eines Kindes)?

    Die Diskussion über diesen Fall wird, laut „Berliner Zeitung“, bereits seit Wochen an der Schule geführt. Bereits im November gab es eine Befragung des AfD-Abgeordneten und seiner Frau durch die zwanzig Lehrer der Waldorfschule.

    Der AfD-Abgeordnete hatte dort betont, sich nicht in die Belange der Schule einmischen zu wollen. Er würde Politisches und Privates strikt trennen und findet einfach diese Schule und die Waldorf-Pädagogik gut. Eltern und Lehrer haben jedoch auch nach der Lehrerbefragung und der Elternversammlung Sorge geäußert, „dass der AfD-Politiker zumindest subtil Einfluss nehmen und durch ausländerfeindliche oder nationalistische Positionen womöglich gar den Schulfrieden gefährden könnte“, so die „Berliner Zeitung“.

    Wie erklär ich’s meinem Kind?

    Ungewöhnlich ist der Fall schon deshalb, weil das betroffene Kind bereits die Kita der Waldorfschule besucht hat. Normalerweise ist von dort der Übergang zur Schule fließend. Nun müssen die betroffenen Eltern sich einen anderen Schulplatz für ihr Kind suchen. Der AfD-Vater sagte der „Berliner Zeitung“:

    „Wie sollen wir jetzt unserem Kind erklären, dass seine Freunde im kommenden Jahr an die Waldorfschule wechseln dürfen, wir aber dort nicht erwünscht sind?“

    Die Identität des Berliner AfD-Abgeordneten ist bislang nicht bekannt.

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    Tags:
    Ideologie, Diskriminierung, Konflikt, Ablehnung, Schule, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Deutschland