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06:37 19 Oktober 2019
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    Polizei, Frankfurt (Archiv)

    „NSU 2.0“ in der Frankfurter Polizei? – Drohungen gegen Anwältin von Sami A.

    © AFP 2019 / Boris Roessler / dpa
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    Durch Drohungen gegen die Anwältin sowohl von NSU-Opfern als auch von Sami A. soll ein mutmaßlich rechtsextremes Netzwerk innerhalb der Frankfurter Polizei aufgeflogen sein. Nun soll Medienberichten zufolge das LKA Ermittlungen gegen fünf Beamte eingeleitet haben.

    Im Fall des mutmaßlich rechtsextremen Netzwerks innerhalb der Frankfurter Polizei soll das hessische Landeskriminalamt (LKA) die Ermittlungen übernommen haben, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ). Eine Arbeitsgruppe sei einberufen worden, um die Vorwürfe aufzuklären. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ wurde am Samstag öffentlich, dass ein Drohschreiben an die Anwältin Seda Basay-Yildiz der Anlass für Ermittlungen wurde.

    Erst dadurch seien die Ermittler überhaupt auf das Netzwerk ihrer Kollegen aufmerksam geworden. Als Strafverteidigerin vertrat Basay-Yildiz nicht nur eine der Opfer-Familien im NSU-Prozess, sondern auch den mutmaßlichen Ex-Leibwächter von Osama bin Laden, Sami A., als auch den Terrorverdächtigen Haykel S. Aus diesem Grund sei sie auch in der Vergangenheit bereits bedroht worden.

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    Drohung: „Als Vergeltung schlachten wir deine Tochter“

    Erst nachdem der Fall in der Presse publik geworden sei, habe sie erfahren, dass die Spur in die Polizei selbst hineinführe, sagte Basay-Yildiz im Gespräch mit der „FAZ“: „Ich hätte mir gewünscht, dass die Polizei mich vorher darüber informiert hätte.“ Mehrmals hätte die Rechtsanwältin seit August, als der Drohbrief per Fax bei ihr eingegangen sei, bei der Polizei nachgefragt, ob es neue Erkenntnisse gebe. Die Behörden hätten ihr aber keine umfassende Auskunft gegeben. Es sei ihr vordergründig darum gegangen, eine Einschätzung zu bekommen, ob ihre Familie geschützt werden müsse, betonte sie gegenüber der „FAZ“.

    Die Drohung habe der „Frankfurter Neuen Presse“ (FNP) zufolge sich „ausdrücklich“ auch gegen ihre Tochter gerichtet: „Miese Türkensau! Du machst Deutschland nicht fertig. Verpiss dich lieber, solange du hier noch lebend rauskommst, du Schwein! Als Vergeltung schlachten wir deine Tochter“, hieß es in einem Drohschreiben, welches die Anwältin eigenen Angaben zufolge am 2. August erhalten hätte. Das Fax-Schreiben soll mit „NSU 2.0“ unterzeichnet gewesen sei.

    Gegenüber Sputnik wollte sich die Anwältin nicht zu den Drohungen äußern: „Ich weiß nicht, was für verrückte Menschen da draußen herumlaufen“, schrieb Basay-Yildiz auf Anfrage der Redaktion.

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    Rechtsextremes Netzwerk in der Polizei?

    Ohne es zu ahnen, habe Basay-Yildiz einen Polizei-Skandal ins Rollen gebracht, dessen Ausmaß und Ende noch gar nicht abzusehen sei, schreibt die „FNP“. Die fünf Beamten des ersten Polizeireviers in Frankfurt, gegen die wegen des „Herumschickens von Hitler-Bildern und Hakenkreuzen“ ermittelt werde, könnten auch hinter dem Drohschreiben an Basay-Yildiz stecken. Doch dies sei bislang nur ein Verdacht. Die Ermittlungen würden laufen, die Staatsanwaltschaft halte sich bedeckt. Zumindest eines sei jetzt schon klar, betont die „FNP“: „Nur durch die Strafanzeige von Basay-Yildiz ist die Nazi-Chatgruppe der Polizisten aufgeflogen.“

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    Tags:
    Ermittlung, Skandal, Rechtsextremismus, Nationalsozialismus (Nazismus), Polizei, Deutschland