01:44 26 April 2019
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    Das Amtsgericht und Landgericht in Berlin (Symbolbild)

    Anklage gegen mutmaßlichen KZ-Wachmann abgelehnt – Landgericht Berlin

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    Die Anklage gegen einen mutmaßlichen KZ-Wächter ist abgelehnt worden, berichtete das Landgericht Berlin am Freitag in einer Pressemitteilung. Die Staatsanwaltschaft Berlin beschuldigte den 95-Jährigen, zwischen 1944 und 1945 in etwa 36.000 Mordfällen im Konzentrationslager Mauthausen Beihilfe geleistet zu haben.

    Gegen den 95-Jährigen Berliner bestehe kein hinreichender Tatverdacht wegen der Beihilfe zum tausendfachen Mord, begründete das Landgericht seinen Beschluss. Es seien keine belegbaren Tatsachen dargelegt worden oder sonst ersichtlich, die eine Verurteilung des Angeschuldigten wahrscheinlich machten. Die Eröffnung des Hauptverfahrens sei daher aus tatsächlichen Gründen abzulehnen gewesen.

    Die Staatsanwaltschaft Berlin hatte im Oktober dem Angeschuldigten vorgeworfen, zwischen dem 29. August 1944 und dem 5. Mai 1945 in mindestens 36.223 tateinheitlich zusammentreffenden Fällen Beihilfe zum grausamen und heimtückischen Mord an damaligen Inhaftierten des Konzentrationslagers Mauthausen (Österreich) geleistet zu haben, heißt es in der Mitteilung. Als Angehöriger einer Kompanie des SS-Totenkopfsturmbanns des KZ Mauthausen sei er Teil der Wachmannschaft des Konzentrationslagers gewesen. Von den willkürlichen Tötungen und den katastrophalen Lebensumständen habe der Angeschuldigte gewusst und sie mit seiner Wachdiensttätigkeit fördern oder zumindest erleichtern wollen, so das Landgericht.

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    Außerdem wird darauf verwiesen, dass der Beschluss noch nicht rechtskräftig sei und die Staatsanwaltschaft bereits sofortige Beschwerde eingelegt habe, über die jetzt das Kammergericht entscheiden solle.

    Das Konzentrationslager Mauthausen wurde 1938 unmittelbar nach Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland auf der Grundlage von Granitsteinbrüchen errichtet. Es wurde zum Zentrum eines breiteren KZ-Systems, bekannt als Mauthausen-Gusen, das 49 Niederlassungen im ganzen Land zählte.

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    Anfang Mai 1945 wurde das Lager vom US-Militär befreit. Nach Angaben der derzeitigen KZ-Gedenkstätte Mauthausen starben dort zwischen 1938 und 1945 rund 90.000 Menschen aus 70 Ländern. Bis heute sind die Namen von mehr als 81.000 Toten bekannt, von denen 15.633 Bürger der UdSSR waren. Die meisten von den in Mauthausen Ermordeten waren polnische Bürger.

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    Tags:
    Waffen-SS-Division, US-Militär, KZ, Nazi-Deutschland, Staatsanwaltschaft, SS, UdSSR, Polen, Österreich, Berlin