14:14 22 Januar 2019
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    „Spiegel“, Hitler-Tagebücher und Sharon-Stone-Interviews: Die größten „Fake News“

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    Gesellschaft
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    Alexander Boos
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    Der kürzlich aufgeflogene ex-„Fake-News“-Reporter des Magazins „Der Spiegel“ war nicht der einzige „Lügen-Skandal“ der Journalismus-Geschichte. Berühmt sind die angeblichen Tagebücher von Adolf Hitler, eine „doppelte Prinzessin Diana“ und noch mehr. Sputnik gibt eine kleine Übersicht an erfundenen Storys in deutschen und internationalen Medien.

    Der Journalist Claas Relotius hat laut dem Magazin „Spiegel“ Geschichten erfunden, die im Hamburger Blatt prominent erschienen sind. Bis er aufflog. Doch diese Affäre ist nur der traurige Höhepunkt einer langen Historie von „Fake-News“-Skandalen in den Medien. Viele Leserinnen und Leser werden sich sicherlich noch an die angeblichen „Hitler-Tagebücher“ erinnern …

    >>>Andere Sputnik-Artikel: „Kein Kommentar“: Wie Sputnik Stellungnahme zum „Spiegel-Skandal“ verwehrt bleibt<<<

    „Stern“ gefoppt: „Geschichte muss umgeschrieben werden“

    Damals, 1983, ging es um die vom Nachrichtenmagazin „Stern“ veröffentlichten Fälschungen, die von Konrad Kujau erstellt wurden. Der Stuttgarter Maler, Auktionskünstler und Kunstfälscher erstellte einfach dreist Tagebücher und behauptete, sie stammten von Adolf Hitler, dem Diktator des Dritten Reichs. Trotz Bedenken veröffentlichte das Magazin am 28. April 1983 Teile aus den gefälschten Tagebüchern.

    Die Geschichte des Dritten Reiches muss teilweise umgeschrieben werden“, schrieb dazu im Editorial der damalige Chefredakteur Peter Koch.

    Nach nur zwölf Tagen war „der Spuk vorbei“, blickte der „NDR“ in einem Beitrag von 2017 auf den Skandal zurück. „Bundesarchiv und Bundeskriminalamt kommen mithilfe chemischer Analysen und historischer Recherche übereinstimmend zu dem Ergebnis: Die Tagebücher sind eine Fälschung – und zudem eine recht plumpe.“ Der Image-Schaden für das „vormalige Renommier-Blatt“ sei enorm gewesen. Die Auflage brach ein, die Glaubwürdigkeit sank.

    Bruce Willis, Sharon Stone, Brad Pitt: Erfunden Hollywood-Interviews

    Der Schweizer Journalist Tom Kummer wurde im Jahr 2000 enttarnt. Darüber berichtete jüngst der Zürcher „Tages-Anzeiger“.

    „Der Berner Journalist (…) ist in der deutschsprachigen Publizistik der Großmeister der manipulierten Interviews“, so die Schweizer Zeitung über den Reporter, der unter anderem für den „Rolling Stone“ und die „New York Times“ schrieb. Als freier Autor erfand er „Interviews mit Hollywoodprominenten.“ Darunter Bruce Willis, Sharon Stone, Brad Pitt, Courtney Love oder auch Kim Basinger.

    Bemerkenswert am „Fall Kummer“ seien mehrere Punkte: „Zum Beispiel die Tatsache, dass der Journalist nach seiner Enttarnung keinerlei Reue zeigte, sondern sein Vorgehen zu einer eigenen journalistischen Gattung (Bordeliner-Journalismus, Faction) adelte und zu einem subversiven Akt gegenüber den allmächtigen Medien stilisierte.“ Daran halte er bis heute fest.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Sanktionen gegen Fake-News: Will Merkel AfD bestrafen?<<<

    Die „doppelte Diana”: Wie eine Schauspielerin die Prinzessin mimte

    1996 trat angeblich Diana, die britische Prinzessin von Wales, (* 1961 – † 1997) vor die Kameras englischer Medienvertreter. Das Boulevardblatt „The Sun“ veröffentlichte Standbilder vom Video. Problem nur: Nicht Prinzessin Di selbst, sondern die ihr täuschend ähnlich sehende Schauspielerin Nickey Lilley war es, die die Royale nur verkörperte. In seiner Ausgabe vom 9. Oktober 1996 entschuldigte sich das Blatt für die Falschmeldung. Die „Sun“-Redaktion sei „an der Nase herumgeführt“ worden. Der „Daily Mirror“ berichtete darüber: Mit einer riesengroßen „Fake“-Überschrift.

    US-Journalist Jayson Blair: Gelogene „Reportagen“ aus dem Irak-Krieg

    Der bereits zitierte „Tages-Anzeiger“ nannte den Fall des US-Reporters Jayson Blair, dessen bewusste Lügen 2003 der Öffentlichkeit bekannt wurden.

    „Was der ‚Spiegel‘ am Mittwoch im Fall Relotius getan hat, (…) dazu war am 11. Mai 2003 auch die ‚New York Times‘ gezwungen. (…) Während des Irakkriegs (der im März 2003 begann – Anm. d. Red.) gab Blair vor, unermüdlich in den USA herumzureisen, um Kriegsverletzte, zurückgebliebene Ehefrauen, um ihre gefallenen Söhne trauernde Eltern zu porträtieren und zu interviewen. In Wirklichkeit blieb er immer in New York.“

    Nach seiner Enttarnung „versank Blair zunächst in Depressionen; er musste sich in Suchtkliniken behandeln lassen“. Später beschrieb er seine Sicht der Dinge in einem Buch und gründete eine Hilfsgruppe für Personen mit bipolarer Störung, einer psychischen Krankheit, unter der der US-Reporter angeblich selbst leide.

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    Tags:
    Fake-News, Nazi-Deutschland, Magazin "Stern", Brad Pitt, Sharon Stone, Bruce Willis, Adolf Hitler, Hollywood, Deutschland