23:14 21 November 2019
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    Demo gegen Rassismus in Charlottesville, USA (Archiv)

    Quoten statt Qualifikation und die zerstörte Kultur – Diversitätswahn (Teil 2)

    © AP Photo / Steve Helber
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    Was als Rassismus und Sexismus an Universitäten in den USA erlebt wird, ist in Wirklichkeit einfach nur die Tatsache, dass Menschen zugelassen werden, die nicht ausreichend vorbereitet sind, findet die Buchautorin Heather Mac Donald in ihrem neuen Buch. Sputnik hat mit ihr gesprochen.

    Viele Studenten in den USA sind überzeugt, dass sie sich an der Universität in einem höchst rassistischen und sexistischen Umfeld bewegen. Ihre Kommilitonen sind voller unbewusster Vorurteile, greifen ständig die Minderheiten mit Mikroaggressionen an, die ihnen oftmals nicht bewusst sind und können – falls männlich – sich jederzeit in Vergewaltiger verwandeln. Ein gigantischer Bürokratieapparat kümmert sich um Studenten, die sich angegriffen fühlen und gibt ihnen immer neue Anhaltspunkte für das Gefühl des Angegriffenseins an die Hand, in Seminaren und speziellen Workshops. So schildert Heather Mac Donald die Lage in ihrem Buch „Diversity Delusion“ (Diversitätswahn). Aus Sicht der Autorin wird hier aber eigentlich ein ganz anderes Problem überdeckt und als Rassismus und Sexismus bezeichnet.

    Unterqualifizierte Diverse sollen Quoten erfüllen

    Aus Politik und aus nationalen Einrichtungen, die die Gelder für wissenschaftliche Arbeit verteilen, wird immer wieder die Forderung nach mehr Diversität laut. Eine Forderung, der die Universitäten bei aller Bemühung nur schwer nachkommen. Aus Mac Donalds Sicht, die auch US-amerikanische Naturwissenschaftler aus Kalifornien bestätigen, liegt das einfach daran, dass sich zu wenige qualifizierte Forscher aus diesen Gruppen bewerben und zu wenige Studenten die Zulassungsvoraussetzungen erfüllen.

    Bei Studenten und auch Doktoranden wurde das Problem einfach gelöst. Der Wert bei den Unterrepräsentierten wurde einfach drastisch gesenkt, mit der Begründung, dass es Qualitäten gebe, die solche Tests nicht messen könnten. Dazu können solche Bewerber im Rahmen eines Tests ankreuzen, wenn sie zu einer Minderheit gehören, eine Frau sind, eine andere sexuelle Orientierung oder psychische Probleme haben. Das wird angerechnet, will heißen, sie werden bei geringerer Qualifikation bevorzugt. Weit besser qualifizierte Bewerber werden, wenn sie männlich und weiß oder asiatisch sind, aussortiert. Das soll einer diversen Universität dienen, zerstört diese Institution aber aus Sicht Mac Donalds.

    Fallende Leistung und steigende Abbrecherzahlen

    Zum einen werde durch die Wahl unterqualifizierter Menschen das Leistungsprinzip ausgehebelt, das zumindest in den Naturwissenschaften die Grundlage jeder Konkurrenzfähigkeit auf internationaler Ebene und die Messlatte von wissenschaftlichem Fortschritt auch außerhalb internationaler Vergleiche ist. Zum anderen tut niemand den Studenten einen Gefallen damit: „Sie haben in der Hochschule dann stark zu kämpfen“, betont Mac Donald im Sputnik-Interview. „Sie sind nicht imstande, sich zu behaupten, was nicht verwunderlich ist, weil sie künstlich in ein akademisches Umfeld katapultiert wurden, für das sie nicht vorbereitet sind.“

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    Die Folgen sind eine hohe Abbrecherquote und Proteste gegen einen allgegenwärtigen Rassismus und Sexismus. „Studenten können dann zwei Sachen aus ihrem Kampf schließen“, erklärt Mac Donald. „1: Ich bin in einer Schule, auf die ich nicht vorbereitet bin. 2: Ich befinde mich in einer rassistischen Umgebung, und deshalb fühle ich mich unwohl und habe zu kämpfen, und ich leide unter Mikroaggressionen, die auf mich gerichtet sind.“ Die zweite Deutung werde von den Studenten bevorzugt, weil sie sich nicht gegen die Leute richten wollen, die ihnen versuchen, in die Hochschulen zu helfen, und weil sie außerdem die ganze Zeit diese Deutung an den Hochschulen vermittelt bekommen. Davon profitiere und wachse auch der Bürokratie-Apparat, der immer größer wird, gut bezahlte Arbeitsstellen bietet und gegen Angriffe durch den im Grunde guten Zweck sicher geschützt ist.

    Grundpfeiler westlicher Kultur? Nein, danke!

    Ein weiteres Phänomen sei die Ablehnung der gesamten westlicher Kultur mit der Begründung, diese sei von weißen heterosexuellen Männern geschafft worden und darum von vornherein sexistisch und rassistisch gefärbt. Dieses Urteil stehe oft vor jeder Lektüre und führe dazu, dass viele klassische Autoren abgelehnt werden, auf deren Werke die westliche Zivilisation sich beruft. Was auf diese Weise befördert würde, sei eine „Lizenz zur Unwissenheit“, findet die Buchautorin. „Der Campus heute lehrt die Studenten zu hassen, einander zu hassen und die größten Werke der westlichen Zivilisation zu hassen. Und das ist ein Gift, das die Kultur als Ganze angreift.“

    Während viel Studenten stattdessen lieber Kurse aufsuchten, wo es um ihre Identitäten geht: Identitäten von Schwarzen, Homosexuellen, Feministen oder Transsexuellen – werde die Reaktion vonseiten weißer Männer verdammt, wenn sie sich eine eigene Identität aufbauen wollen, um den Kursen über „weiße Privilegien“ oder „toxische weiße Männlichkeit“ etwas entgegensetzen zu können, teilt Mac Donald mit.

    „In jenen Kursen werden Weiße als eine Gruppe definiert, über die man Verallgemeinerungen anstellen kann und die eine verachtenswerte Gruppe obendrein sind. Es wäre von daher doch vorherzusehen, dass ein paar Leute sagen werden: Gut, dann werden wir über europäische oder anglo-amerikanische Kultur reden. Wenn ihr uns so definiert, dann machen wir das auch“, bemerkt die Autorin.

    Eine Kultur des Lernens und ein Blick nach Europa

    Die Lösung aus Sicht der Autorin ist nicht, Diversität künstlich herstellen zu wollen und dafür die Anforderungen für Minderheiten zu senken, sondern dort anzufangen, wo der Grund für die Bildung gelegt wird: zuhause. „Ich würde keinen Cent für irgendwelche Anti-Vorurteils-Programme ausgeben. Wenn wir mehr ausgeben wollen, sollten wir Geld dafür ausgeben, diese Lücke zu schließen. Aber das ist nichts, glaube ich, was der Staat von außen lösen kann, das muss aus den Kulturen selbst kommen, die akademisch noch so hinterherhinken.“

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    Dabei könnten auch etwa Asiaten als Minderheit durch ihre „besondere Leistungskultur“ als Vorbilder dienen, die ihren weißen Kommilitonen in den Hochschulen oft voraus sind. Derzeit gebe es schlichtweg zu wenig qualifizierte schwarze Schulabgänger. „Das muss sich zuhause ändern, mit einer Kultur, die Lernen wertschätzt, bei der die Eltern aufmerksam die Hausaufgaben des Kinds im Blick haben und, ob dieses überhaupt die Schule aufsucht, ob es genug für Prüfungen lernt.“ Mac Donald formuliert ein Gedankenexperiment: „Wenn Schwarze sich zehn Jahre lang wie Asiaten verhalten würden, und wir würden immer noch Unterschiede sehen, dann würde ich ernsthaft die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass die Ursache für diese Unterschiede Rassismus ist.“

    Eine weitere Lösung könnte eine Annäherung des US-amerikanischen an das europäische System sein. In den USA ist ein Großteil der Bildung, die in Deutschland in der Oberstufe eines Gymnasiums vermittelt wird, erst in der Universität zugänglich und der Universitätsbesuch mit hohen Schulden verbunden. Im Klartext: Gut bezahlte Jobs stehen den US-Amerikanern eher mit Hochschulabschluss offen, und wehe, du brichst hochverschuldet ab.

    „Ich respektiere und bewundere das europäische System, ich glaube, dass die Amerikaner Bildung generell verwässert haben“, bemerkt Mac Donald dazu. „Wir sind nicht bereit, hohe Standards zu haben, in dem Fall, dass jemand dabei ausgeschlossen werden könnte. Das Resultat ist, dass wir extrem unwissende Menschen werden. Wir wissen nichts über Geschichte, wir wissen nichts über Literatur, und es ist nicht der Fall, dass das in der Universität ausgeglichen wird. Das Studium ist sehr willkürlich, die Studenten können ganz nach Belieben ihre Kurse wählen, es gibt keinen Versuch, den Studenten systematisch darzustellen, wie sich die westliche Zivilisation entwickelt hat. Und wir haben auch einfach zu viele Menschen, die Universitäten besuchen.“

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    Tags:
    Diskriminierung, Rassismus, Toleranz, Minderheit, Quoten, Arbeit, Vergewaltigung, USA