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10:49 18 Juli 2019
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    Viktor Orban beim EU-Gipfel in Brüssel (Symbolbild)

    So verteidigen die Ungarn ihre kulturelle Identität in der Westukraine

    © Sputnik / Alexej Witwizki
    Gesellschaft
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    Die Stadt Berehowe in der Westukraine ist zur Hälfte von Ungarn besiedelt, die ihre kulturelle Identität bewahren. Nun ist diese Stadt zum Gegenstand einer diplomatischen Krise geworden, die die EU-Position zu den antirussischen Sanktionen in Frage stellen und einen neuen Grenzstreit für die Ukraine schaffen könnte, berichtet The Daily Telegraph.

    Als Viktor Orbán 2010 wieder zum Ministerpräsidenten Ungarns wurde, erleichterte er den Zugang zur Staatsbürgerschaft für die im Ausland lebenden ethnischen Ungarn. The Daily Telegraph verweist auf die großzügigen Geldflüsse in kulturelle und soziale Programme als Teil seiner Diasporapolitik. Berehowe, wo über dem Rathaus immer noch zwei Nationalflaggen hängen — die ukrainische und die ungarische, soll dadurch viel profitiert haben. 

    „Mit Geldern aus Budapest wurden das hier ansässige ungarische Institut renoviert, einige Schulen und Kindergärten erhielten Subventionen für ihre Einkäufe. Darüber hinaus zahlten die ungarischen Behörden den örtlichen Lehrern Zulagen“, heißt es im Artikel.

    Der ungarische Konsul soll begonnen haben, „unauffällig“ Pässe an Menschen zu verteilen, die einen anspruchslosen Sprachtest bestanden hätten, so die Zeitung. Die Beziehungen zwischen Ungarn und der Ukraine hätten sich schwer verschärft, als Kiew 2017 das Gesetz zur ukrainischen Sprache verabschiedet hätte. Dieses verbietet jede andere Unterrichtssprache außer der ukrainischen ab der fünften Klasse.

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    Ungarn hätte dies als Angriff auf seine Minderheiten bezeichnet.

    Wie der Daily Telegraph weiter berichtet, hat dann eine Gruppe ukrainischer Nationalisten die ungarische Flagge vom Rathaus entfernt und das ungarische Kulturzentrum würde in einer nahe gelegenen Stadt bombardiert. Im Oktober habe die Ukraine den ungarischen Konsul einbestellt, als ein Video aufgetaucht sei, in dem er Pässe an Einwohner verteilen solle und sie warne, dass sie ihre neue Staatsbürgerschaft vor den ukrainischen Behörden geheim halten müssten.

    Ungarn habe daraufhin einen ukrainischen Diplomaten einbestellt und Kiew vorgeworfen, eine „extreme Kampagne zu betreiben, die Hass gegen die transkarpatischen Ungarn auslöst“. Das Land soll der Ukraine gedroht haben, deren Integration in die EU sowie die Nato zu verhindern.

    Quellen in diplomatischen Kreisen Europas teilten der Zeitung mit, dass Ungarn gegen jede Initiative in der Europäischen Union abstimme, die der Ukraine helfen solle. Einige fingen an, "über Orbans Beziehungen zu Moskau nachzudenken", schreibt die Zeitung.

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    Laut dem Autor des Artikels hat Orban  keinen tatsächlichen territorialen Anspruch auf Transkarpatien erhoben. Dies seien keine Expansionswünsche, sondern eine pragmatische politischen Kalkulation, da die Mehrheit der Ungarn im Ausland für seine Partei stimme, so der Artikel. Insgesamt zählen zur ungarischen Diaspora mehr als zwei Millionen Menschen in Rumänien, Serbien, der Slowakei, Österreich, Kroatien und Slowenien, darunter auch 150.000 Einwohner der Ukraine.

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    Tags:
    Sprachenstreit, gutnachbarliche Beziehungen, Minderheiten, Staatsangehörigkeit, Pässe, Beziehungen, Sprache, Expansion, Viktor Orbán, EU, Transkarpatien, Slowenien, Kroatien, Rumänien, Ungarn, Österreich, Serbien, Russland, Ukraine