08:01 22 Januar 2019
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    Ein deutscher Fussballfan nach der Niederlage der Nationalmannschaft beim WM-Spiel in Kasan (Archivbild)

    „Alarmierend“: Studie zeigt die größten Ängste der Deutschen

    © Sputnik / Maxim Bogodwid
    Gesellschaft
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    Paul Linke
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    Die Angst vor Altersarmut hat in Deutschland massiv zugenommen. Das zeigt eine Studie von „Ernst & Young“. Doch das wird von anderen Sorgen weiterhin deutlich übertroffen.

    Unter den Bundesbürgern ist die Furcht vor Altersarmut deutlich gestiegen. Mehr als jeder Zweite (56 Prozent) macht sich derzeit wegen einer mangelnden Absicherung im Alter große oder leichte Sorgen. Das sind insgesamt 18 Prozentpunkte mehr als noch im Jahr 2017. Kein anderes Thema hat für die Deutschen so sehr an Bedeutung gewonnen. Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft „Ernst & Young“ (EY), die Sputnik vorliegt. Basis der Studie war eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Verbrauchern in der Bundesrepublik.

    Immer noch deutlich größer ist die Furcht vor Umweltverschmutzung (70 Prozent), vor Krankheiten (67 Prozent) und einer Flüchtlingskrise in Europa (59 Prozent). Dabei hat die Angst vor einer Flüchtlingskrise um 14 Prozent und die Angst vor den Folgen einer Umweltverschmutzung um zwei Prozent abgenommen. Die Altersarmut im Hinblick auf die eigene finanzielle Situation habe zum zweiten Mal hintereinander die stärkste Zuwachsrate, bemerken die Autoren der Studie.

    Alarmierende Situation

    Zudem schätzen Rentner ihre finanzielle Situation im Vergleich zu den jüngeren Generationen deutlich negativer ein. Nur jeder dritte Verbraucher über 65 ist mit seiner finanziellen Situation zufrieden. Und nur sechs Prozent gehen davon aus, dass sich ihre Situation 2019 verbessern wird. Das seien die mit Abstand niedrigsten Werte unter allen Befragten. „Die Senioren scheinen von der guten konjunkturellen Entwicklung der letzten Jahre kaum profitiert zu haben“, so die Einschätzung der Autoren. Sie seien deutlich weniger zufrieden mit ihrer finanziellen Lage als der Durchschnitt der Bevölkerung.

    Bernhard Lorentz, Leiter des Bereichs Government and Public Sector bei EY, erklärt: „Die Rente ist aus Sicht vieler Deutscher keineswegs mehr sicher, über die Hälfte der Bürger fürchten, im Alter finanziell deutlich kürzer treten zu müssen. Das ist angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft alarmierend und sollte ernst genommen werden – gerade weil die aktuelle Niedrigzinsphase den Aufbau von Vermögen und eine ausreichende private Altersvorsorge enorm erschwert.“

    „Wachstum ist endlich“

    Zwar habe sich die deutsche Wirtschaft in den vergangenen Jahren ausgesprochen positiv entwickelt und wurde zum Zugpferd Europas, „allerdings spüren die Verbraucher: Wachstum ist endlich. Die Konjunktur verliert an Fahrt, zunehmende politische und wirtschaftliche Risiken bedrohen den Aufschwung, der freie Handel, auf dem die Wirtschaftsstärke Deutschlands teilweise beruht, ist keine Selbstverständlichkeit mehr“, kommentiert Thomas Harms, Leiter des Bereichs Consumer Products & Retail bei EY, die Zahlen. Hinzu kämen teils deutliche Preissteigerungen, so Harms: „2018 spürten die Konsumenten eine unerwartet hohe Inflation. Öl und Benzin, aber auch einige Lebensmittel waren teils deutlich teurer als vor einem Jahr. Da blieb bei einigen Bürgern trotz Lohnsteigerungen am Ende weniger Geld im Portemonnaie übrig als vor einem Jahr.“

    „Weg in die Altersarmut vorprogrammiert“

    Die enorm gestiegene Angst der Deutschen, im Alter zu verarmen, sei mehr als begründet, teilt der „Paritätische Gesamtverband“ in einer Pressemitteilung mit und verweist dabei auf seinen aktuellen Armutsbericht. Nach dem Paritätischen Armutsbericht seien ein Viertel der erwachsenen Armen in Deutschland in Rente oder Pension. Damit stellen Rentner und Pensionäre derzeit hinter den Erwerbstätigen die zweitgrößte Gruppe in dieser Population. Nach Einschätzung des Paritätischen Gesamtverbands werde die Altersarmut geradezu zwangsläufig weiter zunehmen, wenn nicht umgehend politisch gegengesteuert wird.

    „In den nächsten Jahren werden viele Langzeitarbeitslose und Menschen aus dem Niedriglohnsektor ins Rentenalter kommen. Für viele von ihnen ist der Weg in die Altersarmut vorprogrammiert“, warnt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

    Um Altersarmut wirksam zu bekämpfen, fordert der Verband ein umfassendes Maßnahmenpaket: Von einer Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent bis zur Erhöhung der Regelsätze in der Altersgrundsicherung von 424 Euro auf 628 Euro.

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    Tags:
    Parität, Deutsche, Ängste, Altersarmut, Studie, Wachstum, Bericht, Flüchtlingskrise, Wirtschaft, Armut, Umwelt, Rente, Ernst & Young (EY), Deutschland