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    Von wegen Russen: Wie konnte ein „Junge“ den Riesenhack schaffen?

    © Sputnik / Wladimir Trefilow
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    Letzte Woche sind etliche deutsche Politiker bzw. Prominente Opfer eines Datendiebstahls geworden. Wie die deutsche Polizei berichtete, wurde ein Tatverdächtiger aus Hessen, der von diversen Medien bei seinem Alter von 20 Jahren als „Junge“ bezeichnet wird, festgenommen. Sputnik International sprach mit Cybersicherheitsexpert Pierluigi Paganini.

    Was wissen Sie über den Tatverdächtigen, der deutsche Polizeibeamte eine Zeit lang in Atem hielt?

    Pierluigi Paganini: Es handelt sich um einen 20-jährigen Hacker. Verwirrend ist die Tatsache, dass ein verärgerter junger Mann es geschafft hat, persönliche Daten von Hunderten deutschen Politikern zu klauen und ins Netz zu stellen. Zudem gab er zu, dass er sich zu dieser Tat entschloss, weil er von den Diskussionen der Politiker genervt war.

    Der junge Mann wurde zwar mittlerweile wieder freigelassen. Ihm werden aber mehrere Straftaten vorgeworfen – Spionage, Offenlegung von privaten Daten sowie die illegale Veröffentlichung solcher Daten. Was droht dem jungen Hacker nun?

    Pierluigi Paganini: Es sollte berücksichtigt werden, dass die Ermittlungen immer noch laufen. In dieser Etappe ist wichtig zu verstehen, wie dieser Hacker vorging und ob er im Alleingang handelte. Ein weiterer Aspekt ist seine Motivation. Wie der Leiter der Abteilung für Cybersicherheit in Deutschland und der Chef der Bundespolizei mitteilten, kann bislang nicht genau gesagt werden, ob seine Handlungen durch rechtsextreme Ansichten motiviert waren. Von dem Cyberangriff sind ja Vertreter aller Bundestagsparteien außer der AfD betroffen.

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    Wenn er eigenständig handelte und keine konkreten Motive hatte, wird die Klage revidiert, die Strafe wird nach deutschen Gesetzen nicht zu hart ausfallen, da der Hacker zu jung ist.

    Bundesinnenminister Horst Seehofer will nach eigener Auskunft potentielle Bedrohungen durch eine verstärkte Aufnahme von Cybersicherheitsexperten in die Polizei sowie durch die Schaffung einer Gruppe von IT-Spezialisten, die rund um die Uhr im Einsatz sind, bekämpfen und Frühwarnsysteme nutzen, um solchen Angriffen vorzubeugen. Reichen diese Maßnahmen aus, um Deutsche vor solchen Vorfällen zu schützen?

    Pierluigi Paganini: An dieser Stelle sollten einige Details präzisiert werden. Ich denke, dass Investitionen in die Cybersicherheit heutzutage eine große Bedeutung für den Schutz des Staates und seiner Bürger haben. Bedrohungslagen ändern sich schnell. Wichtig ist, dagegen gerüstet zu sein, sich gegen neue schwierige Bedrohungen wehren zu können. Leider gibt es keine absolute Sicherheit. Wir können das System der Cybersicherheit verbessern und begrüßen die Schritte, von denen die Bundesregierung spricht.

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    Mithilfe von Spezialgruppen können Regierungen böswillige Handlungen, anomale Schemata erkennen, die mit andauernden Angriffen verbunden sind, sowie notwendige Gegenmaßnahmen ergreifen. Allerdings sollten wir deutlich mehr machen. In diesem konkreten Fall handelt es sich nur um einen jungen Hacker, doch im Cyberraum gibt es sehr viele Böswillige und böswillige Bedrohungen – glauben Sie mir, diese Böswilligen können Einiges anrichten.

    Viele Experten bezeichnen die APT-Gruppen (Advanced Persistent Threat, zu Deutsch: „fortgeschrittene, andauernde Bedrohung“) als die gefährlichsten. Was sind das für Gruppen? Warum sollten sich Staaten vor ihren Angriffen schützen?

    Pierluigi Paganini: APT-Gruppen sind Hackergruppen, die sich mit der Entwicklung von nachhaltigen Bedrohungen im Netz befassen. Gewöhnlich gehören zu diesen Gruppen sehr erfahrene Hacker, in den meisten Fällen arbeiten sie für Regierungen. Diese Gruppen verfügen über hochqualifizierte Fachkräfte und sehr gute Finanzmittel – ihre finanziellen Ressourcen sind enorm. Zudem ist der Personalbestand dieser Gruppen ziemlich groß – dazu gehören üblicherweise viele Sicherheitsexperten, in vielen Fällen arbeiten sie für Regierungen und deren Geheimdienste. Diese Organisationen haben eine immense Power. Deswegen sind solche Vorfälle sehr gefährlich – Böswillige können diese Informationen beispielsweise für einen konkreten Phishing-Angriff bzw. das Sammeln von Daten über konkrete Regierungsmitglieder eines anderen Staates nutzen.

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    Tags:
    Daten, Junge, Politiker, Diebstahl, Hackerangriff, Deutschland