14:33 21 November 2019
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    Digitale Technologien (Symbolbild)

    Digitalisierung als Terra incognita

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    Gesellschaft
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    Es ist kein Geheimnis, dass die Digitalisierung alle gesellschaftlichen Bereiche durchdringt. Dies führt zu Veränderungen in der Wirtschaft und hat erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Menschen weltweit. Dieses Thema diskutierten deutsche und russische Experten auf dem Gaidar-Forum in Moskau.

    Das World Wide Web ist in unserem Alltag mittlerweile nahezu allgegenwärtig – und hat die Art und Weise unserer Kommunikationen grundlegend verändert. Aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung werden alle Tätigkeiten und Arbeitsschritte einem ständigen Wandel unterworfen.

    Welche Rechtsqualität hat ein Verkaufsautomat? Ist er ein Instrument, ein Softwareagent? Man kommuniziert nicht mehr mit Menschen, sondern mit einer Software. Wie kann die Gesellschaft sich vor dem Hintergrund der Digitalisierung entwickeln, wenn möglicherweise die soziale Bindefähigkeit verloren geht oder sich eben zumindest radikal verändert? Diese Fragen versuchten die Diskussionsteilnehmer zu klären.

    Heute müsse man auf neue Herausforderungen des Marktes reagieren, Ressourcen entwickeln und sich ständig anpassen, sagt der Psychologe und Internetforscher Gregori Asmolow. Er verwies auf „die alarmierenden Trends beim Einsatz moderner Technologien für die Manipulation von Menschen. Der Skandal von Facebook und Cambridge Analytica ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie die Datensammlung zu einer Manipulationstechnologie wird. Deshalb sollte man die neuen digitalen Realitäten nicht unterschätzen. “

    Probleme im Bereich der modernen Unterrichtstechnologien thematisierte Dr. Gregor Berghorn, Berater für Wissenschaftsfragen des Deutsch-Russischen Forums. Während die Digitalisierung die physische durch eine virtuelle Kommunikation ersetzt habe, stelle dieser Prozess die klassischen Universitätsstrukturen in Frage, betonte er:

    „Im Laufe ihrer langen Geschichte hat sich die Uni permanent verändert, aber erstaunlicherweise länder- und kulturübergreifend sehr Vieles behalten: Rektoren, Dekane, Fakultäten, Unterrichtsformate, Bibliotheken… Von ihrem Wesen her war die Universität immer ein Ort mit einer Menge von Funktionen, mit einem hohen Niveau der Ausbildung. Sie war Geburtsstätte von Ideen und Erfindungen, Katalysator politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen. Die Mehrzahl der russischen Revolutionäre hat in Berlin Philosophie studiert.“

    Laut Gregor Berghorn scheint die jüngste Entwicklung die Aufgabe der physischen Unmittelbarkeit in der Lehre durch virtuelle Kommunikation zu ersetzen. Wenn alle Prozesse digitalisiert werden, dann brauche man keine Rektoren, Dozenten und Professoren. Und vor allen Dingen werde die Uni kein Forum für den politischen Dialog sein, bedauert der Experte: „Wenn die Universität unter neuen technologischen Rahmenbedingungen ihre Funktion behalten will, dann muss sie in total neue Überlegungen eintreten. Dafür gibt es kein Konzept, das ist Terra incognita.“

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    Wilfried Bergmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Russischen Forums, sieht die Digitalisierung letztlich positiv, sagte er im Sputnik-Gespräch:

    „Es ist ein neuer technischer Prozess, wie die Einführung der Buchdruckerkunst. Bis dahin gab es keine Bücher. Das hat 500 Jahre die Welt verändert. Jetzt bewegen wir uns weg vom Wort zur digitalen Zeichensprache, das ist genauso eine Änderung, und dieser Prozess wird auch Jahrhunderte dauern. Das heißt, den müssen wir gestalten, und das ist die Chance, einen menschlich verträglichen sozialen Prozess zu gestalten. Wir haben ein immenses gemeinsames Potenzial in Deutschland, Russland, Italien und anderen Ländern Europas, dieses gesellschaftliche Problem der Digitalisierung in die Hand zu nehmen. Und wenn wir es zusammen angehen, wird keiner von uns es allein lösen müssen.“

    Auch die russisch-deutschen Beziehungen, die sich in den letzten Jahren verschlechtert hätten, könnten dadurch verbessert werden, betonte der Professor. Jedoch unter einer Bedingung:

    „Wenn die Politik nicht stört. Das war zu sowjetischen Zeiten auch so, das ist auch heute so, dass die Wissenschaftler zusammenarbeiten. Die wissenschaftliche Arbeit beruht auf gemeinsamen christlichen Fundamenten, dort können wir uns wunderbar verständigen und Lösungen für die Gesellschaft finden. Und meist tragen diese Lösungen länger als die Politik.“

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    Tags:
    Bildung, Kultur, Expertenmeinung, Experten, Prognose, Zukunft, Diskussion, Digitalisierung, Gaidar-Forum, Moskau, Russland