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    Ein Soldat des Bundeswehr-Sanitätsdienstes (Archiv)

    Kampfeinsatz: Kriegstraumata bei Bundeswehr bleibt hoch

    © AFP 2019 / PATRIK STOLLARZ
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    Der Wehrbeauftragte der Bundestages, Hans-Peter Bartels, hat insgesamt etwa 280 neu diagnostizierte psychiatrische Erkrankungen im vergangenen Jahr bei Bundeswehrsoldaten konstatiert und Kritik bezüglich der Behandlung geäußert, meldet die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) am Montag.

    Trotz des Endes des Nato-geführten ISAF-Kampfeinsatzes in Afghanistan und eines deutlich geringeren Bundeswehr-Kontingent als zu Beginn der Mission am Hindukusch bleibt die Zahl der Soldaten mit Kriegstraumata auf konstant hohem Niveau, so die Meldung.

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    Angaben des Sanitätsdienstes der Bundeswehr zufolge ist die Gesamtzahl der durch Kampfeinsatz hervorgerufenen neu diagnostizierten psychiatrischen Erkrankungen im vergangenen Jahr um 15 Fälle auf 279 gestiegen. Bei 182 Soldaten soll eine einsatzbedingte Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) neu diagnostiziert worden sein. Damit seien es zwölf PTBS-Fälle mehr gewesen als 2017. Andere einsatzbedingte Störungen wie Depressionen seien leicht zurückgegangen.

    Die tatsächliche Zahl der Erkrankungen könne jedoch weitaus höher liegen, da nur die Fälle gezählt werden, die in Bundeswehreinrichtungen behandelt werden, so die NOZ. Zudem würden sich viele Betroffenen nicht sofort melden, da traumatische Erlebnisse bei Soldaten eine psychiatrische Erkrankung erst Jahre später auslösen können.

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    Laut dem Wehrbeauftragten Bartels melden sich viele Einsatzgeschädigte auch deshalb später, „weil erst heute PTBS wie eine körperliche Verwundung angesehen wird“. Bezüglich Engpässen bei der Behandlung habe er konstatiert, dass diverse Stellen in den psychiatrischen Abteilungen der Bundeswehrkrankenhäuser weiterhin unbesetzt blieben und es deshalb fraglich sei, ob die Bundeswehr den bestehenden Behandlungsbedarf noch adäquat befriedigen könne. Zudem habe Bartels die Einstellung von Seelsorgern für muslimische Bundeswehrsoldaten gefordert.

    Laut einem Sprecher des Verteidigungsministeriums sind allerdings deutliche Fortschritte bei der Behandlung, Betreuung, Fürsorge und Versorgung für Soldaten erzielt worden.

    Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels, wird am 29. Januar einen detaillierten Jahresbericht zum Zustand der Bundeswehr vorlegen. Im vergangen Jahr hatte Bartels bereits einen desolaten Zustand der Truppe in einem Wehrbericht konstatiert und – trotz milliardenschwerer Investitionen der Bundesregierung – Lücken bei Personal und Material bemängelt.

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    Tags:
    psychiatrische Hilfe, Erkrankungen, Kampfeinsatz, Bundeswehr, PTBS, Posttraumatische Belastungsstörungen, Betreuung, Behandlung, Versorgung, Soldaten, Neue Osnabrücker Zeitung, Bundeswehr, Hans-Peter Bartels, Afghanistan, Deutschland