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09:05 21 Oktober 2019
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    15 Jahre Facebook: Studentennetzwerk wird mächtigste Waffe im Kampf um Wählerstimmen

    © AFP 2019 / Christophe SIMON
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    Am Montag hat das populärste und vielleicht einflussreichste Soziale Netzwerk der Welt seinen 15. Geburtstag gefeiert. Was ursprünglich als Kommunikations-Netzwerk für Studenten ins Leben gerufen wurde, verwandelte sich in eine riesige, finanzstarke Korporation und ein mächtiges Instrument zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung.

    Als Mark Zuckerberg Facebook gründete, studierte er im zweiten Studienjahr an der Harvard University. Er konnte sich kaum vorstellen, worin sich sein „Kind“ in einigen Jahren verwandeln wird. 2004 verzeichnete die Plattform ein rasantes Wachstum sowohl aus der Sicht der Zahl der Nutzer als auch aus der Sicht des Marktwertes sowie seines Einflusses.

    Facebook erwarb Instagram und WhatsApp, 2012 stieg die Zahl der aktiven Nutzer auf eine Milliarde pro Monat. Heute beläuft sich diese Zahl auf rund 2,3 Milliarden. Neben der enormen globalen Dimension avancierte Facebook auch zu einem der größten Unternehmen in der Welt, nach dem Stand Ende Januar lag sein gesamter Marktpreis bei rund 480 Mrd. Dollar.

    Neben Wirtschaft und Demografie offenbarte Facebook die Gefahr der Sozialen Netzwerke im Informationsraum. Das Lieblingsprojekt Zuckerbergs versank in Affären und Streitigkeiten, die größte davon ist der Skandal um Cambridge Analytica.

    Skandal um Daten-Leaks

    Cambridge Analytica ist eine in London ansässige  Londoner Consulting-Firma, deren Mitarbeiter 2016 für die Präsidentschaftskampagne von Donald Trump arbeiteten. Im vergangenen Jahr kam heraus, dass die Firma, die vom ehemaligen Chefstrategen Trumps Steven Bannon und dem Hedgefonds-Manager Robert Mercer gegründet wurde, vor den Präsidentschaftswahlen 2016 mithilfe einer Quiz-App die Daten von rund 87 Mio. Nutzern ohne deren Erlaubnis sammelte.

    Die erhaltenen Informationen wurden vermutlich zur Entwicklung der psychologischen Porträts der Wähler genutzt, indem versucht wurde, die öffentliche Meinung vorauszusagen und vielleicht auch zu beeinflussen. Nach diesem Fall tauchten Befürchtungen auf, dass auch Angaben von zwei Milliarden Facebook-Nutzern in Gefahr sein könnten.

    Die Facebook-Leitung gab zu, 2015 von diesem Leak erfahren zu haben, und bat die Mitarbeiter der Firma, sämtliche nicht genehmigten Informationen zu löschen. Vertreter von Cambridge Analytica sagten, der Bitte nachgekommen zu sein, doch später gaben die Facebook-Mitarbeiter zu, dass dies eine Lüge war.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: „Kampf gegen Fakenews“: EU-Kommission fordert von Facebook & Co mehr zu tun<<<

    Im April des vergangenen Jahres sagte Zuckerberg vor dem US-Kongress, dass es sich bei dem massiven Daten-Leak um einen „Missbrauch des Vertrauens“ handelt, und versprach, dieses Problem zu beseitigen. Dennoch weigerte er sich zuzugeben, dass seine Plattform die Daten der Nutzer an Dritte verkauft hatte.

    Zudem bestätigte die Facebook-Führung, dass es unter den von Cambridge Analytica gestohlenen Daten auch Informationen über 2,7 Mio. EU-Staatsbürger gab. Danach äußerten europäische Behörden die Vermutung, dass dieser Leak auch die europäische öffentliche Meinung beeinflusst haben konnte.

    Gewinnbringendes politisches Instrument

    Der Skandal um Cambridge Analytica löste Empörung sowohl in den USA als auch im Ausland aus. Kritikern zufolge stellt die fehlende Regelung von Facebook eine Bedrohung für die Demokratie dar. Laut dem Mitglied der Europäischen Agentur für Netz- und Informationssicherheit Pierluigi Paganini hat sich Facebook im letzten Jahrzehnt mit der Entwicklung des Konzeptes der Sozialen Netzwerke vollständig geändert.

    Soziale Netzwerke sind ein besonderes Instrument für Aufklärungstätigkeiten, Erstellung von psychologischen Porträts zu kommerziellen Zwecken sowie zur Spionage geworden. Laut dem Experten für Wirtschaftsgeschichte Alexander von Witzleben wendet Facebook keine direkte Zensur an, doch bislang wurde nicht bewiesen, dass politische Parteien bzw. Staaten es nicht für Desinformationskampagnen nutzen können.

    „Das stellt eine Gefahr dar, denn Facebook hat die Führungsposition und fast die Monopolmacht sowohl im wirtschaftlichen Sinne als auch im Bereich der Sozialen Netzwerke“, so der Experte. Ihm zufolge muss sich Facebook zur Verhinderung politischer Missbräuche denselben rechtlichen Regeln unterordnen, wie die Lieferanten von universellen Dienstleistungen wie Post- und Telefondienstleistungen.

    Laut dem Generaldirektor der Firma LGMS Choong-Fook Fong könnte Facebook eine weitere politische Partei werden, wenn die Facebook-Führung die Rolle eines Regulierers übernimmt und darüber entscheiden wird, welche Erklärungen erlaubt sind und welche seiner Politik widersprechen.

    Er beharrt darauf, dass die Regierungen kein neues Gesetz schaffen sollten, das die Veröffentlichung politischer Werbung verbietet. Im Gegenteil – allen großen Sozialen Netzwerken solle die analytische Bearbeitung der Angaben über die Bevorzugungen ihrer Nutzer, besonders ihrer politischen Bevorzugungen, verboten werden.

    Sein Kollege Kenneth Shak, Senior Berater für Cybersicherheit, ist einer ähnlichen Meinung. „Facebook muss als mächtiges Mittel zur Bildung der öffentlichen Meinung betrachtet werden“, so der Experte. Zur Gewährleistung der Sicherheit der Daten soll sich die Firma an härtere Regeln halten.

    Unterdrückung der Wähler

    Neben dem Sammeln von Nutzerdaten wurde Facebook wegen der scheinbar unbegründeten fehlenden Objektivität zugunsten linker Ansichten kritisiert. Vielleicht einer der aktivsten Kritiker war Donald Trump. Im August des vergangenen Jahres sagte der US-Präsident, dass er Tausende Beschwerden wegen der mutmaßlichen Unterdrückung der konservativen Meinungen und Bevorzugung der linken Medien seitens des Sozialen Netzes bekomme.

    Mit ähnlichen Vorwürfen wurde Facebook in Großbritannien konfrontiert. Im April des vergangenen Jahres stellte Facebook die Arbeit der kanadischen Firma AggregateIQ, die sich mit Datenbearbeitung befasst, ein, die Werbung für die Democratic Unionist Party machte, die sich für den Brexit aussprach, sowie für die Aktionen Vote Leave, BeLeave und Veterans for Britain. Es wurde mitgeteilt, dass AggregateIQ, auf die 40 Prozent des Haushalts von Vote Leave entfielen, in Verbindung mit der Mutterfirma von Cambridge Analytica, SCL Electrics steht.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: So werden Wahlen manipuliert: Cambridge Analytica – britische Firma mit Sitz in USA<<<

    Britische Parlamentsmitglieder forderten Zuckerberg mehrmals zu Aussagen vor dem Hintergrund der Befürchtungen auf, dass die von Canbridge Analytica gestohlenen Daten zum Einfluss auf die Wähler vor dem Brexit-Referendum genutzt werden können.

    Dennoch wies Zuckerberg alle Forderungen zurück und sagte, dass die Daten der britischen Nutzer nicht das Ziel des ursprünglichen Verstoßes gewesen seien.

    Der belgische Menschenrechtler Andy Vermaut beharrt darauf, dass obwohl der Leak sowohl den Befürwortern als auch den Brexit-Gegnern in die Hände gespielt haben konnte, Brexit ein anschauliches Beispiel davon sei, wie Facebook konservative Wähler unterdrücke.

    „Auffallend ist, dass der Schwerpunkt auf die Brexit-Gegner gelegt wurde, was im Ergebnis zeigt, dass jemand die eifrigen rechten Aktivisten in ein schlechtes Licht rücken wollte“.

    Zu Opfern der Zensur werden auch jene, die Fragen zur Legitimität der EU-Kommission und einer scharfen Sparpolitik stellen. Unter dem Vorwand der Verbreitung von Fake-News kann zum Opfer der Internet-Zensur jeder werden, der der Establishment bedroht.

    „Obwohl die Brexit-Befürworter dieselbe Taktik nutzten, wird der Schwerpunkt auf die Brexit-Gegner gelegt. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der Objektivität der Untersuchungen europäischer Institutionen“, so der Experte.

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    Unterdrückung, Instrument, Gewinn, Porträt, Skandal, Daten, US-Kongress, Cambridge Analytica, WhatsApp, Instagram, Facebook, Mark Zuckerberg, USA