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09:11 21 September 2019
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    Deutsche und chinesische Nationalflaggen

    Mitmenschen einstufen und bestrafen: Chinas Projekt auch in Deutschland denkbar?

    © REUTERS / Jason Lee
    Gesellschaft
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    Bis 2020 will China das umworbene Sozialkredit-System landesweit einsetzen. Nun zeigt eine in Kooperation mit dem Sinus-Institut durchgeführte YouGov-Studie, dass auch die Deutschen ein System, das Daten sammelt und darauf aufbauend gutes Verhalten belohnt sowie schlechtes bestraft, nicht eindeutig ablehnen würden.

    In den Mainstream-Medien wird meist mit äußerster Abneigung und Beckmesserei über die Umsetzung eines staatlichen Sozialkredit-Systems in China geschrieben. Es soll sich dabei um eine umfassende auf ein Ranking-System gestützte Überwachung der Bürger handeln, mittels derer das Verhalten verfolgt und die Menschen anhand ihres „Sozialkredits“ bewertet werden. Kritiker sprechen von totaler Kontrollsucht und „Big Brother“-Allüren im Land. Trotzdem sollen sich laut Umfragen die meisten Chinesen sicher sein, dass allgegenwärtige Kontrolle das Vertrauen in die Gesellschaft stärken wird.

    Zwei Drittel der Deutschen würden ein solches staatliches Bewertungs- und Steuerungssystem allerdings ablehnen, geht aus einer repräsentativen Studie von YouGov und des Sinus-Instituts hervor. 15 Prozent hätten dazu keine Meinung und lehnen es damit nicht grundsätzlich ab. 17 Prozent aller Deutschen, also fast jeder Sechste, würden das System auch in Deutschland begrüßen.

    Für moralisch besseres Verhalten

    40 Prozent aller Befragten fänden sogar die Möglichkeit gut, die Menschen in ihrer Umgebung bewerten zu können, 39 Prozent würden sich auch selbst von anderen bewerten lassen. In der Fragestellung wurde als Beispiel vorgeschlagen, für Unfreundlichkeit Minuspunkte oder für Freundlichkeit Pluspunkte zu vergeben. Während aber nur 30 Prozent der jüngeren Leute sich so etwas vorstellen könnten, liegt der Wert bei den über 25-jährigen bei 41 Prozent.  

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    Dabei scheinen sich einige Befragte nicht an der strafenden Komponente des chinesischen Modells zu stoßen. Wahrscheinlich werden keine großen Überlegungen darüber angestellt, wie eine niedrige Punktzahl zustande kommt. Trotzdem meinen 18 Prozent, dass diesbezüglich schlecht abschneidende Personen keine staatlichen oder privatwirtschaftlichen Leistungen mehr beanspruchen können beziehungsweise bestraft werden sollten. Ein Drittel würde hier Firmen zugestehen, Kunden mit schlechten Rankingpunkten abzulehnen. Die anderen finden, dass diese höhere Steuern oder Geldstrafen zahlen müssten. 70 Prozent sprechen sich gegen eine derartige Sanktionierung im Falle niedriger Ergebnisse aus.

    Im Hintergrund steht, dass sich viele für so gut halten, dass sie meinen, sie würden bei derartigen Bewertungen auf der Gewinnerseite stehen. Vorteile eines sozialen Bewertungssystems für die Gesellschaft sehen nur zehn Prozent, für sich hingegen jedoch 23 Prozent. Österreicher erwarten mit 54 Prozent durch den „Sozialkredit“ wesentlich häufiger persönliche Vorteile als die Deutschen. 29 Prozent würden auch Strafen für Personen mit niedriger Punktzahl befürworten. Die meisten stehen damit für ein „moralisch besseres Verhalten“. Darauf folgen jene, die sich für ein harmonisches Miteinander, Freundlichkeit und mehr Fairness einsetzen.

    „Harmonische sozialistische Gesellschaft“

    Bei näherer Betrachtung der chinesischen Hauptarbeitsbereiche bei der Schaffung eines für 2014-2020 konzipierten Sozialkredit-Systems kommt man zu dem Schluss, dass es hauptsächlich um Unternehmen und staatliche Verwaltung bei der Schaffung eines gesunden Darlehensystems und nur ein bisschen um Einzelpersonen geht.

    Jedoch ist das Hauptziel des Systems der Aufbau „einer harmonischen sozialistischen Gesellschaft“. Deren Hauptwert ist Ehrlichkeit, die sich nach Konfuzius in allem äußern sollte – vom Verhalten im Internet bis zur Ehrung der Eltern. Um diese Qualität unter den Menschen zu entwickeln, soll jedem Chinesen ein Sozialkredit zugewiesen werden. Bei fehlenden Gesetzesverstößen, nützlichen sozialen Aktivitäten und der rechtzeitigen Begleichung von Krediten wird man mit Punkten belohnt. Für Fehlverhalten unterschiedlicher Schwere werden Punkte abgezogen. 2016 hatte die chinesische Regierung eine Sanktionsliste für Straffällige veröffentlicht, laut der ihnen unter anderem die Arbeit in öffentlichen Einrichtungen und bei der Sozialversicherung, der Kauf von Flugtickets, Betten in Nachtzügen sowie die Ausbildung von Kindern in teuren Privatschulen verwehrt werden müssen.

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    In der chinesischen Kultur lässt sich Ehrlichkeit von Unehrlichkeit sehr leicht unterscheiden: Nämlich dadurch, ob die Gesetze befolgt werden oder nicht. Dabei sei angemerkt, dass die chinesischen Gesetze ziemlich transparent sind und die menschliche Existenz detailliert regeln.

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    Tags:
    Verletzung der Menschenrechte, Menschenrechte, Existenz, Ehrlichkeit, Gesetze, Sanktionsliste, Qualität, Kredit, Regierung, Moral, Verhaltensregeln, Diktatur, Ranking, YouGov-Institut, chinesische Regierung, China, Deutschland