02:28 24 April 2019
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    Medizinstudium bei der Universität Leipzig (Archivbild)

    Keine einzige Universitätsspitze stammt aus Ostdeutschland

    © AFP 2019 / dpa / Waltraud Grubitzsch
    Gesellschaft
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    Armin Siebert
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    Die typische Universitätsleitung ist männlich, deutsch und 59 Jahre alt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des CHE Centrum für Hochschulentwicklung. Die Auswertung der Lebensläufe zeigte zudem ein starkes regionales Gefälle: Jede dritte Führungskraft stammt aus Nordrhein-Westfalen, keine einzige aus einem ostdeutschen Bundesland.

    Im Durchschnitt sind die Rektoren oder Präsidenten an staatlichen Universitäten 59 Jahre alt. 95 Prozent der Universitätsleitungen kommen aus Deutschland, lediglich bei vier Personen liegt der Geburtsort im Ausland. Rund ein Drittel stammt aus Nordrhein-Westfalen. Keine Führungskraft einer staatlichen Universität wurde dagegen in Ostdeutschland geboren. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung.

    „Es ist nur eine Momentaufnahme — aber 30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist eine Universitätslandschaft ohne Top-Führungskräfte mit ostdeutschen Wurzeln schon bemerkenswert“, urteilt Frank Ziegele. Der CHE Geschäftsführer wünscht sich dabei generell eine größere Heterogenität auf allen Ebenen: „Bei den studentischen Bildungsbiografien ist die Vielfalt auf dem Campus angekommen, warum nicht auch mehr Vielfalt in den Führungspositionen?“

    Ein klares Bild zeigt sich auch noch beim Geschlechterverhältnis: Drei Viertel aller Universitäten werden aktuell von Männern geleitet. Zuvor war die Quote noch höher, denn jede vierte Universitätspräsidentin oder – rektorin ist erst 2018 neu ins Amt gekommen.

    Anzahl der Universitätsleitungen nach Geburts-Bundesland
    Anzahl der Universitätsleitungen nach Geburts-Bundesland

    Deutlich differenzierter sind die Ausbildungswege der Führungskräfte. „Unter den heutigen Hochschulleitungen finden sich neben Juristen auch Sportwissenschaftler und ehemalige Lehramtsstudenten“ merkt Studienleiterin Isabel Roessler an.

    Positiv neben dieser biografischen Fächervielfalt bewertet die Senior Projektmanagerin beim CHE auch die Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der Hochschullandschaft: „Die Zeiten, bei denen man nach Führungsjobs an der Hochschule wieder ins zweite Glied zurücktreten musste, scheinen vorbei zu sein. Jede zweite Hochschulleitung hat bereits zuvor Erfahrungen als Vizepräsident oder Vizepräsidentin im Präsidium gesammelt.“

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    Tags:
    Gentrifizierung, Hochschulen, Leitung, Führung, Universität, Diskriminierung, Ausbildung, Ostdeutschland, DDR, Deutschland