23:32 19 November 2019
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    Arroganz, Dummheit oder Sabotage? – ARD diskreditiert sich durch „Framing“-Studie

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    Die ARD hat offenbar eine Studie in Auftrag gegeben, die eine feste Sprachregelung für Führungskräfte vorgeben soll, um damit ein erwünschtes Bild der ARD in der Öffentlichkeit zu befördern. Experten nennen das „Framing“. Eigentlicher Stein des Anstoßes dabei soll allerdings die Vorgabe eines „moralischen Framings“ sein.

    Manchmal kann man als Beobachter nur mit dem Kopf schütteln und fragt sich, ob das „nur“ Schlamperei, tatsächliche Systemfehler oder gar Sabotage ist, um der Idee des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks den entscheidenden Todesstoß zu versetzen, damit auch in Deutschland der Alleinherrschaft und dem Meinungsdiktat einer Handvoll großer privater Medienkonzerne der Weg geebnet wird. Die großen privaten Medienkonzerne möchten nur zu gerne, dass Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk in Deutschland das gleiche Schattendasein führen muss wie etwa PBS und NPR in den USA, so dass die Damen und Herrschaften in den Chefetagen von Springer, Bertelsmann und Burda endlich ihre Agenda durchsetzen können.

    Wenn die Angaben stimmen, die zuerst im Berliner „Tagesspiegel“ veröffentlicht wurden, dann wird es interessant sein zu verfolgen, wie die ARD weiterhin glaubwürdig den Vorwürfen entgegentreten will, sie betreibe in ihrer Berichterstattung kein so genanntes Framing, also eine ganz gezielte, immer wiederkehrende Benutzung von bestimmten Wörtern und sprachlichen Bildern, um bei Zuschauern und Hörern eine ganz bestimmte Denk- und Sichtweise zu bestimmten politischen Ereignissen zu kreieren, eine „Einrahmung“ vorzunehmen (frame = Englisch für Rahmen). Stimmen die Angaben des „Tagesspiegels“, dann könnte das eine Erklärung dafür sein, warum seit dem Sommer 2018 in der ARD ungewöhnlich oft das so genannte Framing thematisiert und den Zuschauerinnen und Zuschauern und Hörerinnen und Hörern „erklärt“ wird.

    Sputnik berichtete zum ersten Mal im Oktober 2017 über das tückische Gift, das durch „Framing“ in die politische Berichterstattung injiziert wird, damals noch erklärt am Beispiel des Buches „Lügen die Medien?“ des Autoren Jens Wernicke, der zwei Jahre lang 22 Medienkritikern diese Frage gestellt hatte. Am 5. Juli 2018 berichtete Sputnik dann über einen Beitrag in den „Tagesthemen“ des Vortages, in dem „Framing“ am Beispiel der seinerzeitigen Debatte im Zusammenhang mit Äußerungen von Bundesinnenminister Horst Seehofer zur Flüchtlings- und Migrationsfrage erklärt wurde.

    „Framing“ ist ein altbekannter Vorwurf an die Adresse der ARD

    Die ARD war zu diesem Zeitpunkt nicht nur wegen dieses Themas in der Kritik und sah sich dem Dauer-Vorwurf ausgesetzt, über einige Themen einseitig und voreingenommen zu berichten sowie mit einer sehr subtilen Wort- und Bildwahl geradezu suggestiv auf ihre Zuschauer einzuwirken, als sollten sie darüber belehrt werden, was richtiges und was falsches Denken ist. Die ARD wies derartige Unterstellungen natürlich immer entschieden zurück. Möglicherweise lag zu diesem Zeitpunkt schon jene 89 Seiten umfassende Studie vor, die „Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“ heißen und von der inzwischen hinlänglich bekannten und auch in der ARD schon oft aufgetretenen Berliner „Framing“-Expertin Elisabeth Wehling verfasst worden sein soll, die in der deutschen Hauptstadt das „Berkeley International Framing Institute“ betreibt.

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    In der Studie fallen demnach beinahe Frösteln verursachende Sätze wie:

    • „Wenn Sie Ihre Mitbürger dazu bringen wollen, den Mehrwert der ARD zu begreifen und sich hinter die Idee eines gemeinsamen, freien Rundfunks ARD zu stellen (…), dann muss Ihre Kommunikation immer in Form von moralischen Argumenten stattfinden.“
    • „Die ARD ist die Gesellschaft: Wir sind Ihr!“
    • „Sprechen Sie also von der Gleichwertigkeit der Regionen oder dem gleichwertigen Anspruch aller Bürger und Regionen, sich und ihre Anliegen in der medialen ARD wiederzufinden.“

    Dass es diese Studie geben muss, bestätigte de facto die ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“. Sie wird dort mit den Worten zitiert, dass sich die ARD schon länger damit beschäftige, zu ergründen, „was unseren gesellschaftlichen Wert im digitalen Zeitalter ausmacht“ und welche Rolle dabei Sprache spiele. Allerdings und bezeichnenderweise ist schon die Überschrift des „Welt“-Artikels ein Lehrbuchbeispiel für „Framing“: „Wie die ARD ihre Beitragszahler beeinflussen will.“

    ARD-Führungspersönlichkeiten wenden Studie offenkundig schon monatelang an

    Auch andere Indizien sprechen ziemlich zuverlässig dafür, dass die „Framing“-Studie den ARD-Führungskräften schon eine Weile vorliegt. Vor allem MDR-Intendantin Karola Wille hat in den zurückliegenden Monaten mit geradezu aufreizender Penetranz die Wortgruppe „Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“ benutzt. Nur wenige, willkürlich ausgewählte Beispiele:

    12.06.2018 „`Wir sind deins` – ARD startet Public Value-Aktion“,

    14.06.2018 „Fünf Jahre der besondere Kinderfilm – Starke Kinderfilme im Kino“,

    20.11.2018 „Inklusion: MDR-Engagement unverändert hoch“,

    27.11.2018 „ARD steigert Ausgaben für Produktion sehr deutlich“.

    Am 17. Februar 2019 wird Karola Wille im Rahmen der „Dresdner Reden 2019“ einen Vortrag halten mit dem Thema: „Es geht um Demokratie – Unser gemeinsamer freier Rundfunk.“

    Auch andere ARD-Führungspersönlichkeiten nutzten den so genannten Claim „Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“, wie Experten Wortschöpfungen nennen, die sklavisch exakt wiederholt werden sollen. Beispielsweise:

    04.06.2018 Susanne Pfab, ARD-Generalsekretärin, in einem Debattenbeitrag „Zum Rundfunk beizutragen, ist wertvoll und sinnvoll“, auf dem Berufs-Portal „Xing“. Dort benutzt Frau Pfab gleich mehrmals „unser“ in verschiedenen Kombinationen: „unser Rundfunkbeitrag“ (sogar zweimal), „unsere Gemeinschaft“, „unsere Mitmenschen“, „unser Rundfunk“, „unsere Kultur und unser Alltag“, „unsere Gemeinwohlmedien“, „unser öffentlich-rechtlicher Rundfunk“, „unser gemeinsamer Rundfunk“, „unsere Bedürfnisse“.

    08.06.2018 Steffen Liedtke, Referent im ARD-Generalsekretariat, veröffentlicht in seinem Twitter-Profil einen so genannten Retweet von Elisabeth Wehling: „Unser gemeinsamer freier Rundfunk gilt ähnlich der BBC in vielen Ländern als absolutes Vorbild für eine solide und belastbare mediale Infrastruktur in den Händen der Bürger. #Don'tTouchMyMedia.”

    02.07.2018 Thomas Kleist, Intendant, Saarländischer Rundfunk – SR: „Die digitale Medienwelt bietet für Europa neue Chancen.“

    02.10.2018 Peter Boudgoust, Intendant, Südwestrundfunk – SWR: „SWR Koproduktion erhält Documentary Emmy Award.“

    Kritik an der ARD-Framing-Studie von Privatmedien mit eigener „Framing-Expertise“

    Zufall ist das wohl nicht. Genauso wenig, dass die ersten, die sich neben dem „Tagesspiegel“ über die „Framing-Studie“ der ARD echauffierten, ausgerechnet zwei Kampfblätter und erklärte Todfeinde des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks sind, die täglich Beispiele für „Framing“ abliefern, die denen der ARD-Berichterstattung zu ausgewählten Themen in nichts nachstehen.

    Ausgerechnet „Die Welt” aus dem Hause Springer und der „Focus” aus dem Hause Burda schwingen sich mal wieder zu Rächern der Rundfunkbeitragszahler auf und werden nicht einmal rot dabei. Immerhin ist es Springer-Chef Mathias Döpfner gewesen, der ARD und ZDF als „Staatsfunk“ verunglimpfte und damit ein klassisches „Framing“ verwendete. Der gleiche Mathias Döpfner fabulierte ungeniert am 09. Februar 2019 in der ebenfalls für ausgiebiges „Framing“ bekannten „Neuen Zürcher Zeitung“ darüber: „Viele Journalisten verhalten sich zutiefst unjournalistisch.“ Selbstredend meinte er sich oder seine beiden irrlichtenden Framing-Spezialisten, Julian Reichelt und Julian Röpcke vom Springer-Hetzblatt „Bild“. damit natürlich nicht.

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    Indes, die ARD hat sich Hohn und Spott, aber auch massive Kritik wegen „Framing“ und halbherziger Verteidigung des Gedankens und der Interessen des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks (ÖRR) gegen Profit und andere Interessen privater Medienkonzerne, die als „Staatsfunk“, „Zwangsgebühr“, „GEZ-Terror“ und so weiter „geframed“ werden, redlich verdient. Beispielsweise saßen ausgerechnet im Juni 2018, als ARD-Granden damit begannen, fleißig die Botschaft „Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD” unter das Volk zu bringen, der derzeitige ARD-Vorsitzende, BR-Intendant Ulrich Wilhelm und der schon erwähnte Springer-Chef Mathias Döpfner, bekanntermaßen einer der größten Hasser des ÖRR vor Medienvertretern in Berlin und verkündeten eine Einigung über Internet-Regeln für ARD und ZDF, die erneut einen Kniefall vor den Verwertungswünschen der privaten Medien darstellten. Ob zu diesem Zeitpunkt Döpfner auch Kenntnis von der ARD-Studie erhielt, die angeblich oder tatsächlich nur den Führungskräften der ARD zugedacht ist, wissen wir nicht.

    Der ARD ist in Sachen „Framing“ derzeit nicht zu helfen

    Was wir wissen, ist, das am 28. Oktober 2018 der Spartenkanal ARD Alpha im Rahmen der Reihe „Respekt. Demokratische Grundwerte für alle“ erklärte, wie „Framing“ funktioniert und ob das ein neuzeitliches Phänomen sei. In dem 2:45 Minuten langen Video „Ist Framing neu?“ werden Beispiele für diese manipulative Wortspielerei aus der Antike und der Neuzeit vorgestellt. Unter anderem durfte natürlich nicht George Orwells Buchklassiker „1984“ fehlen. Die Stimme im Video erklärt den Zuschauern, dass es in dem Buch um einen totalen Überwachungsstaat gehe, der mit „Neusprech“ die Bedeutung von Wörtern verdrehe und ein so genanntes Ministerium für Wahrheit habe (zu sehen und zu hören ab Minute 2:09). Zu sehen ist in exakt diesem Augenblick eines der als „Sieben Schwestern“ bekannten Hochhäuser Moskaus aus den 1930er Jahren. Unverfrorener, dreister, schäbiger kann „Framing“ selten beobachtet werden. Denn natürlich werden, als die Stimme im Video den totalen Überwachungsstaat erwähnt, keine Bilder vom großangelegten Schnüffelskandal von NSA und GCHQ gezeigt, den Edward Snowden aufdeckte.

    Aber wir wollen uns nicht aufregen, denn wir haben ja gelernt: Propaganda und „Framing“ sind eine Spezialität, die nur wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Sputniknews oder unsere Kollegen von anderen vom russischen Staat finanzierten Medien beherrschen und ausüben. Ups, schon wieder ein „Framing“.

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    Journalismus, Vorwurf, Studie, Fehler, Sabotage, ARD, Tagesspiegel, Deutschland