15:49 21 Oktober 2020
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    VIDEO Neiddebatte oder überfällige Kritik? – ARD-Doku über Milliardäre

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    © Sputnik / Alexander Wilf

    Die ARD sendete am Montag, versteckt im Vor-Mitternachtsprogramm, eine Dokumentation, in der „die diskrete Welt der Milliardäre“ beleuchtet wurde. Namhafte Superreiche der BRD konnten gewonnen werden. Aber wirklich erhellende Einblicke blieben leider aus. Die Frage der Verteilungsgerechtigkeit wurde nur angerissen, findet unser Autor Andreas Peter.

    Respekt für Michael Otto, Dirk und Raoul Rossmann, Rainer Schaller und Christian von Bechtolsheim. Ihnen muss klar sein, was immer sie sagen bei diesem Thema, mit ihrem Hintergrund, es wird prinzipiell erst einmal angezweifelt.

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    Das hat aber nichts mit dem Totschlagsargument der "Neiddebatte" zu tun. Auch Michael Otto, Aufsichtsratschef der gleichnamigen Unternehmensgruppe, bemühte es, um zu erklären, warum Deutschlands Superreiche so auffallend verschwiegen sind und Filmautor Florian Opitz so große Schwierigkeiten hatte, Gesprächspartner zu finden.

    „Denn anders als in den USA, wo Leistung, Vermögen unwahrscheinlich positiv gesehen wird, ergibt sich bei uns häufig immer gleich so ein Beigeschmack, na, und woher hat er sein Vermögen und wie kommt er zu seinem Reichtum, und das scheuen manche.“

    "Bei uns", hätte man Otto antworten können, sieht man Leistung auch positiv, versteht aber nicht, warum die Leistungen von Pflege- oder Reinigungskräften so schlecht bezahlt werden, während Bankrott-Manager Millionenabfindungen erhalten. Warum eigentlich ist es sakrosankt, dass wir die Besitzer und Herkunft von übergroßen Vermögen kennen? Das Argument der Gefährdung ist wichtig. Wohlhabende Deutsche wurden mehrfach Opfer grausamer Verbrechen von Schwerkriminellen: Richard Oetker, Jan Philipp Reemtsma, die Bankiersfamilie von Metzler. Aber auch nicht vermögende Deutsche werden Opfer von Schwerstkriminalität. Statistisch gesehen wird bei ihnen zum Beispiel nicht weniger eingebrochen. Christian von Bechtolsheim, Chef der Vermögensverwaltung Focam, die diskret erst bei Vermögen ab 30 Millionen Euro aktiv wird, nennt noch einen Grund für die Öffentlichkeitsscheu wohlhabender Deutscher.

    „Dann gibt es den Punkt, dass bei Erben manchmal auch der Fall ist, dass das Vermögen aus Zeiten stammt, dass durch das Dritte Reich konfligiert ist oder wie auch immer man das nennen will, kompromittiert ist.“

    Und da rücken dann Namen wie Flick, Krupp oder Quandt, aber auch Oetker sofort in den Fokus. Mit einer Ausnahme, kommen im Film nur Vermögende zu Wort, die ihren Wohlstand mit jahrelanger, harter Arbeit aufgebaut und nicht geerbt haben, Risiken eingegangen sind, die andere nicht eingehen wollen. Das sollte bei einer fairen Bewertung nie vergessen werden. Aber Deutschland ist ein Land der Erben. Und es ist ärgerlich, wenn Dirk Rossmann auf die Frage, warum er für Politik und Medien noch als Mittelständler gilt, antwortet:

    „Das weiß ich auch nicht. Also, ich denke, wenn man 55-tausend Mitarbeiter hat, dann ist man irgendwie doch auch kein Mittelstand mehr, sondern, das ist…, dann spielt man schon in einer anderen Liga.“

    Und vier Minuten später stimmt Michael Otto unwidersprochen dennoch das Klagelied des von einer Neidkampagne geplagten kleinen Mittelständlers an.

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    „Wenn wir in Deutschland jetzt immer mehr Millionäre bekommen, das heißt Mittelständler, die kleine Unternehmen haben, und in der Regel sind das die Millionäre, die ein Unternehmen aufbauen und ein Unternehmen haben, dann finde ich das großartig. Denn das sind doch die, die Arbeitsplätze schaffen. Das ist für mich eigentlich wichtig in der Diskussion, sich darauf zu konzentrieren und nicht einfach über Arm/Reich zu diskutieren.“

    Otto weiß die Mehrheit der deutschen Reichen auf seiner Seite. Auch Christian von Bechtolsheim ist gegen eine Reichensteuer. Aber als Abkömmling der legendären Dynastie der Fugger, weiß er besser als andere, was Vermögen wirklich bedroht. Deshalb kann er den Reichen und der Politik Deutschlands nur den gut gemeinten Rat geben, endlich etwas gegen die auseinanderklaffende Vermögensschere zu tun:

    „Weil, wir wollen ja weder soziale Unruhen noch Verhältnisse wie in den USA oder gar in Lateinamerika bei uns haben.“

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    Tags:
    Verbrechen, Opfer, Reichtum, Vermögen, Leistung, Otto, Lateinamerika, USA, Deutschland
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