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    Treffen von Teilnehmern der ISS-Expedition 56/57, diplomatischen Mitarbeitern und Vertretern der Weltraumorganisationen in Swjosdny Gorodok (Sternenstädtchen)

    Weltraumflieger und Diplomaten: Nächster Gipfel USA – Russland auf der ISS

    © Foto: U.S. Embassy Moscow
    Gesellschaft
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    Von Nikolaj Jolkin
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    Acht Wochen nach der Rückkehr von der Internationalen Raumstation (ISS) wurde die Crew, der Astronaut und Geophysiker Alexander Gerst als erster deutscher Kommandant auf der ISS, der russische Kosmonaut Sergej Prokopjew und die US-amerikanische Astronautin Serena Aunón-Chancellor, in Moskau gefeiert.

    Sechs Monate lebten und forschten sie im Weltraum, bis sie im Dezember auf die Erde zurückkehrten. Auf die Frage, welche Bedeutung so ein Raumflug für gewöhnliche Menschen habe, sagte Prokopjew beim Willkommensfest in der deutschen Botschaft: „Die Erforschung der Erde aus dem All ermöglicht es, Klimaveränderungen und die Verschmutzung der Luft, Meere und Ozeane zu überwachen“. Das Lieblingsexperiment der Kosmonauten und Astronauten ist laut Prokopjew die Beobachtung der Lage und Größe von Gletschern. „Die Fotos geraten sehr schön und informieren uns auch noch darüber, was auf der Erde passiert.“

    Ferner stellte der Kosmonaut fest, dass alle gern mit lebendigen Objekten experimentieren würden. „Nehmen wir etwa den Photobioreaktor, in dem Mikroalgen wachsen. Wir beobachteten sie täglich, verfolgten ihre Entwicklung. Künftig sollen damit bei längeren Raumflügen Sauerstoff und essbare Biomassen produziert werden. Diese Algen geben Sauerstoff ab, indem sie wachsen.“

    Prokopjew hat sie fotografiert. „Dabei nahmen die Sauerstoffbläschen eine sehr kuriose Gestalt an — so grüne Bläschen und als ob sie Augen hätten. Sie sahen kleinen grünen Männchen ähnlich. Werde ich also gefragt, ob ich grüne Männchen, d. h. Außerirdische, gesehen habe, antworte ich:,Natürlich. Ich besitze sogar Fotos von ihnen‘.“

    Sein deutscher Bordgefährte, Alexander Gerst, sprach von der Zerbrechlichkeit der Erde, die es zu schützen gelte.

    „Die Erde ist unser kleines Raumschiff. Sie darf nicht kaputt gehen, eine zweite gibt es nicht.“ Die US-amerikanische Austronautin, die Ärztin Serena Auñón-Chancellor, äußerte, dass sie sich in dieser Wohn- und Arbeitsgemeinschaft mit den beiden Männern durchaus wohlgefühlt habe. „Das ist auch sehr wichtig, denn irgendwann beginnst du, die Geräusche der Erde zu vermissen – den Wind, die Wellen. Dann ist es gut, in einer Mannschaft zu sein, wo man sich immer wieder gegenseitig aufbaut.“

    Die russisch-europäisch-amerikanische Zusammenarbeit habe bei dieser Mission exzellent funktioniert, wertete der deutsche Botschafter in Moskau, Rüdiger von Fritsch. „Sie haben unsere Überzeugung gestärkt, dass alle Probleme und Konflikte der Menschheit bei ehrlichem Willen gelöst werden können.“ Sein amerikanischer Amtskollege, Jon Huntsman, schlug unter großem Beifall der Anwesenden sogar vor, dass das nächste Gipfeltreffen zwischen den USA und Russland auf der ISS stattfinden sollte. „Zusammenarbeit ist der Schlüssel, um diese Welt sicher und sauber zu machen“, sagte er.

    Der deutsche Astronaut Alexander Gerst (l), Chef der ESA-Niederlassung in Russland Rene Pischel (i.d.Mitte) und der deutsche Botschafter in Russland Rudiger von Fritsch bei einem Empfang in der deutschen Botschaft in Moskau
    Der deutsche Astronaut Alexander Gerst (l), Chef der ESA-Niederlassung in Russland Rene Pischel (i.d.Mitte) und der deutsche Botschafter in Russland Rudiger von Fritsch bei einem Empfang in der deutschen Botschaft in Moskau

    Der Leiter des Kosmonauten-Ausbildungszentrums „Juri Gagarin“ im legendären Sternenstädtchen bei Moskau, Pawel Wlassow, unterstrich: „Wir sind den Menschen zu Dank verpflichtet, die den Beschluss gefasst haben, die Internationale Raumstation einzurichten und ISS-Missionen zu organisieren.“ Er gab zu bedenken, dass die Entwicklung der Raumfahrt im postsowjetischen Russland in den 90er Jahren in Schwierigkeiten geraten sei. „Man hatte es durchaus schwer.“

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    Wlassow weiter: „Die gemeinsame Entscheidung, mit US-Geld das erste Modul der jetzigen ISS zu bauen, erlaubte es, das Programm der bemannten Flüge aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln. Die spätere Einstellung der amerikanischen Shuttle-Flüge bzw. der Umstieg auf den Transport der Besatzungen ausschließlich mit Raumschiffen aus russischer Produktion förderte das amerikanische Programm auf diesem Gebiet. Folglich handelt es sich bei der ISS um ein Projekt aller Erdbewohner.“

    Im Ausbildungszentrum verfolge er, „wie ausländische Bürger zu uns kommen, die Vorbereitung auf den Raumflug antreten und dann alle zu einer einheitlichen Besatzung werden. Und wir könnten noch mehr leisten, wenn wir es wie in den vergangenen Jahren gemeinsam tun würden. Einer von meinen Lehrern pflegte zu sagen, alles beginne mit einem Traum. Nur Menschen, die fähig sind zu träumen, können große Taten vollbringen.“

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    Tags:
    Weltraumfahrt, Weltraumforschung, Kosmonauten, Zusammenarbeit, Internationale Raumstation ISS, Europäische Raumfahrtbehörde (ESA), Auswärtiges Amt, ESA, NASA, Roskosmos, Jon Huntsman, Alexander Gerst, Rüdiger von Fritsch, Deutschland, USA, Russland