11:44 19 Juni 2019
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    Der Rentner, seine Wohnung und die Flüchtlinge: Riesiges internationales Interesse

    © AFP 2019 / Karl-Josef Hildenbrand / dpa
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    Das Email-Postfach der Gemeindeverwaltung Neckartailfingen (Baden-Württemberg) wurde in den vergangenen Tagen von Presseanfragen überschwemmt. Die Geschichte des Rentners, der seine Wohnung für Flüchtlinge räumen soll, stößt europaweit auf Interesse. Unterdessen laufen die Gespräche zwischen den Betroffenen offenbar stockend.

    Nicht nur von der deutschen Presse, auch aus Österreich, Ungarn und Frankreich kamen Anfragen an die Gemeinde Neckartailfingen. Grund des Interesses ist, dass ein 74-jähriger Rentner seine Wohnung für Flüchtlinge räumen soll.

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    Auch Sputnik hat bei der 4.000-Einwohner-Gemeinde angefragt und erhielt von Gertitschke Antworten. Der Bürgermeister stellte klar, der Rentner müsse seine Wohnung nicht räumen, „sondern hat ein Angebot bekommen, in eine andere gemeindeeigene Wohnung umzuziehen.“

    Bürgermeister Gerhard Gertitschke stöhnte gegenüber der Nürtinger Zeitung, dass er mittlerweile über 100 E-Mails zu dem Thema erhalten habe. Viele Einsendungen hielten unter Anderem Beschimpfungen. Es hätten sich zudem zwei Fernsehsender im Rathaus von Neckartailfingen gemeldet.

    Neckartailfingen sei verpflichtet, eine Anschlussunterbringung einer gewissen Zahl von Flüchtlingen zu gewährleisten. Es geht um acht Menschen, die die Gemeinde in diesem Jahr unterbringen muss. Das hat der zuständige Landkreis Esslingen angeordnet (Sputnik berichtete).

    Neue Wohnung nur halb so groß

    Der Gemeinderat entschloss sich auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 gegen eine zentrale Unterkunft. Stattdessen wurden die Geflüchteten in kommunalen oder in angemieteten  Wohnungen untergebracht. Laut Gertitschke wurden drei Vermieter gefunden. Die Flüchtlinge leben derzeit in sieben Wohnungen.

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    Weitere leerstehende Wohnräume wurden der Gemeinde nicht angeboten. Deshalb beschloss der Gemeinderat, das Mietverhältnis mit dem Rentner fristgemäß zu kündigen. Der 74-Jährige soll seine 150 Quadratmeter große kommunale Wohnung gegen eine mit 78 Quadratmetern tauschen. Derzeit sprechen laut dem Bürgermeister Vermieter und Mieter über den Umzug sowie weitere Details. Den Informationen nach dauern die Verhandlungen noch an.

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    Tags:
    Flüchtlinge, Wohnung, Rentner, Migranten, Deutschland