01:09 22 November 2019
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    Bundeswehr-Soldaten (Archiv)

    Zentralrat der Juden fordert Militärrabbiner für Bundeswehr

    © AP Photo / Mindaugas Kulbis
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    Laut dem Zentralratspräsidenten der Juden in Deutschland, Josef Schuster, ist das Einstellen von Rabbinern in der Bundeswehr notwendig und zeitgemäß, meldet das Portal „die Jüdische Allgemeine“.

    Die Militärseelsorge in der deutschen Kulturnation und auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik gibt es bereits seit dem Mittelalter. Unlängst sind Geistliche in Uniform ein fester Bestandteil der Truppe geworden, zu deren Hauptaufgaben heute die Durchführung religiöser Feiern und Riten, religiöse und ethische Bildung und das persönliche Gespräch gehören.

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    Für christliche Bundeswehrsoldaten gibt es Militärgeistliche, in der Kaserne in Deutschland oder bei Auslandseinsätzen. Denen können sich die Soldaten anvertrauen und können mit ihnen den Gottesdienst abhalten. 

    Mehr als 70 Jahre nach dem Holocaust dienen auch jüdische Soldaten in der Bundeswehr. Eine eigene Seelsorge gibt es für sie bisher allerdings nicht. Der Zentralratspräsident der Juden in Deutschland, Josef Schuster, erläutert, warum Rabbiner für die Bundeswehr notwendig sind und was die Aufgaben der jüdischen Seelsorge sein sollten.

    Schuster zufolge sind jüdische Geistliche bei der Truppe allein schon deshalb notwendig, weil „seit Jahrzehnten jüdische Soldatinnen und Soldaten“ in der Bundewehr dienen. Für sie bedürfe es einer entsprechenden direkten Betreuung, so wie sie die katholische und evangelische Kirche bereits leisten würden, so der Zentralratspräsident.

    Ein weiterer und nicht minder wichtiger Grund sei der Lebenskundliche Unterricht, der sich mit der Berufsethik der Soldaten in der Bundeswehr befasse und damit eine Bereicherung für die ethische Ausbildung der Soldaten darstelle. Laut Schuster ist es wichtig, gerade heute das Thema Judentum authentisch zu vermitteln.

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    In einem Gastbeitrag von Schuster für die Frankfurter Allgemeine Zeitung hieß es zudem, dass es 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs an der Zeit wäre, „wieder eine jüdische Militärseelsorge in der Bundeswehr zu etablieren und damit an eine alte Tradition anzuknüpfen“.

    Tatsächlich hatte es Rabbiner in der deutschen Armee schon im Ersten Weltkrieg gegeben. Als Beispiel ist hier Leo Baeck sel. A. zu nennen, der für die jüdische Gemeinschaft ein großes Vorbild als „Feldrabbiner“ darstellt.

    In der NS-Zeit hatte sich die Lage für Juden in Deutschland drastisch verändert. Wegen der Beteiligung der Wehrmacht am Holocaust war es für viele Juden noch eine lange Zeit nach Kriegsende undenkbar gewesen, in einer deutschen Armee Dienst zu tun.

    Im Laufe der Jahre habe sich die Lage allerdings verändert, so dass junge Juden die Bundesrepublik selbstverständlich als ihr Zuhause betrachten, so Schuster. Ihm zufolge dienen derzeit rund 300 jüdische Soldaten in der Bundeswehr und für sie wünsche sich die jüdische Gemeinschaft eine Militärseelsorge auf Grundlage eines Staatsvertrages. 

    Des Weiteren hat Schuster auch eine eigene Seelsorge für die muslimischen Bundeswehrsoldaten in Erwägung gezogen. Wichtig sei dabei natürlich, dass „die Militärimame auch das notwendige religiöse Spektrum abdecken“.

    Das Thema Seelsorge in der Bundeswehr ist angesichts der internationalen Militäreinsätze der Truppe und der damit verbundenen Negativfolgen für die Soldaten sehr aktuell.

    Zu Beginn des Jahres hat der Wehrbeauftragte der Bundestages, Hans-Peter Bartels, insgesamt etwa 280 neu diagnostizierte psychiatrische Erkrankungen im vergangenen Jahr bei Bundeswehrsoldaten konstatiert und Kritik bezüglich der Behandlung geäußert.

    Laut Bartels bleibt die offizielle Zahl der Soldaten mit Kriegstraumata, trotz des Endes des Nato-geführten ISAF-Kampfeinsatzes in Afghanistan und eines deutlich geringeren Bundeswehr-Kontingents als zu Beginn der Mission am Hindukusch, auf einem konstant hohen Niveau. Die Dunkelziffer der Erkrankungen könne jedoch weitaus höher liegen, da nur die Fälle gezählt würden, die in Bundeswehreinrichtungen behandelt würden und weil sich viele Betroffene nicht sofort melden würden, da traumatische Erlebnisse bei Soldaten eine psychiatrische Erkrankung erst Jahre später auslösen können, so der Wehrbeauftragte.

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    Tags:
    Judentum, Armeeeinsatz, Bundeswehr, Rabbiner, Juden, Armee, Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Bundeswehr, NATO, Josef Schuster, Hans-Peter Bartels, Hindukusch, Afghanistan, Deutschland, USA