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15:02 14 Oktober 2019
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    US-Bomber während eines Luftangriffs (Archivbild)

    Nazi-Anzeige im thüringischen Amtsblatt – Bürgermeister erntet Kritik

    © AP Photo / U.S. Army Air Force Photo
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    Die thüringische Stadt Hildburghausen hat in einem Amtsblatt eine Anzeige aus der NS-Zeit bezüglich eines alliierten Bombenangriffs veröffentlicht und ist dadurch in Kritik geraten, meldet das Portal der Zeitung „Freies Wort“ am Sonntag.

    Im Amtsblatt von Hildburghausen ist anlässlich des Gedenkens an die Opfer des Luftangriffs der Alliierten vom 23. Februar 1945 auf die Stadt ein Trauerfeier-Programm aus der Zeit des Nationalsozialismus im Original und ohne jeglichen Kommentar dazu abgedruckt worden, so die Meldung. Dem Bürgermeister von Hildburghausen, Holger Obst, brachte das scharfe Kritik ein. 

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    In der Anzeige wird unter anderem von einem  „Terrorangriff“ gesprochen. Einer der Programmpunkte lautet sogar: „Ein Wort des Führers“. Zudem finden sich auch zwei Fotos der Veranstaltung vom 2. März 1945, ebenfalls unkommentiert. Eine Einladung zu einer aktuellen Gedenkfeier in Hildburghausen fehlt im Amtsblatt allerdings.

    Die Linke-Landtagsabgeordnete, Katharina König-Preuss, schrieb via Twitter, dass „kein Wort über Ursache, kein Wort über die #Shoa“ in der Anzeige zu lesen war.

    Thüringens Ministerpräsident und Linken-Politiker Bodo Ramelow hat diese Veröffentlichung als „unerträglich“ bezeichnet. „In jedem Heimatmuseum würde man die notwendigen Erläuterungen erwarten, um keinerlei falsche Schlüsse zuzulassen“, so Ramelow.

    Der Vorgänger von Obst als Stadtoberhaupt, Steffen Harzer, fragt sich hingegen: „Will unser Bürgermeister die alten und neuen Nazis in Hildburghausen versammeln?“

    Während Ramelow, aufgrund der Art der Veröffentlichung, darauf verweist, dass sie nahtlos an jenen Opfermythos anknüpfe, der von Alt- und Neonazis in Dresden sowie auch auf diversen Rechtsrockkonzerten zelebriert werde, fordert Harzer den Rücktritt von Obst, der für das Amt des Bürgermeisters ungeeignet sei. 

    ​Auch die Partei des Bürgermeisters von Hildburghausen, die CDU, war sichtlich wenig von der Anzeige angetan und hat von einem „schweren Fehler“ gesprochen. Laut dem Generalsekretär der Thüringen-CDU, Raymond Walk, verbietet sich eine Veröffentlichung solcher Quellen ohne klare und kritische Einordnung von selbst.

    Obst zeigte sich einsichtig und bedauerte den Fehler. Er erklärte, dass die Anzeige hätte besser gekennzeichnet und eingeordnet werden müssen und dass man es in Zukunft „besser machen“ wolle.

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    Tags:
    Trauerfeier, Bombenangriff, Bürgermeister, Nazis, Hitler, Luftangriff, Zweiter Weltkrieg, CDU, Die LINKE-Partei, Bodo Ramelow, Thüringen, Deutschland