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02:59 23 Juli 2019
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    „Tag sowjetischer Schande“: Lettische Forscherin ist gegen Internationalen Frauentag

    © Sputnik / Wladimir Wiatkin
    Gesellschaft
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    Die Professorin der Universität Lettlands und Ex-Vizechefin der lettischen Regierungskommission zur Erforschung des KGB Kristine Jarinovska hat vorgeschlagen, den am 8. März gefeierten Internationalen Frauentag aus der Liste der staatlichen Feiertage des Landes zu streichen. Im Netz hat ihre Initiative jedoch keine breite Unterstützung.

    Der 8. März sei ein „Teil des ideologischen Propagandasystems des totalitären Besatzungsregimes der UdSSR”, schrieb Jarinovska in einer Twitter-Mitteilung. „Die Frauen Lettlands verdienen diese Demütigung nicht, dass er (der Internationale Frauentag am 8. März — Anm. d. Red.) bis zum heutigen Tag in einem Gesetz der unabhängigen Republik Lettland verankert ist. Der Sejm (das lettische Parlament) muss darüber entscheiden”, äußerte sie.

    ​Allerdings wollten die meisten Nutzerinnen und Nutzer im Netz die Initiative von Jarinovska nicht unterstützen.

    „Sprechen Sie nicht für alle lettischen Frauen. Wenn sich niemand an diesem Tag an Sie erinnert, dann glauben Sie mir, es ist nicht die Schuld aller lettischen Frauen”, zeigte sich Daina Sadre sarkastisch.

    ​„Es gibt Frauen, an die man sich das ganze Jahr erinnert, und nicht an einem Tag der sowjetischen Schande”, empörte sich Jarinowska.

    „Sind Sie Doktor der Rechte, arbeiten Sie an der Universität von Lettland, singen Sie im Chor? Sagen Sie den Suffragetten danke, ohne sie wäre Ihr Platz in der Küche ohne Twitter”, schrieb Jana Simanovska.

    ​„Vielleicht könnten Sie auf Google recherchieren und über die Suffragetten lesen, die das Wahlrecht für uns durchgesetzt haben? Und alle anderen Optionen der Gleichberechtigung? Ich schäme mich für das, was Sie geschrieben haben, nicht für den 8. März. Geschichtswissen ist gar nicht so schlecht", äußerte Iveta.

    Auch Männer hielten die Argumente von Janovska für nicht überzeugend: „Der 8. März ist Teil der Europäischen Union", schrieb Edgars. „Folgen Sie den Beispielen der zivilisierten Länder!”, forderte er die Gegnerin des Internationalen Frauentags auf und erinnerte sie daran, dass Berlin den 8. März zum gesetzlichen Feiertag erklärt hatte.

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    2015 hatte Jarinovska vorgeschlagen, den Frauentag in Lettland nicht am 8. März zu begehen. Sie bezeichnete Clara Zetkin und Rosa Luxemburg, die einst auf die Idee des Internationalen Frauentages gekommen waren, als „Terroristinnen” und äußerte, die Damen seien für die lettische Frauen keine guten Beispiele. Jarinovska schlug vor, den Frauentag in Lettland auf den 16. März zu verschieben, da die lettische Dichterin Aspazija (eigentlich Elza Pliekšāne), der Ehefrau des berühmten lettischen Dichters Janis Rainis, an diesem Tag geboren wurde.

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    Die Tatsache, dass der 16. März in Lettland der sogenannte „Tag der Legionäre” ist, an dem die Letten gewürdigt werden, die während des Zweiten Weltkrieges in der Waffen-SS an Seite des national-sozialistischen Deutschlands gekämpft hatten, schien sie nicht zu verunsichern. Die Frauen könnten doch auch an diesem Tag die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich lenken, argumentierte sie.

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    Tags:
    Aufhebung, Frauen, Internationaler Frauentag, Sowjetunion, UdSSR, Lettland