23:52 23 April 2019
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    Der ehemalige MSK-Vorsitzende Horst Teltschik (Archivbild)

    Ostdeutsche müssen Verantwortung für ihr Leben übernehmen - Kohl-Berater Teltschik

    © AFP 2019 / Munich Conference on Security / Harald Dettenborn
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    Liudmila Kotlyarova
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    30 Jahre nach dem Mauerfall hängt der Osten bei dem Lohn und der Produktivität noch immer hinter dem Westen zurück, geht aus der am Montag veröffentlichten Studie des IWH hervor. Horst Teltschik, den einst engen Vertrauten Helmut Kohls, wundern die Ergebnisse kaum. Im Sputnik-Gespräch gibt er den Unzufriedenen in Ostdeutschland einen Ratschlag.

    Am Montag hat das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) eine Studie mit dem Titel „Vereintes Land – drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall“ veröffentlicht. Laut dieser hängt der Osten 30 Jahre nach der Wiedervereinigung bei der Kaufkraft, dem Lohn und der Produktivität noch immer hinter dem Westen zurück. Zugleich werden seit kurzem Diskussionen über den „westdeutschen Führungskräfteimperialismus“ geführt, also über die Tatsache, dass die meisten Führungspositionen in Ostdeutschland von den Westdeutschen bekleidet werden.

    „Es scheint für mich ein Generationenproblem zu sein, denn die ostdeutschen Studenten sagen, es gebe keinen Unterschied zu Westdeutschland“, kommentiert Horst Teltschik, der Berater Helmut Kohls und Ex-Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, im Sputnik-Gespräch. „Als BMW (Teltschik war früher in dessen Vorstand — Anm. d. Red.) 2005 ein großes Werk in Leipzig aufgebaut hatte, wurde ein Westdeutscher dessen Chef, denn es gab keinen entsprechenden Experten in Ostdeutschland.“

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    Er könne verstehen, dass viele der älteren Generation, die früher Mitglied der SED oder bei der Stasi waren, ihre Privilegien verloren hätten. „Aber diejenigen, die über ihr Leben klagen, sollen lieber die schonungslose Analyse der wirtschaftlichen Lage der DDR von Gerhard Schürer lesen. Dann weiß man, dass man diesen Rückstand nicht einmal in 30 Jahren aufholen kann“.

    Er rät den Ostdeutschen, nicht nach der Politik zu rufen, sondern sich selbst zu überlegen, welche Initiativen man ergreifen könnte, um die wirtschaftliche Situation voranzubringen.

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    „Sonst kann es sehr lange dauern, bis die notwendigen Subventionen geleistet werden. Demokratie aber heißt, dass die Menschen für sich selbst Verantwortung übernehmen. Vor allem die älteren Generationen der DDR dürften es nie gelernt haben“.

    Horst Teltschik sei selbst ein Flüchtlingskind, dessen Eltern, als sie in den Westen kamen, hart gearbeitet und dabei Kinder großgezogen hätten. Sputnik gegenüber sagt er: „Man muss nicht darüber nachdenken, was der Staat für mich tun kann, sondern was ich für den Staat tun könnte“. Außerdem: „Wenn man sich an die Flüchtlinge aus der DDR erinnert, dann sagten sie nicht ‘endlich Bananen’, sondern ‘endlich Freiheit’. Das scheinen heute einige vergessen zu haben“.

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    Tags:
    Rückstand, Flüchtlingskinder, Flüchtlinge, Berater, Bananen, Verantwortung, Freiheit, Imperialismus, Wiedervereinigung Deutschlands in 1989, Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Münchner Sicherheitskonferenz, BMW, Bundesregierung, Helmut Kohl, Horst Teltschik, Ostdeutschland, Osten, DDR, Leipzig, Deutschland