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    Gleichberechtigung (Symbolbild)

    Die Ostdeutsche führt: Geistiger „Gleichstellungsvorsprung“ - DDR Sei Dank

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    Gesellschaft
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    Beata Arnold
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    Frauen aus dem Osten Deutschlands bekleiden weitaus häufiger Spitzenpositionen, als Kolleginnen aus dem Westen. Fast überall. Den Grund fände man in den Köpfen der Frauen, untermauert eine neue Studie der Öffentlich-Rechtlichen.

    Die Wiedervereinigung bedeutete auch ein Aufeinanderprallen zweier ungleicher Rollenverständnisse von Mann und Frau. Nach dem Mauerfall wurde erwartet, dass sich die ostdeutsche Frau an westdeutsche Normen und Geschlechterstereotype anpasst. Doch der sogenannte „Gleichstellungsvorsprung“ in Ostdeutschland blieb in den Köpfen ostdeutscher Frauen erhalten, konstatierte bereits 2011 die Sozialwissenschaftlerin Dr. Hildegard Maria Nickel.

    Diese These vom „Gleichstellungsvorsprung“ greift nun auch der an der Leipziger Uni lehrende Film- und Fernsehproduzent Olaf Jacobs mit seinem Redakteur Michael Schönherr in einer neuen Studie auf und liefert zudem deutliche Zahlen.

    Zwar seien auch 30 Jahre nach der Wende Ostdeutsche in Elitepositionen bundesweit generell schmal gesät, doch seien unter denen, die es „geschafft“ hätten, überproportional viele Frauen: Fast 50 Prozent in den untersuchten Bereichen, wozu Politik und Verwaltung, Wirtschaft, Justiz und Wissenschaft gehörten.

    Je höher die Leitungsposition, die von einem Ostdeutschen besetzt sei, desto häufiger handele es sich um eine Frau, so die Verfasser. Dies übersteige bei Weitem die Anzahl westdeutscher Frauen in Führung.

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    Auch die prestigeträchtigen börsennotierten deutschen Unternehmen hatten sich die Forscher angesehen: Bei den 30 DAX Konzernen seien unter den vier ostdeutschen Vorstandsmitgliedern drei und damit 75 Prozent Frauen. Bei den Westdeutschen: schlappe 10 Prozent.

    Und während an der Spitze der 100 größten Unternehmen Westdeutschlands nur in 2 Prozent der Fälle Frauen stünden, läge der Frauenanteil an der der Spitze der 100 größten ostdeutschen Unternehmen bei 9 Prozent. Sofern es sich dabei um Ostdeutsche handeln würde, so läge der Anteil sogar bei einem Viertel.

    Nach der Jahrtausendwende stellten die Autoren allgemein einen Anstieg der Frauenanteile fest, besonders aber den von Frauen aus dem Osten. Die Forscher nennen dies den „Merkel-Knick“, denn zeitlich fiel das Phänomen mit dem Aufstieg der ebenfalls in der DDR sozialisierten Angela Merkel zur Bundeskanzlerin zusammen. Und so seien unter den Ostdeutschen, die es etwa in bundespolitische Spitzenämter geschafft hätten, fast ausschließlich Frauen: Cornelia Pieper, Katrin Göring-Eckardt, Manuela Schwesig, Sahra Wagenknecht, Katja Kipping, Frauke Petry oder Franziska Giffey.

    Inwieweit ihr Wirken auf einem ostdeutsch geprägten Selbstverständnis basiert war nicht Gegenstand der Studie.

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    Tags:
    Unternehmen, Studie, Männer, Rollen, Frauen, Gleichstellung, Universität Leipzig, Franziska Giffey, Frauke Petry, Sahra Wagenknecht, Manuela Schwesig, Katrin Göring-Eckardt, Katja Kipping, Angela Merkel, DDR, Ostdeutschland, Deutschland