22:25 22 April 2019
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    Flüchtlinge in Berlin (Archiv)

    „Nicht aufgeregt, sondern pragmatisch”: Deutsche sehen Migration als Chance – Studie

    © AP Photo / Markus Schreiber
    Gesellschaft
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    In der deutschen Migrationsdebatte scheint seit geraumer Zeit ein starker Kontrast zwischen Befürwortern und Gegnern zu herrschen. Die Friedrich-Ebert-Stiftung befasste sich in einer am Dienstag publizierten Studie mit der Frage, ob die Bevölkerung Deutschlands tatsächlich so polarisiert ist.

    Die Studie ließ vermuten, dass die Bevölkerung in der Tat nicht in zwei unversöhnliche Gruppen gespalten sei – es gebe eher drei Fraktionen mit weicheren Grenzen. 

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    Die Studie stuft daher die Befragten in folgende Gruppen ein: „National orientiert“, „Weltoffen orientiert“ sowie „Bewegliche Mitte“. Die ersten zwei Kategorien machen je ein Viertel der Gesamtzahl aus, während knapp eine Hälfte differenziertere Einstellungen besitzt und deshalb der „Beweglichen Mitte“ zugerechnet wird. 

    „Der Blick auf Einwanderung: Nicht aufgeregt, sondern pragmatisch. Die Deutschen sind grundsätzlich offen für Zuwanderung. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung sieht Einwanderung sogar als Chance. Nur eine Minderheit lehnt Zuwanderung nahezu kategorisch ab. Besonders groß ist die Offenheit für eine Einwanderung, die dem Fachkräftemangel entgegenwirken soll (63 Prozent)“, heißt es in der Analyse der Stiftung. 

    Der Idee der Bereicherung des sozialen und kulturellen Lebens Deutschlands durch Einwanderer stimmten insgesamt 50 Prozent der Probanden zu – daraus 81 Prozent der „Weltoffenen, 47 Prozent der „Beweglichen Mitte“ und 24 Prozent der „National Orientierten“. 

    ein Polizist und Asylbewerber in Deutschland (Archiv)
    © AFP 2019 / CHRISTOF STACHE
    Über 70 Prozent befürworten die Aufnahme von Menschen, die vor Kriegen fliehen. Die höchste Akzeptanz zeigten die Befragten für hochqualifizierte Einwanderer, die in Deutschland arbeiten möchten. 

    57 Prozent behaupteten allerdings, dass man weniger Menschen aufnehmen solle, die aus wirtschaftlichen Gründen und vor Armut fliehen würden. 

    78 Prozent der Befragten vertraten die Meinung, dass ausreisepflichtige Ausländer bleiben dürfen, wenn sie gut integriert sind und einen Job oder Ausbildungsplatz haben. 

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    Es gibt allerdings migrationsverbundene Themen, die für Bedenken und Angst bei den Befragten sorgen – und es sind überraschenderweise nicht die, die in den Medien weit diskutiert werden. 86 Prozent der Besorgten mache die Zunahme von Rechtsextremismus und rassistischer Gewalt die am meisten Angst.  

    „An zweiter Stelle steht die Sorge vor einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft“, schreiben die Autoren. 

    Den letzten Platz belegt die Konkurrenz am Arbeitsmarkt, die 30 Prozent der Befragten beunruhige. 

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    Detaillierte Schaubilder mit den Ergebnissen der Umfrage stehen auf der offiziellen Webseite der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Verfügung. 

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    Tags:
    umfrage, Migration, Einwanderung, Migranten, Friedrich-Ebert-Stiftung, Deutschland