22:30 19 April 2019
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    Insekt (Symbolbild)

    Volksentscheid zu Insektensterben: Nach Bayern soll auch Brandenburg abstimmen

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    Bolle Selke
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    Pestizide setzen Insekten ebenso zu wie ein Mangel an Lebensräumen. Umweltverbände wollen das ändern. Nachdem ein entsprechendes Volksbegehren in Bayern mit großem Erfolg abgeschlossen ist, wollen Nabu und BUND auch Brandenburg abstimmen lassen.

    „Wir stimmen gerade die letzten Bestandteile unserer Volksinitiative ab und wollen entweder kurz vor oder kurz nach den Osterferien damit starten“, erzählt Friedhelm Schmitz-Jersch, Vorsitzender des Nabu Brandenburg, im Sputnik-Interview. Osterferien sind in Brandenburg vom 15. bis 26. April.

    Gesetzlicher Ordnungsrahmen für die Landwirtschaft

    „Wir brauchen solide und feste Rahmenbedingungen für die Förderung der Landwirtschaft, mehr Naturschutz und mehr Berücksichtigung der naturschutzfachlichen Grundlagen“, erklärt Schmitz-Jersch. Er fügt hinzu:

    „Wir brauchen auch einen Ordnungsrahmen für das Arbeiten der Landwirte. Das kann man nur durch gesetzliche Grundlagen machen, unabhängig vom Agieren einer einzelnen Landesregierung, damit wir nicht wieder dieselbe Enttäuschung erleben wie in dieser Legislaturperiode.“

    Die großen Hoffnungen und Erwartungen, die die Naturschützer in die Zusammenlegung des Agrar- und des Umweltministeriums in Brandburg gehabt hätten, seien nicht erfüllt worden

    „Naturschutz und Umweltschutz spielte dabei nur eine ganz geringe Rolle, wurde zum Teil auch bewusst benachteiligt“, beklagt der Nabu-Vorsitzende.

    Im Vordergrund der Brandenburger Initiative solle der Schutz von Insekten stehen. Nabu und BUND wollen dazu ein Gesetz vorschlagen, das mehr natürliche Lebensräume für Insekten festlegt und den Einsatz von Pestiziden beschränken soll. Auch der Gewässerschutz werde bei der Brandenburger Initiative eine Rolle spielen, sagte Schmitz-Jersch.

    „Widerliche Bauern-Hetze“

    Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbundes Brandenburg, bestreitet eine Beteiligung der Landwirte an dem Insektensterben und lehnt verpflichtende Maßnahmen ab. Die „Märkische Allgemeine“ zitiert ihn mit den Worten:

    „Diese widerliche Bauern-Hetze wird bundesweite Auswirkungen haben und kann das Höfesterben dramatisch beschleunigen.“
    Selbstverständlich hätten auch die Landwirte Verantwortung, betont Schmitz-Jersch. Er erwidert:

    „Von Herrn Jung kennen wir immer sehr ausgefallene Meinungsäußerungen. Die landwirtschaftliche Fläche an unserem Bundesland beträgt 50 Prozent. Daran wird das schon deutlich. Natürlich werden im großen Umfang Pestizide verwendet. Wir haben die großen Monokulturen. Es fehlen große blühende Landschaftsflächen. Natürlich gibt es da einen direkten Zusammenhang mit dem Verschwinden der Insekten.“

    „Wo sind die Vögel?“

    Jedes Jahr würden die Brandenburger Landwirte 500 Millionen Euro vom Land bekommen, so der SPD-ler Schmitz-Jersch. Dieses Geld müsse nur zielgerichteter eingesetzt werden: „Zugunsten der Landwirte, die ökologische Leistungen erbringen.“ So könne man auch mehr Naturschutz innerhalb der Landwirtschaft verwirklichen.

    Beim „Volksbegehren Artenvielfalt“ in Bayern hatten mehr als 1,7 Millionen Bürger unterzeichnet, 950.000 hätten ausgereicht. Damit war es das erfolgreichste bayerische Referendum der letzten 50 Jahre.

    „Brandenburg ist nicht Bayern“, weiß Schmitz-Jersch. „Aber auch hier, bei unseren Bürgern, gibt es einen ganz wachen Sinn für die Veränderungen in der Landschaft und in der Natur. Immer wieder werde ich auch persönlich angesprochen: Wo sind die Vögel? Wieso sehen wir so wenige Insekten? – Der Wandel in der Natur wird sehr negativ von den Menschen wahrgenommen.“

    Das komplette Interview mit Friedhelm Schmitz-Jersch zum Nachhören:

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    Tags:
    Bauernhof, Pestizide, Landwirte, Insekten, Ökologie, Volksentscheid, Bienen, Referendum, Brandenburg, Bayern, Deutschland