22:16 19 April 2019
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    „Scharia-Arzt operiert nur mit Männern“? – Klinik weist AfD-Anschuldigungen von sich

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    Gesellschaft
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    Paul Linke
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    Zwei Mitarbeiter sollen die Leitung einer Klinik im nordrhein-westfälischen Minden kritisiert haben, die einem Arzt ermöglicht haben soll, bei Operationen nur mit Männern zusammenzuarbeiten. Das berichtete die „Neue Westfälische“. Die AfD stellt sich nun hinter die Mitarbeiter. Das Klinikum weist die Vorwürfe zurück.

    Die AfD wirft der Leitung des „Johannes Wesling Klinikums“ vor, nichts gegen einen angeblich muslimischen Arzt aus dem Nahen Osten zu unternehmen, der eine Zusammenarbeit mit Frauen bei Operationen abgelehnt habe. Die Partei beruft sich dabei auf einen Artikel der regionalen Zeitung „Neue Westfälische“. Darin werden zwei Angestellte zitiert, die die Anschuldigungen gegen den Mann und die Klinikleitung erhoben haben. Der Schuldige scheint für den Landessprecher der AfD in Nordrhein-Westfalen, Thomas Röckemann, festzustehen: „Scharia-Arzt operiert nur mit Männern! Klagende Kolleginnen der Diskriminierung bezichtigt!“, lauten die unbestätigten Anschuldigungen gegenüber dem Arzt und der Leitung des Krankenhauses in einem Facebook-Post der AfD NRW.

    AfD fordert Aufklärung oder Rücktritt von Landrat

    Gleichzeitig fordert Röckemann eine „lückenlose Aufklärung“ in einer Pressemitteilung, die der Sputnik-Redaktion vorliegt: „Dieser Fall verdient höchste Aufmerksamkeit, denn eine Diskriminierung wegen des Geschlechts verstößt gegen das Grundgesetz. Das dürfte auch der Klinikleitung bewusst sein, die sich anscheinend in einem politischen Toleranzdilemma befindet. Hier darf es jedoch keinen Spielraum für Interpretationen geben! Wir wollen fortan keine getrennten Kliniken für Männer und Frauen schaffen, um es importierten Scharia-Ärzten recht zu machen.“ Röckemann fordert weiterhin Landrat Dr. Ralf Niermann auf, die Angelegenheit zur Chefsache zu machen oder zurückzutreten.

    Klinikum wehrt sich gegen die Anschuldigungen

    Ein Sprecher der Mühlenkreiskliniken zu dessen Verbund das „Johannes Wesling Klinikum“ zählt, sagte gegenüber dem „Deutschlandfunk“ (DLF24), dass man bislang intern keinerlei Kenntnis von etwaigen Vorgängen habe. Auch der Name des beklagten Arztes sei der Klinik nicht bekannt. Den Angaben des Sprechers zufolge soll mit jedem einzelnen Beschäftigten vertraulich gesprochen werden. Es seien auch schon viele Gespräche geführt worden, doch dabei sei nichts herausgekommen. Der Sprecher habe klargestellt, dass man Diskriminierungen jeglicher Art ablehne. Diese seien inakzeptabel und würden zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen führen, berichtet „DLF24“. Er habe außerdem bemerkt, dass die Belegschaft im Pflege- und Funktionsdienst zu 85 Prozent aus Mitarbeiterinnen bestehe. Ein Operationsbetrieb sei daher ohne Frauen gar nicht erst möglich.

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    Ein mögliches individuelles Fehlverhalten habe die Klinik jedoch nicht ausschließen wollen. OPs seien hierarchisch organisiert, sagte der Sprecher gegenüber dem „DLF24“. Das Sagen habe immer der „messerführende Arzt“, so der Sprecher. Es könne durchaus in Stresssituationen mal vorkommen, dass Mitarbeiter aus dem OP geworfen würden. Da könne es schon mal laut werden und es könne ein unbedachter Satz fallen, weil es um Leben und Tod gehe. Das sei jedoch jedem bewusst, der im OP arbeite.

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    Tags:
    Diskriminierung, Operation, Arzt, Scharia, Landrat, Klinik, Johannes Wesling Klinikum, AfD, Thomas Röckemann, NRW, Deutschland