10:06 21 April 2019
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    Mdb Philipp Amthor (CDU)

    Verbale Angriffe auf „Merkels Bubi“ MdB Amthor wegen Stimme für AfD-Kandidatin

    © Foto: Deutscher Bundestag / Achim Melde
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    Liudmila Kotlyarova
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    Mit 199 Ja- und 423 Nein-Stimmen hat die AfD-Kandidatin Mariana Harder-Kühnel am Donnerstag die Wahl zur Bundestags-Vizepräsidentin erneut verloren. Viele haben sich trotzdem für sie entschieden – auch der mit 26 Jahren jüngste Abgeordnete Philipp Amthor von der CDU. Nach seinem Phoenix-Interview erntet er nun dafür im Netz massive Kritik.

    Eigentlich sagte Amthor – für seine Anpassungskultur von der „Bild“-Zeitung einst als „Merkels Bubi“ gefeiert – gegenüber dem TV-Sender Phoenix eher Langweiliges als Provokatives. „Man muss kein Fan von Frau Mariana Harder-Kühnel sein, das bin ich auch nicht, aber das gilt auch nicht für politische Positionen, die ich von Claudia Roth und anderen nicht teile“, so der junge Mann. Claudia Roth (Die Grünen) ist seit 2013 die Vizepräsidentin.

    Die CDU erwarte aber eine Gegenseitigkeit, also, dass die AfD sich an die parlamentarischen Spielregeln halten würden, fuhr Amthor fort. Übrigens: „Frau Harder-Kühnel erscheint als eine durchaus vermittelbarere Kandidatin als es Herr Glaser war.“ Albrecht Glaser war bei drei Wahlgängen im Januar 2018 endgültig als AfD-Kandidat gescheitert.

    „Morgen geht er mit Höcke seine Männlichkeit suchen“

    Nun erntet Amthor im Netz einen massiven Shitstorm. Unter dem Hashtag #NaziRaus fragte sich ein gewisser Basti, ob „der Typ nicht ganz bei Trost ist“. Amthor ist laut dem Rechtsanwalt Christoph Nebgen, als „Rough Justice“ angemeldet, „ein Armutszeugnis für den demokratischen Rechtsstaat“ und zeugt laut der „Union-Watch“ davon, dass die CDU sich „immer mehr demaskiert“.

    Es versammelten sich in den Kommentaren mehrere Unterstützer, ein gewisser Jyrgen Balzer wollte z.B. wissen, ob „der Kopf bei einigen Menschen nur eine Sicherungskopie vom Arsch ist“.

    Einige haben sich nicht eines Vergleichs mit Bernd Höcke enthalten. Vor Monaten stand der umstrittene AfD-Chef in Thüringen wegen seiner Propaganda von mehr Männlichkeit im Rampenlicht.

    Nur sehr wenige haben sich an seite Seite gestellt.

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    Amthor will den AfD-Zuspruch besser verstehen

    Enttäuscht dürften sich die Kritiker über den als Posterboy des konservativen Flügels bekannten Amthor auch deshalb fühlen, weil er zuvor eine ziemlich harte Position gegenüber der AfD demonstriert hatte. Es sind mehrere Videos mit seinen Auftritten im Bundestag zu finden, mit Überschriften wie etwa „Philipp Amthor belehrt die AfD“, „Philipp Amthor wirft der AfD Inszenierung vor“.

    Im Februar 2018 zerfetzte er einen Antrag der AfD um das Thema Burkaverbot wegen juristischer Formfehler. Mit erhobenem Zeigefinger schimpfte Amthor in seiner Bundestagsrede: Der AfD-Antrag strotze vor falschen Behauptungen. Der Auftritt endete mit dem Satz: „Hören Sie mir mal zu, dann können Sie noch was lernen über die Verfassung!“ Die „Bild“ freute sich über den neuen Medienstar, denn „Merkels Bubi' gibt der AfD Saures!“

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    Im März trat Amthor aber mit einer markanten Erklärung auf. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur afp warnte er davor, die rechtsgerichtete Partei zu ignorieren, sondern ihren Zuspruch besser zu verstehen. „Probleme werden nicht dadurch kleiner, dass man sie ignoriert. Aber man sollte die AfD auch nicht unnötig groß reden“, sagte Amthor. Das „verbindende Band“ seien Ablehnung und Protest.

    „Absage an den Opportunismus von Herrn Lindner und Herrn Brinkhaus“

    Auch der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus hatte vor dem dritten Wahlgang erklärt, er wolle für die AfD-Kandidatin stimmen. Er soll sich nach einem Gespräch mit ihr dazu entschlossen haben. Zuvor hatte schon FDP-Fraktionschef Christian Lindner angekündigt, die AfD-Frau zu wählen, um der Partei keine Gelegenheit zu bieten, sich als Märtyrer zu stilisieren. Kritik kam selbst von Politikern wie Martin Schulz (SPD).

    Allerdings hat Fraktionschef Alexander Gauland schon von einer „erneuten Kriegserklärung“ der Altparteien gesprochen. Künftig will die Partei bei jeder Möglichkeit einen neuen Kandidaten benennen und rechtliche Schritte prüfen. Nach dem Wahlgang verließ die Fraktion geschlossen den Saal.

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    Tags:
    Bundestagsabgeordnete, Bundestag, Wahl, Druck, Rechtsstaat, Kritik, Demokratie, AfD, Die Grünen, CDU, SPD, Bundestag, Mariana Harder-Kühnel, Ralph Brinkhaus, Philipp Amthor, Björn Höcke, Christian Lindner, Alexander Gauland, Martin Schulz, Angela Merkel, Deutschland