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11:23 24 Juli 2019
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    Angela Merkel hält Rede vor den deutschen Truppen in Litauen (Archivbild)

    „Yougov“ vs. „ARD-Deutschlandtrend“ – Der Rückhalt für die Nato bröckelt?

    © AP Photo / Mindaugas Kulbis
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    Paul Linke
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    70 Jahre nach Gründung der Nato sinkt der Rückhalt für das Militärbündnis. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts „Yougov“. Nur noch 54 Prozent der Deutschen befürworten demnach eine Mitgliedschaft. Ein gegenteiliges Ergebnis präsentiert der „ARD-Deutschlandtrend“.

    Am Donnerstag trafen sich die Nato-Staaten in London, um das 70-jährige Jubiläum des sogenannten Verteidigungsbündnisses zu feiern. Eine aktuelle Studie dürfte die Nato-Funktionäre allerdings kaum begeistern. Denn die Allianz soll in den letzten zwei Jahren innerhalb der EU-Staaten deutlich an Rückhalt verloren haben. Das ist zumindest das Ergebnis einer internationalen „Yougov“-Umfrage in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Norwegen und den USA.

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    Im Jahr 2017 hätten „Yougov“ zufolge noch mehr als zwei Drittel der Deutschen (68 Prozent) eine Mitgliedschaft Deutschlands befürwortetet — 2019 sollen es nur noch 54 Prozent sein. Ähnlich habe sich der Rückhalt in Großbritannien von 73 Prozent auf 59 Prozent und in Frankreich von 54 Prozent auf 39 Prozent verringert. In Dänemark und Norwegen lasse sich ebenfalls ein Rückgang von 80 auf 70 Prozent und von 75 auf 66 Prozent beobachten.

    ​In den USA habe sich die Meinung der Bevölkerungen weniger stark verändert. Die Amerikaner sollen weiterhin insgesamt weniger positiv gegenüber der Nato als die Europäer bleiben. Jedoch habe sich deren Rückhalt deutlich weniger stark verringert. 44 Prozent der Amerikaner sollen die Mitgliedschaft der USA in der Nato befürworten – im Jahr 2017 waren es noch 47 Prozent.

    „Was, wenn Russland angreift?“

    Auch bei der Frage nach der konkreten Bereitschaft, einzelne Länder zu verteidigen, sei diese nicht mehr so deutlich gegeben. Dies zeige sich bei den Antworten auf die Frage, ob das eigene Land bereit sein sollte, militärische Gewalt einzusetzen, wenn Russland eines der zehn anderen Nato-Mitglieder (Kroatien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Lettland, Polen, Rumänien, Türkei, Großbritannien, USA) oder eines der Nicht-Mitgliedsländer (Finnland, Schweden und Ukraine) angreifen würde.

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    Zwar seien sich die Befragten bei einem Großteil der Länder einig, dass sie zu deren Verteidigung eilen würden. Doch vor allem bei der Verteidigung der Türkei herrsche Uneinigkeit, so die Studie. Die Deutschen (68 Prozent gegenüber 14 Prozent, die helfen würden) und Franzosen (48 Prozent gegenüber 18 Prozent) würden mehrheitlich eine Verteidigung gegen Russland ablehnen. Die Briten seien gespalten, jeweils 31 Prozent befürworteten und lehnten einen Eingriff ab. Die Amerikaner würden der Türkei eher zur Hilfe eilen als nicht (36 Prozent gegenüber 22 Prozent).

    ​Auch würden die Deutschen und Franzosen eher nicht zur militärischen Verteidigung der Ukraine und Rumänien beitragen. Die Deutschen – mit 41 Prozent gegenüber 31 Prozent, die helfen würden – sehen außerdem eher davon ab, den USA Bündnishilfe zu leisten, im Gegensatz zu den Amerikanern, die den Deutschen zur Hilfe eilen würden. 54 Prozent der Amerikaner würden den Deutschen helfen gegenüber 15 Prozent, die es nicht tun würden, bemerken die Autoren.

    „Deutschlandtrend“: 82 Prozent halten Nato für wichtig

    Ein gegenteiliges Ergebnis beim Rückhalt für das Militärbündnis zeigt der „ARD-Deutschlandtrend“ am Donnerstag. Dort stehe die Mehrheit der Bürger hinter dem „Verteidigungsbündnis“. Ganze 82 Prozent der Befragten hielten die Nato für wichtig, um den Frieden in Europa zu sichern. 71 Prozent fänden, die Bundesrepublik brauche ein Bündnis wie die Nato, um sich international Gewicht zu verschaffen. Gerade mal 13 Prozent hielten der Umfrage von „Infratest Dimap“ zufolge die Nato für überflüssig und meinten, dass sie abgeschafft werden sollte.

    ​​Die Euphorie der Bürger für die Nato soll jedoch nachlassen, wenn es um das Finanzielle geht. Einer Erhöhung des Verteidigungsetats Deutschlands auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) – wie es die Mitgliedsländer der Nato beim Außenministertreffen noch einmal bekräftigten – sollen die Befragten kritisch gegenüberstehen. So hätten sich 43 Prozent für eine entsprechende Erhöhung der Verteidigungsausgaben ausgesprochen. 53 Prozent der Befragten lehnten diese ab, so die Ergebnisse der „Infratest Dimap“-Umfrage im Auftrag der „ARD-Tagesthemen“ und der Zeitung „Die Welt“.

    Überdurchschnittlich hoch sei die Ablehnung steigender Verteidigungsausgaben mit 68 Prozent in den östlichen Bundesländern, unter Geringverdienern (74 Prozent) und Anhängern der Linken (72 Prozent) und der Grünen (62 Prozent). Einer Erhöhung des Verteidigungshaushaltes würden Frauen weniger offen gegenüberstehen als Männer. Unter den Anhängern von FDP und AfD finde die Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des BIP mehrheitlich Anklang.

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    Tags:
    Linke, Verteidigung, öffentliche Meinung, Umfrage, Meinung, Jahrestag, Partei Alternative für Deutschland (AfD), YouGov, ARD, NATO, Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan, Donald Trump, Ursula von der Leyen, Jens Stoltenberg, Angela Merkel, Türkei, USA, Deutschland