18:51 17 November 2019
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    Echte Männer mit Rückgrat (Symbolbild)

    Darum leben Männer kürzer als Frauen – Studie

    © Sputnik / Alexander Kryazhev
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    Jährlich erstellt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Studie, in der sie ermittelt, wie es um das Wohlbefinden der Menschheit steht. Dieses Jahr haben die Experten in ihrem Bericht die Frage beantwortet, warum Männer nicht so lange wie Frauen leben.

    Aus der globalen WHO-Studie lassen sich folgende sechs Erkenntnisse ableiten.    

    1. Es werden deutlich mehr Jungen als Mädchen geboren — doch das Verhältnis dreht sich im Laufe des Lebens um

    Dieses Jahr kommen weltweit mehr als 141 Millionen Babys auf die Welt, schätzt die WHO. Bei der Geburt gebe es noch einen deutlichen Männerüberhang: 73 Millionen der Neugeborenen würden Jungen sein, nur 68 Millionen Mädchen. Auf 100 Mädchen würden damit rund 107 Jungen kommen.

    Da Männer früher sterben als Frauen, drehe sich dieses Verhältnis im Laufe des Lebens jedoch um. In der Altersgruppe der 50- bis 54-Jährigen habe sich der Unterschied 2016 ausgeglichen.

    2. Frauen leben nicht nur länger — sie bleiben auch länger gesund

    Die Lebenserwartung der Menschen steige weltweit. Heute geborene Jungen würden im Durchschnitt knapp 70 Jahre alt, Mädchen 74 Jahre. Das sei rund fünf Jahre mehr als noch im Jahr 2000. Zwischen den beiden Geschlechtern bleibe damit jedoch ein Unterschied von mehr als vier Jahren bestehen.

    Auch die Jahre, die Menschen ohne Krankheiten verbringen, steige. Demnach könnten sich heute geborene Babys im Schnitt auf 63,3 gesunde Lebensjahre freuen. Allerdings gebe es auch hier Geschlechterunterschiede: Bei Frauen liege die Zahl der gesunden Lebensjahre bei 64,8 Jahren, bei Männern nur bei 62,0 Jahren.

    3. Es gibt viele Gründe, warum Männer früher sterben

    Die kürzere Lebenserwartung der Männer hat viele Ursachen, schreiben die Forscher. Von den 40 häufigsten Todesursachen würden sich 33 stärker auf die Lebenserwartung von Männern auswirken. Die größten Differenzen bestehen bei:

    —  Ischämischen Herzkrankheiten (kosten Männer 0,84 Lebensjahre mehr als Frauen),

    —  Verkehrsunfällen (kosten Männer 0,47 Lebensjahre mehr als Frauen),

    —  Lungenkrebs (kostet Männer 0,4 Lebensjahre mehr als Frauen) und

    —  Chronisch obstruktiven Lungenkrankheiten (COPD) (kosten Männer 0,36 Jahre mehr als Frauen).

    Einige der Unterschiede würden sich genetisch erklären lassen. So würde etwa mit dem X-Chromosom verbundene Prozesse dafür sorgen, dass Mädchen ein stärkeres Immunsystem haben und das Kleinkindalter häufiger überleben. 2017 sei das Risiko von Jungen, vor dem fünften Geburtstag zu sterben, elf Prozent höher als das der Mädchen gewesen.

    4. Die Unterschiede sind in reichen Ländern viel stärker ausgeprägt als in armen

    Je ärmer eine Region sei, desto geringer seien die Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen. Das liege vor allem an Gefahren rund um die Schwangerschaft. In mehr als 90 Prozent der Länder mit einem geringen Einkommen seien weniger als vier Hebammen für 1000 Frauen zuständig. Hinzu komme, dass in armen Ländern mehr Menschen durch Infektionskrankheiten sterben würden, die Männer und Frauen gleichermaßen treffen.

    5. Morde und Suizide sind ein amerikanisches und europäisches Problem

    Weltweit gesehen würden im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße die meisten Morde in der amerikanischen WHO-Region passieren, zu der neben Nord- und Mittel- auch Südamerika gehört. In der europäischen WHO-Region, die auch Russland mit einbezieht, sei dagegen die Suizidrate im weltweiten Vergleich am höchsten.

    6. Zuletzt: Männer kümmern sich später um Krankheiten als Frauen

    Leiden Männer und Frauen unter den gleichen Krankheiten, würden sich Männer in der Regel später Hilfe holen. Bei Infektionskrankheiten wie HIV und Tuberkulose etwa würden Männer oft verzögert eine Diagnose und Behandlung erhalten. Dies führe dazu, dass sie mit ihrem geschwächten Körper häufiger Folgekrankheiten entwickelten und häufiger an Aids stürben, schreiben die Forscher.

    „Strategien, um den Zugang von Männern zu Gesundheitsangeboten zu verbessern, könnten deshalb nicht nur Geschlechterunterschiede verbessern, sondern auch die grundsätzliche Verbreitung von Krankheiten in der Gesellschaft verringern“, heißt es in dem Bericht.

    >> Weitere Sputnik-Artikel: „Scharia-Arzt operiert nur mit Männern“? – Klinik weist AfD-Anschuldigungen von sich

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    Tags:
    Lebenserwartung, Männer, Weltgesundheitsorganisation (WHO)