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00:04 19 September 2019
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    Eine deutsche Kita (Archivbild)

    13.589 Euro für einen Kitaplatz: Berliner Eltern verzweifelt

    © AP Photo / Michael Probst
    Gesellschaft
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    Einige Eltern in Berlin sind bereit, immer höhere Summen zu zahlen, um für ihre Kinder einen Betreuungsplatz zu finden. Längst habe sich dadurch eine Schattenwirtschaft entwickelt, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

    Auf dem Onlineportal „Ebay-Kleinanzeigen“ habe ein Vater aus Berlin 5000 Euro für die Vermittlung eines Kitaplatzes für seine zweijährige Tochter angeboten — bevorzugt in den Bezirken “Friedrichshain, Treptow, Lichtenberg“. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) am Montag.

    Im Raum Berlin scheine der Mangel an Kitaplätzen solche Ausmaße angenommen zu haben, dass sich eine erstaunliche Schattenwirtschaft entwickelt habe — „jenseits von durchaus vorkommenden Bestechungsversuchen verzweifelter Eltern, die Kuchen oder Bastelmaterialien in Betreuungseinrichtungen vorbeibringen“, so die Zeitung. 

    Zutreffend beschreibt die Berliner Satirikerin Sarah Bosetti die Situation der Kindergärten: „Erfolgreichster Anmachspruch in Berlin: ‚Hey, wir kennen uns noch nicht, aber ich habe mich schon um den Kitaplatz für unser Kind gekümmert‘“.

    ​Die besagte Anzeige lässt sich zwar nicht mehr auffinden, dafür finden sich andere, teilweise höhere Gebote von offensichtlich noch verzweifelteren Eltern. Ein Überbietungswettbewerb ist im Gange, der von 500 Euro bis zu der galaktischen Summe von 13.589 Euro für einen Kita-Platz oder eine Tagesmutter reicht. „Wir sind auf der verzweifelten Suche nach einem Kitaplatz für unsere Tochter, welche im letzten Jahr August geboren worden ist. Der Kitaplatz sollte sich in Friedrichshain oder näherer Umgebung befinden.“ schreibt eine Familie und bietet 1000 Euro.

    Die Gründerin der Plattform „Kitakriseberlin.org“, Katharina Mahrt, erzählt gegenüber der „SZ“ von ortsansässigen Agenturen, die mittlerweile Maklerdienste für Kitaplätz anbieten. Sie selbst habe zwei Jahre nach einem Platz für ihren Sohn gesucht, obwohl sie sich bereits in der Schwangerschaft dafür angemeldet habe. Sie kenne diese „Ebay-Kleinanzeigen“, die sie selbst schockierten. „Es ist eine Heidenarbeit, ständig vorbeizulaufen, nachzuhaken, das kostet Zeit. Dann ist es eine Investition, andere das machen zu lassen“, erklärt Mahrt verständnisvoll.

    Seit 2013 gibt es zwar einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für Kinder ab einem Jahr — trotzdem würden deutschlandweit ungefähr 270.000 Plätze fehlen, in Berlin seien es geschätzt 10.000, schreibt die „SZ“. Die verschärfte Situation erklärt die Zeitung folgendermaßen: „Anhaltender Geburtenboom trifft auf besonders eklatanten Fachkräftemangel trifft auf fehlende Umsetzung lange geplanter Einrichtungen. Bei der Ausschreibung der Stadt für den Bau von 27 neuen Kitas fand sich bislang kein einziges Unternehmen.“

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    Gegenüber der „Süddeutschen“ soll sich auch anonym der „5.000-Euro-Vater“ geäußert haben:  Er würde noch „wenig Geld“ bieten für das, was er möchte. Zwar hätte er für seine Tochter „irgendwann einen Platz gefunden“, aber für die Wegstrecke brauche er 50 Minuten. So seien er und seine Frau täglich 3,5 Stunden damit beschäftigt, die Tochter zur Kita hinzubringen und wieder abzuholen. Sie seien am „Limit“, die Anzeige sei ein „Hilfeschrei“, die allerdings auf nur wenig Resonanz stoße, so der Vater gegenüber dem Blatt.  „Wenn sich nicht bald etwas tut, ziehen wir in die Nähe der Kita. Und das ist teurer als 5.000 Euro“, betont der Vater der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge.

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    Tags:
    Krise, Geld, Anzeige, Eltern, Kinder, Kita, Süddeutsche Zeitung, eBay, Berlin, Deutschland