04:16 20 April 2019
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    Untersuchung der Folgen der NATO-Bombenangriffe gegen Jugoslawien (Archivbild)

    Serbischer Minister: Uran-Bomben der Nato trafen vor allem den Kosovo

    © AP Photo / Visar Kryeziu
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    Aleksandra Stanic
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    Die serbischen Behörden wollen Wissenschaftlern Finanzmittel und die notwendige Ausstattung bereitstellen, damit diese in einem Jahr die Ergebnisse einer Studie vorlegen können, die eine Verbindung zwischen den Folgen der Umweltverschmutzung mit abgereichertem Uran und dem Wachstum der onkologischen Erkrankungen nachweisen.

    Von den radioaktiven Geschossen der Nato war vor allem der Kosovo betroffen, dessen albanische Bevölkerung von der Allianz 1999 „geschützt“ wurde.

    Der serbische Umweltminister Goran Trivan erzählt im Sputnik-Interview, welche Anstrengungen zur Ermittlung der Folgen des Einsatzes der radioaktiven Geschosse auf der institutionellen Ebene vom Staat unternommen werden, wann die Ergebnisse zu erwarten sind und wozu das überhaupt nach 20 Jahren notwendig ist.

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    Dem Minister zufolge haben die Menschen das Recht, ihr Leben, ihre Gesundheit und ihre Kinder zu schützen. Die serbischen Behörden arbeiten daran, ihnen dabei zu helfen, Vorwürfe gegen die Nato zu erheben.

    „Wir sind dafür verantwortlich, dass diese Arbeit ordentlich gemacht wird. Wir wissen, dass ihre Ergebnisse de facto das einzige effektive Argument für alle sein werden, die Gerechtigkeit vor Gericht suchen möchten. Es geht darum, eine relevante Studie durchzuführen und relevante Ergebnisse zu bekommen“, so Trivan gegenüber Sputnik.

    Im zufolge neigt sich der administrative Teil der Arbeit des speziellen Koordinierungsorgans, das sich mit diesen Studien befassen soll, dem Ende zu. Bald könne es unmittelbar mit der Erfüllung seiner Aufgabe beginnen – nämlich wissenschaftlich nachzuweisen, dass das abgereicherte Uran die Entwicklung von Krebserkrankungen und andere Gesundheitsprobleme verursacht. Erste Ergebnisse der Studien, die gemäß internationalen Standards und Methodologie erfolgen werden, sind in einem Jahr zu erwarten, die Schlussfolgerungen der Kommission werden sofort veröffentlicht, so der Umweltminister.

    „Sobald wir unser Verdikt vorstellen, werden wir der Öffentlichkeit Wege zur Problemlösung vorschlagen und verstehen, wie wir unsere Staatsbürger schützen können. Ärzte können dann ein endgültiges Verdikt formulieren: was weiter getan werden muss, was der Staat in der nächsten Zukunft unternehmen muss, welche Maßnahmen die Staatsbürger in einzelnen Regionen ergreifen sollten. Die Frage ist zwar delikat, doch in der Tat ist alles einfach“, so Trivan.

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    Bezüglich der Frage, ob sich die Wissenschaftler sicher sein können, dass sie ausreichend Finanzmittel und technische Ausstattung haben, sagt der Minister, dass die aktuelle serbische Regierung über ausreichende Ressourcen und politischen Willen verfügt, um diese Sache abzuschließen.

    „Eben dazu wurde das Koordinierungsgremium gebildet. Ich kann sagen, dass es keinen Mangel an finanzieller Unterstützung geben wird. Die gestellte Aufgabe wird grundlegend, ohne Eile und nach der allgemein in der Welt anerkannten Methodologie erfüllt“, so der Minister.

    Ihm zufolge wird der Staat darauf beharren, dass die Studien auch im Kosovo und Metochien durchgeführt werden. Das sollte nicht als politische Dimension wahrgenommen werden.

    „Die meisten Geschosse mit abgereichertem Uran wurden auf Kosovo und Metochien abgeworfen. Dort wissen die Menschen, unter welchen Bedingungen sie leben und woher die gestiegenen Zahlen von onkologischen Erkrankungen kommen. Kosovarische gemeinnützige Organisationen stellen sich ebenfalls diese Fragen, weil die Verschmutzung, unabhängig davon, wodurch sie ausgelöst wurde, keine nationalen Grenzen kennt“, so Trivan. Er rechnet mit einer Kooperation von Belgrad und Pristina bei der Erforschung der Folgen der Bombenangriffe.

    Während der Nato-Angriffe auf Jugoslawien wurden auf die Bundesrepublik mindestens neun bis zehn Tonnen abgereicherten Urans abgeworfen, was die Vertreter der Allianz selbst zugaben. Radioaktives schweres Metall hält sich lange in Wasser, Grund, lebendigen Organismen und verbreitet sich mit atmosphärischen Strömungen in Aerosolform. Serbische Forscher gehen davon aus, dass der Kontakt mit ihnen die Gesundheit vieler Generationen zerstörerisch beeinflusst.

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    Tags:
    Bomben, Uran, Onkologie, Gesundheit, Studie, Umwelt, radioaktive Geschosse, Jugoslawienkrieg, NATO, Goran Trivan, Metochien, Jugoslawien, Albanien, Kosovo, Serbien